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Mexikos Jesus Corona (l.) gegen den Torschützen Ludwig Augustinsson.

Mexiko - Schweden

Plötzlich Gruppensieger

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Schweden siegt 3:0 gegen Mexiko und steht als Gruppensieger im Achtelfinale. Mexiko profitiert von der deutschen Pleite und zieht ebenfalls in die K.O.-Runde ein.

Ludwig Augustinsson bat um Nachsicht, als er im Anschluss an die getane Arbeit vor die Presse trat. „Entschuldigung, ich habe kaum Stimme“, sagte der schwedische Verteidiger von Werder Bremen, und das war bestens nachvollziehbar. Mit seinem Treffer kurz nach der Pause hatte er den 3:0-Erfolg im letzten Vorrundenspiel gegen Mexiko eingeleitet und damit entscheidend dazu beigetragen, dass Schweden den Einzug ins Achtelfinale schaffte, als überraschender Sieger der Deutschland-Gruppe F. 

Mit sechs Punkten landete die Mannschaft wegen des besseren Torverhältnisses vor dem Zweitplatzierten Mexiko. Und trug durch ihren Sieg maßgeblich dazu bei, dass das Turnier für den Titelverteidiger nach nur drei Spielen beendet ist. „Ich mag die Deutschen“, sagte Augustinsson. „Aber so ist Fußball.“

Marcus Berg probiert es per Fallrückzieher

Dass es im Sport nicht immer läuft wie geplant, davon können die Schweden ein Lied singen. Noch am Wochenende waren sie der DFB-Auswahl auf dramatische Weise unterlegen. Und jetzt ziehen sie mit wehenden Fahnen in die K.o.-Runde ein. „Wir arbeiten als Team zusammen. Die Spieler, die Offiziellen, die Mitarbeiter – alle. Wir haben an unserem Plan festgehalten und sind ein weiteres Stück gewachsen“, sagte Trainer Janne Andersson.

Die große Frage war gewesen, wie Schweden auf die Turbulenzen der vergangenen Tage reagieren würde: auf das 1:2 gegen Deutschland, auf die Anfeindungen gegen Jimmy Durmaz, der den schicksalhaften Freistoß vor dem späten Siegtor durch Toni Kroos verursacht hatte, auch auf das Murren von Zlatan Ibrahimovic. Der Angreifer, vor zwei Jahren abgedankt, meldet sich immer wieder zu Wort und hatte vor der Partie gegen Mexiko angemerkt, dass es mit ihm viel besser laufen würde. Das alles kann eine Mannschaft schon aus dem Tritt bringen.

Doch die Schweden zeigten keine Anzeichen von Verunsicherung. Sie waren über 90 Minuten das bessere Team und brachten Mexiko verdient die erste Niederlage der WM bei. Schon in der ersten Halbzeit hatte Schweden beste Chancen. Erst scheiterte der Leipziger Emil Forsberg mit einem Freistoß an Mexikos Torwart Guillermo Ochoa (5.). Dann verfehlte Marcus Berg per Fallrückzieher das Tor knapp (12.). Später zielte auch Forsberg bei seiner Direktabnahme zu ungenau (20.). 

Eine knappe halbe Stunde war vorbei, als Javier Hernández, genannt Chicharito, im eigenen Strafraum den Ball an den Arm bekam. Schiedsrichter Nestor Pitana konsultierte den Videobeweis – und verweigerte Schweden einen Elfmeter, sehr zum Ärger von Trainer Andersson. Eine unverständliche Entscheidung.

Doch auch davon ließ sich Anderssons Elf nicht beirren und nutzte in der zweiten Hälfte endlich ihre Gelegenheiten. Über Umwege kam der Ball in der 50. Minute zu Augustinsson. Mexikos Torwart Ochoa brachte zwar noch die Hand an seinen Volley-Schuss, doch stoppen konnte er ihn nicht. Nach einer Stunde gab es dann doch Elfmeter, Kapitän Andreas Granqvist verwandelte souverän. Und in der 74. Minute war die Partie nach dem Eigentor von Edson Álvarez endgültig entschieden. Durch die deutsche Niederlage gegen Südkorea konnte Mexiko trotzdem das Weiterkommen feiern. 

Andersson verzichtete darauf, gegen den gescheiterten Titelträger nachzutreten. Am Samstag hatten sich Mitglieder der deutschen Delegation ein paar Spuren zu emotional vor der schwedischen Bank gefreut. Darauf angesprochen sagte der Coach: „Ich war sehr ärgerlich darüber. Aber das war dann. Jetzt ist jetzt.“ Jetzt war der Weltmeister raus – und Schweden weiter.

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