Dieter Müller knipste wie am Fließband. Sein Leben abseits des Platzes lief nicht immer rund. edel books
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Dieter Müller knipste wie am Fließband. Sein Leben abseits des Platzes lief nicht immer rund.

Biografie

Prall und traurig

  • Thomas Kilchenstein
    vonThomas Kilchenstein
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Viel zu viel für ein einziges Leben - jetzt erscheint die Biografie über den ehemaligen Fußballprofi Dieter Müller.

Anfang April hatte Dieter Müller Geburtstag, er ist 66 Jahre alt geworden - oder acht, je nachdem, welchen Geburtstag man nehmen möchte. Denn Dieter Müller, ein Kind der Nachkriegszeit, Ex-Torjäger des 1. FC Köln, einziger Sechs-Tore-in-einem-Spiel-Schütze und langjähriger Präsident von Kickers Offenbach, kann sozusagen zweimal im Jahr feiern, einmal am 1. April und noch einmal am 30. September. An diesem Tag vor acht Jahren hatte Dieter Müller, 58-jährig, in seinem Haus in Maintal einen Herzinfarkt erlitten, 31 Minuten stand sein Herz still, seine spätere Frau Johanna Höhl, holte ihn ins Leben zurück. Heute geht es dem Vize-Europameister von 1986 den Umständen entsprechend, sein Herz bringt nur noch 35 Prozent Pumpleistung, an Joggen ist nicht mehr zu denken, aber Dieter Müller schreibt: „Ich stehe im Herbst meines Lebens und versuche jeden Tag zu genießen, weil ich weiß: Der Morgen ist nicht versprochen.“

Dieter Müller hat viel mitgemacht in seinen 66 Jahren, viel mehr eigentlich als in ein einziges Leben reinpassen würde. Sein Leben war eine Art Achterbahnfahrt, überragende sportliche Erfolge auf der einen Seite, er war ein gefeierter Bundesligastar, der für Kickers Offenbach, den 1.FC Köln, VfB Stuttgart und zum Abschluss noch bei Girondins Bordeaux Tore am Fließband erzielt, er war Nationalspieler, eine Ikone in Köln, er hat mit der Creme de la Creme des Weltfußballs zusammen gespielt, hat unter Aime Jacquet, Hennes Weisweiler, Gyula Lorant und Tschik Cajkovski trainiert. Der Fußball, dem er alles zu verdanken hat, hat ihn wohlhabend und berühmt gemacht.

Das ist das eine Leben, das strahlende, glitzernde. Das andere ist tieftraurig, von persönlichen Schicksalsschlägen geprägt, und das war nicht nur der Herzinfarkt. Dieter Müller stammt aus kleinen Verhältnissen, der Vater Heinz Kaster verschwand kurz nach der Geburt, Klein-Dieter wuchs bei seinen Großeltern und Tante Annemarie in Offenbach in der Annastraße auf, eine Schwester starb an ihrer Alkoholsucht, eine Tante verlor zwei Kinder: Das Allerschlimmste erlebte Dieter Müller, als sein 16-Jähriger Sohn Alexander an einem Gehirntumor starb, von einem auf den anderen Moment war nichts mehr wie zuvor. „Ich wusste, wie man eine gegnerische Abwehr auseinandernimmt“, sagt Müller in seiner Biografie „Meine zwei Leben“, „doch den Schicksalsschlägen des Lebens stand ich mehr als einmal ohnmächtig gegenüber.“ Er ist oft gefragt worden, wie er diese Nackenschläge gemeistert hat, er habe versucht, „auch in den schlimmsten Schicksalsschlägen noch einen Sinn zu erkennen.“ Sein Glaube an Gott hat ihm geholfen.

„Ich hatte ein außergewöhnliches Leben“, sagt Müller heute. Er hat dieses pralle, traurige, hinreißende Leben zwischen zwei Buchdeckel gepackt. Mounir Zitouni, Jahrgang 1970, inzwischen Business-Couch, vorher Redakteur beim Kicker und einst sein Spieler bei Kickers Offenbach, hat es aufgeschrieben, hat recherchiert, Zeitzeugen befragt und die berührende und unglaubliche Lebensgeschichte eines Fußballhelden liebevoll aufgeschrieben.

Nur beim Kapitel über den Tod von Alexander hat Müller eingegriffen, die erste Fassung hat ihm nicht gefallen. Er hat dieses Kapitel über die Tragik seines Sohnes dann selbst verfasst.

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