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Posterboy des Glücks

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Von: Jakob Böllhoff

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Schießt die Bälle inzwischen auch im Liegen ins Tor: Bayern-Stürmer Eric Maxim Choupo-Moting. afp
Schießt die Bälle inzwischen auch im Liegen ins Tor: Bayern-Stürmer Eric Maxim Choupo-Moting. afp © AFP

Stürmer Eric Maxim Choupo-Moting setzt seinen unerwarteten Höhenflug beim FC Bayern fort.

Dem Fußballprofi Eric Maxim Choupo-Moting, 33, gelingt beruflich zurzeit alles. Sogar das, was ihm misslingt, gelingt ihm noch, es ist faszinierend. Am Samstag zum Beispiel hat er ein Tor geschossen, obwohl er eigentlich ein anderes schießen wollte. Mit dem rechten Fuß versuchte der Angreifer des FC Bayern München da den Ball ins Tor zu befördern beim 3:2-(2:0)-Sieg in Berlin, gegen Hertha BSC, stattdessen aber trat er in die Luft. Doch so schnell lässt das Glück dieser Tage eben nicht ab von seinem Posterboy Choupo-Moting, dessen linkes, im Grätschen nachgezogenes Bein die Kugel zufällig ins Hertha-Tor hebelte.

Zur WM mit Kamerun

Dieses zwischenzeitliche 3:0 für die Bayern war bereits Choupo-Motings zweites Tor in einer wilden ersten Halbzeit, und er weiß vermutlich gar nicht mehr, wie das geht: kein Tor schießen. Im siebten Spiel in Serie hat er jetzt getroffen, Champions League und DFB-Pokal inklusive, und schlecht ist das nicht für einen, bei dem man vor der Saison nicht wusste, ob er überhaupt auf sieben Einsätze bei den Bayern kommen würde; bei dem man vor der Saison ja nicht einmal richtig wusste, ob er überhaupt noch bei den Bayern spielt.

Man hat ihn dann im Laufe der ersten Spieltage entdeckt, auf der Ersatzbank, ein freundlicher Mann, der seine Reservistenrolle klaglos hinnimmt. Einzig dafür war er ja nach München gekommen vor zwei Jahren: Um da zu sein, sollte Topstürmer Robert Lewandowski mal verhindert sein. Inzwischen hat sich die Situation dahingehend verändert, dass Lewandowski sozusagen dauerhaft verhindert ist bei den Bayern, er trat im Sommer eine Stelle beim FC Barcelona an. Danach hatte man in München zunächst versucht, ohne wirklichen Mittelstürmer weiterzumachen, doch als sich eine Krise verdichtete, kam Trainer Julian Nagelsmann auf den freundlichen Mann von der Bank zurück. Gegen den SC Freiburg, 10. Spieltag, spielte Choupo-Moting zum ersten Mal in dieser Saison von Beginn an, erzielte ein Tor, bereitete ein Tor vor. 5:0. Seitdem läuft es rund, bei Choupo-Moting und beim FC Bayern, und es gibt wenig Grund, an einer Kausalität zu Zweifeln.

Choupo-Moting passt gut rein ins Sturmzentrum einer spielstarken Mannschaft. Er ist groß und robust, hat eine tolle Technik und eine gute Spielfortsetzung. Man kann eine Doppelpass mit ihm spielen, kann ihn aber auch mit dem Rücken zum Tor ins Kopfballduell schicken. Das alles hatte schon der Trainer Thomas Tuchel gewusst, als er Choupo-Moting, den er aus gemeinsamen Mainzer Tagen kannte, 2018 für die Glamourmannschaft von Paris Saint-Germain verpflichtete. Da war der Stürmer gerade mit Stoke City in England aus der ersten Liga abgestiegen.

In Paris, mit 29, begann nach mediokren Stationen wie Hamburg, Mainz und Schalke seine zweite Karriere: als Schattenmann in einem Spitzenteam. Zwei Jahre lang füllte er diese Rolle perfekt aus, genoss hohes Ansehen bei den PSG-Stars wie Neymar und Kylian Mbappé, weil er ein cooler Typ ist und beim Rondo nicht über den Ball stolpert. Und wenn er in den Spielen gebraucht wurde, war er zur Stelle.

So wie jetzt bei den Bayern, wo die Laufbahn des Eric Maxim Choupo-Moting einen späten und unerwarteten Höhepunkt erreicht. Vermutlich könnte der Sohn einer Deutschen und eines Kameruners, erwachsen geworden in Hamburg, auch die Sturmprobleme der deutschen Nationalmannschaft lösen, aber dafür ist es längst zu spät. Zur WM fährt der 68-malige Nationalspieler mit Kamerun.

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