Technisch guter Verteidiger: der Augsburger Felix Uduokhai.
+
Technisch guter Verteidiger: der Augsburger Felix Uduokhai.

Felix Uduokhai

Plötzlich Nationalspieler

  • Günter Klein
    vonGünter Klein
    schließen

Felix Uduokhai vom FC Augsburg spielt eine starke Saison – und wird dafür mit der Nominierung für das DFB-Team belohnt.

Es war ein Ausgerechnet-Moment, als am Samstag kurz vor der Halbzeitpause des Spiels gegen Hertha BSC der Augsburger Innenverteidiger Felix Uduokhai, 23, den Berliner Stürmer Jhon Cordoba foulte. Klarer Elfmeter, Hertha verwandelte ihn, 0:1. Ein paar Tage zuvor wäre es die kaum beachtete Aktion eines jungen Bundesligaspielers einer mittelprächtigen Vereinsmannschaft gewesen, nun war es der Fehler eines Nationalspielers.

Dafür benötigt Felix Uduokhai zwar tatsächlich noch seine Minuten bei Joachim Löw, doch der Bundestrainer hat ihn zumindest eingeladen – ein Einsatz heute Abend gegen Tschechien ist in Abwesenheit vieler Stammkräfte nicht ausgeschlossen.

Mit Augsburg verlor Uduokhai 0:3 gegen Hertha, es war sein erstes nicht so gutes Spiel der Saison, ein wenig traurig stand er auf dem Rasen – doch erhielt Aufmunterungsbesuch von Bruno Labbadia. Man kennt sich: Der jetzige Berliner Coach trainierte Uduokhai in der Saison 2018/19 beim VfL Wolfsburg. „Für mich ist es keine Überraschung, dass er für die Nationalmannschaft nominiert ist“, sagte Labbadia, „das Potenzial hat er. Er ist nur damals in Wolfsburg nach einer Verletzung nicht richtig reingekommen. Doch Felix hat die richtigen Schlüsse gezogen. Dazu habe ich ihn beglückwünscht.“

Uduokhai ließ sich 2019 zum FC Augsburg ausleihen. Doch auch dort traf er auf eine anspruchsvolle Konkurrenzsituation. Erst gegen Saisonende war Uduokhai gesetzt. Die Augsburger entschieden sich, die Kaufoption zu ziehen. Sie erschraken dann allerdings, als eine Ablöse von zehn Millionen Euro durch die Medien ging. Sie korrigierten: nur sieben.

„Eine liebevolle Person“

Uduokhai scheint sie wert zu sein. Sein jetziger Trainer Heiko Herrlich warb für ihn bei Löw: „Guter linker Fuß, da haben wir nicht viele Innenverteidiger. Er ist kreativ im Aufbauspiel, kopfballstark.“ Auch nach dem 0:3 gegen Hertha lobte Herrlich: „Felix hatte den Mut, der anderen diesmal fehlte. Mit einem Dribbling hat er unser 1:0 vorbereitet, das wegen eines hauchdünnen Abseits leider nicht gegeben wurde. Er spielt eine überragende Saison, hat Anteil an unseren zehn Punkten.“

Letztlich ging es schnell mit der Einladung von Löw. Sicherlich war ein Auftritt Uduokhais bei „Blickpunkt Sport“ vor drei Wochen gute Werbung. Im Filmbeitrag erzählte sein fröhlicher Vater Randy, dass der Felix eine „sehr liebevolle und respektvolle Person“ sei, Mutter Elke sagte. ihr Sohn habe „Bezug zum realen Leben“. Und immer noch zu Aue. Der FC Erzgebirge war nach Annaberg-Buchholz in Sachsen sein zweiter Verein. Sein Jugendtrainer dort, „der Herr Schulz“, bekommt immer noch regelmäßig Nachrichten von seinem berühmt gewordenen Schüler – und er sprach die Einladung aus: „Wenn du mal wieder in der Gegend spielst, musst du nicht ins Hotel, sondern kannst bei mir übernachten.“ Mit elf zog die Familie nach München um.

Uduokhai sagte im Fernsehen auch, dass er „Stand jetzt“ noch die Möglichkeit habe, international für Nigeria, das Geburtsland seines Vaters, zu spielen, dass ihm aber die deutsche Nationalmannschaft lieber wäre. Und schon kam die Einladung.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare