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Martina Voss-Tecklenburg.

Kommentar Martina Voss-Tecklenburg

Die Powerfrau mit Pfiff

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Martina Voss-Tecklenburg ist nah dran am deutschen Frauenfußball, sie sieht Länderspiele und Bundesligapartien regelmäßig ? und damit auch, was alles schiefläuft. Ein Kommentar.

Horst Hrubesch weiß nun über seine weitere Lebensplanung endlich Bescheid: Am Jahresende kann der 67 Jahre alte Sportdirektor des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) in den Ruhestand gehen. Vorher wird der alterslose Menschenfänger aber noch gebraucht und soll im letzten Aushilfsjob mit seiner geballten Erfahrung die latent verunsicherte deutsche Frauen-Nationalmannschaft erfolgreich durch das noch nie so eng gewordene Nadelöhr WM-Qualifikation führen.

Möglicherweise müsste das Ticket zum Turnier 2019 im Nachbarland Frankreich im Nachgang mittels einer nervenzehrenden Playoff-Runde gelöst werden, was aber in der wichtigen Partie am 1. September auf Island verhindert werden kann. Dass solche mit der Verpflichtung zum Sieg verknüpften Entscheidungsspiele noch nicht von Martina Voss-Tecklenburg gecoacht werden, erscheint vernünftig. Aus ihrer Perspektive, aber auch aus Sicht des Verbands: Was würde denn passieren, wenn ein Elfmeterpfiff, ein Torwartfehlgriff oder eine Windböe all die schönen Langzeitkonzepte hinfällig gemacht hätte, die in nächster Zeit gemeinsam mit der 50-Jährigen ausgeheckt werden?

Die aktuelle Schweizer Nationaltrainerin ist nah dran am deutschen Frauenfußball, sie sieht Länderspiele und Bundesligapartien regelmäßig – und damit auch, was alles schiefläuft. Dass um die machtvolle Ewig-Bundestrainerin Silvia Neid ein Apparat entstand, der zu selten über den Tellerrand blickte, war eigentlich bei der WM 2015 in Kanada schon offensichtlich, doch fing der Olympiasieg 2016 in Brasilien jeden Reformbedarf wieder ein.


Danach die als Fußballlehrerin völlig naive Steffi Jones zu inthronisieren war ein klassisches Eigentor, das den Verband – im Falle einer verpassten WM – noch richtig teuer zu stehen kommen könnte. Immerhin hat der Sportliche Leiter Joti Chatzialexiou schnell die Mängel erkannt. Der 42-Jährige wollte daher eine durchsetzungsstarke Lösung, die alles auf den Prüfstand stellt: Das wird die konsequente Voss-Tecklenburg tun.

Der größte Coup des neuen Frauenbeauftragten ist, mit Britta Carlson nun ab sofort diejenige einzubinden, die maßgeblich an der national und international beachtenswerten Erfolgsstory der Frauenfußballsparte des VfL Wolfsburg beteiligt ist. Als langjährige Assistentin von Trophäensammler Ralf Kellermann bildet die ehemalige Nationalspielerin sozusagen die Brücke zum zweiten Kandidaten. Und mit 40 Jahren ist sie nicht zu alt, dem DFB noch in ganz anderen Funktionen zu dienen. So kurzsichtig und unausgegoren damals die Wahl auf Jones fiel, so langfristig und ausgereift wirkt daher das am Donnerstag berufene Gespann.

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