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Uli Hoeneß (l) und der ehemalige Vorstandsvorsitzende des Sportartikelherstellers adidas, Herbert Hainer.

Bayern München

Ein Präsident für alle

Herbert Hainer will Kommerz und Tradition vereinen und den neuen Vorstand Kahn fördern.

Das letzte Wort, so ist es ja meistens, hatte die Frau. Angelica Hainer war vielleicht nicht ganz so begeistert wie ihr Ehemann, aber was sollte sie machen? Da stand ihr Herbert mit leuchtenden Augen und fragte sie, ob er, 65 Jahre alt, beruflich noch mal etwas Neues machen könnte. Präsident des FC Bayern werden, seine Leidenschaft für den Fußball ausleben. Angelica war „nicht aus dem Häuschen“, aber sagte: „Wenn du es unbedingt willst, mach es!“

Herbert Hainer hat sich öffentlich noch nicht geäußert, seitdem dieser Satz in seinen eigenen vier Wänden ausgesprochen wurde, und er wird es auch nicht tun, bis er auf der Jahreshauptversammlung Mitte November als Nachfolger von Uli Hoeneß gewählt werden wird. Der designierte Bayern-Präsident hat sich dazu entschlossen, sein Wirken erst mal für sich sprechen zu lassen und auf Interviews im Vorfeld zu verzichten. Eine Ausnahme hat er freilich gemacht. Im Mitgliedermagazin „51“ plauderte er nicht nur die Anekdote von daheim aus, sondern stellte auch klar: „Ich habe sicher nicht Hoeneß‘ Fußballsachverstand, habe aber viele Jahre eine große Firma geleitet und kann da Expertise einbringen. Ich möchte auf jeden Fall der Präsident von allen werden.“

Trainingslagerreisen nach Doha befürwortet er

Worte, die gut und logisch klingen – und an denen sich der langjährige Adidas-Chef messen lassen muss. Er selbst weiß, dass die Fußstapfen von Hoeneß „riesig“ sind und sagt: „Wie er die Dinge angepackt hat, ist einzigartig.“ Hainer, aufgewachsen in einer fußballverrückten Familie, muss seinen eigenen Weg gehen. Hoeneß soll und wird im Hintergrund mitwirken und als Freund und Experte Ratschläge erteilen: „Die Handynetze am Tegernsee sind intakt – und ich habe über die Jahre schon herausgefunden, wie ich ihn kriegen kann.“ Nur harmonisch aber wird es zwischen den beiden Metzgersöhnen nicht zugehen, denn: „Wir sind zwar befreundet – aber das heißt ja nicht, dass wir immer zu jedem Thema gleicher Meinung sind.“

Wenn Hainer ein Spiel sieht, will er nicht gestört werden: „Ich lebe das mit absolutem Herz.“ Und wenn er einen Verein wie den FC Bayern führt, gilt: „In der Zukunft wird es noch wichtiger, die Balance zu finden zwischen sportlichem Erfolg und wirtschaftlicher Stärke einerseits und Nähe zu den Fans und den Mitgliedern auf der anderen Seite. Wir wollen ein bayerischer Verein bleiben, der sich dabei der Welt öffnet.“

Dass dieser Spagat immer schwieriger wird, weiß Hainer. Trainingslagerreisen nach Doha befürwortet er daher, sagt aber auch: „Wir dürfen wir unsere Identität nicht verlieren. Viele internationale Klubs sind heute kickende Konzerne, zusammengekaufte Haufen. Das kann nicht der Weg des FC Bayern sein.“ Im Profifußball gehe es verstärkt darum, sich konkret zu fragen: „Wie können wir mehr investieren? Wie können wir aber auch unseren Nachwuchs stärker fördern?“ Zudem dürfe man den Breitensport im Verein nicht aus den Augen verlieren: „Das ist sehr wichtig. Dort lebt der FC Bayern, dort atmet er, dort sind unsere Mitglieder aktiv.“

Knapp eineinhalb Monate sind es noch bis zur Wahl, Hainer ist voller Ehrgeiz für die neue Aufgabe: „Ich würde natürlich auch gerne mal die Champions League gewinnen. Den Antrieb sollten wir beim FC Bayern haben.“ Dabei helfen, die sportlich hohen Ziele zu verwirklichen, wird ab Januar 2020 Oliver Kahn als Vorstand, den Hainer als „klasse Besetzung“ betitelt: „Er passt hervorragend zum FC Bayern. Er war als Spieler eine absolute Identifikationsfigur, hat das Bayern-Gen gelebt wie kaum ein Zweiter, er kennt den Klub.“ Hainer will Kahn mit seinem „Netzwerk aus der Sportbranche und meinen Erfahrungen aus der Wirtschaftswelt“ fördern.

Von Hanna Raif

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