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"Blasphemischen Äußerungen": Rolando Mandragora (li.)
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"Blasphemischen Äußerungen": Rolando Mandragora (li.)

Kommentar

Porca Miseria!

  • Timur Tinç
    VonTimur Tinç
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Die Strafe wegen "blasphemischer Äußerungen" gegen Rolando Mandragora ist ungerecht. Ein Kommentar.

Lionel Messi tut es schon lange, Joachim Löw auch, wenn er es vor lauter Aufregung nicht gerade vergisst, und Rolando Mandragora sollte es besser in Zukunft tun. Denn wenn der Profi von Udinese Calcio sich die Hand vor den Mund gehalten hätte beim Reden auf dem Rasen, wäre er jetzt nicht vom italienischen Verband gesperrt worden. Und zwar nicht wegen der Beleidigung eines Gegenspielers, sondern wegen dem, was einem gläubigen Italiener das Heiligste ist: Die Madonna und der liebe Gott. 

Es habe „keine Zweifel“ an den „blasphemischen Äußerungen“ gegeben, teilte die Serie A mit. Die unflätigen Worte des 21-Jährigen aus Scampia wurden ihm via Videobeweis und der messerscharfen Analyse von Lippenlesern nachgewiesen. Einer Berufsgruppe, die seit einigen Jahren in Südeuropa und Südamerika Hochkonjunktur erlebt, um Lästereien und heftige Wortgefechte in alle Einzelteile zu zerlegen und die Sendezeit zu füllen. Bis die Tuschelhand kam und zahlreiche Lippenleser arbeitslos wurden. Der italienische Verband hat jetzt wieder eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für die besten der Zunft gefunden – er setzt sie beim Videobeweis ein.

Buffon fluchte ungestraft

Die Strafe gegen Mandragora ist allerdings aus zweierlei Gründen ungerecht. Erstens: Warum wird gerade jetzt am Stürmer von Udinese Calcio ein Exempel statuiert? Wer noch nie auf dem Fußballplatz geflucht hat, der sollte den ersten Stein werfen, um im christlichen Bild zu bleiben. Selbst Gianluigi Buffon, der in Italien eine Art Heiligenstatus genießt, musste sich schon des Öfteren für seine Ausraster auf dem Platz entschuldigen. Und ein paar „Porca Madonna!“ (verdammte Madonna), wie Mondragora, dürften dem mittlerweile bei Paris spielenden Torhüter ebenfalls rausgerutscht sein. Hätten die zahlreichen Lippenleser gewollt, hätten sie das auch gesehen. 

Zweitens: In Italien gilt Gotteslästerung im Strafrecht als Ordnungswidrigkeit, sie wird höchstens mit einer Geldstrafe geahndet. Wenn es überhaupt geahndet wird. Warum zieht es im Fußball eine Sperre nach sich? Im Jahr 2010 hatte der damalige Verbandspräsident Giancarlo Abete betont: „Wir werden in offizielle Entscheidungen eingreifen, um klarzustellen, dass Gotteslästerung in den Bereich missbräuchlichen Verhaltens fällt.“ Das wurde anscheinend allgemein so akzeptiert. Interessant dürfte es werden, sollte Mondragora gegen die Sperre Einspruch einlegen. Zu erwarten ist das aber nicht.

Gotteslästerung sollte im Jahr 2018 generell keine Sperre nach sich ziehen. Zumal Mondragora, ohne den Ausraster gutheißen zu wollen, sich ja nicht in eine Kirche gestellt hat und laut angefangen hat, Gott zu verfluchen, sondern sich nach einer vergebenen Chance geärgert hat. Ginge es danach, müsste die Serie A jedes Wochenende mehrere Spieler sperren. 

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