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Wie entsteht ein 0:0? Wenn sich Techniker wie Schalkes Amine Harit (l.) und Freiburgs Vincenzo Grifo fast nur in Zweikämpfen aufreiben.

Bundesliga

Planlose Schalker

Gegen den SC Freiburg holen die Königsblauen nur einen glücklichen Punkt, weil der Videobeweis sie rettet - Gästetrainer Streich wünscht sich die gute alte Zeit zurück.

Nein, von Pfeifkonzert konnte gewiss keine Rede sein. Es ist aber genauso wenig wegzudiskutieren, dass das Schalker Publikum in der Arena hier und da seinen Unmut äußerte. Unzufrieden ist. Auch wenn die ganz große Reaktion nach dem Schlusspfiff ausblieb. Fast so, als schleiche sich so langsam Gleichgültigkeit ein. Hoffnungslosigkeit, den Karren in dieser Saison noch irgendwie aus dem Dreck ziehen zu können.

Für diesen Gemütszustand hatten die Anhänger auch einen guten Grund nach dem 0:0 der Königsblauen gegen den SC Freiburg. Auch Domenico Tedesco musste einräumen, dass das Resultat „leider okay“ sei. Was nicht heißt, dass Schalkes Chefcoach damit zufrieden war.

Doch so, wie die Knappen gegen die Breisgauer auftraten, wäre mehr als dieser eine Zähler auch nicht verdient gewesen. Und selbst dieser war noch glücklich. Denn Schalke hatte gegen eine tief stehende Mannschaft einmal mehr kaum Ideen in der Offensive. Zwei Schüsse auf das gegnerische Tor: erschreckend wenig für einen Champions-League-Teilnehmer. „Klar, wir sind Schalke, wir müssen es besser machen“, gestand Mark Uth.

Dabei habe der Stürmer mit seinem Team einen klaren Plan auf den Weg bekommen. „Wir wollten den Ball in die Tiefe abklatschen lassen. Aber diese Tiefe hat uns gefehlt“, bemängelte Uth. „Wenn Sieben oder Elf zu weit Außen stehen, kommen wir nicht in die gefährliche Zone.“

Sieben und Elf sind die Außenpositionen im Fußball, die in diesem Fall Rabbi Matondo und der schwache Amine Harit bekleidet hatten. Ein klarer Vorwurf an die Kollegen, sich nicht an die Idee gehalten zu haben. „Wir hatten schlichtweg die Laufwege nicht. Das war unser Problem“, ergänzte Tedesco, der seiner Truppe zudem fehlenden Mut vorwarf: „Die ersten 40 Minuten waren sehr ängstlich, nicht gerade couragiert. Im Elf gegen Elf war das zu wenig.“

Beinahe genauso erschreckend: Erst nach der berechtigten Roten Karte gegen Suat Serdar (42.) „sind wir aufgewacht“, stellte Schalkes Trainer fest: „Dann waren wir mutiger.“ Guido Burgstaller, der nach seiner Achillessehnenverletzung sein Comeback feierte, bemängelte: „Wir waren in Unterzahl klar besser, das müssen wir uns vorwerfen lassen. In Unterzahl sind wir über die Mentalität gekommen, haben den Gegner besser gepresst als zuvor.“

Am Ende rettete die Schalker der Videobeweis, der Freiburgs Trainer Christian Streich auf die Palme brachte, vor der siebten Heimniederlage der Saison. Nachdem der Ball dem ehemaligen Frankfurter Omar Mascarell an den Ellbogen gesprungen war, entschied Schiedsrichter Frank Willenborg zunächst auf Elfmeter (81.), ruderte nach Intervention aber berechtigterweise zurück. „Ich habe gedacht, dass Köln sich nur meldet, wenn es eine krasse Fehlentscheidung ist“, klagte Streich dennoch, „anscheinend ist es aber doch nicht so.“

Für Schalke bot der Auftritt gegen Freiburg somit wenig Hoffnung für das anstehende Heimspiel im Achtelfinale der Königsklasse am Mittwoch gegen Manchester City (21 Uhr). Wie sollen die Knappen bloß gegen eine der aktuell besten Mannschaften Europas bestehen? Die Königsblauen flüchten sich in Durchhalteparolen. „Die Champions League ist immer etwas ganz, ganz Besonderes“, sagte Uth: „Wir werden alles raushauen.“ Omar Mascarell forderte, „wie die Löwen kämpfen“ zu müssen. Burgstaller versprach: „Wir werden uns voll dagegenstemmen. Wir werden nicht vorher schon die weiße Flagge hissen.“

Die Kritik an der Einkäufen von Sportchef Christian Heidel soll auch vereinsintern immer lauter werden, ein vorzeitiger Abschied zum Saisonende ist daher längst nicht mehr unwahrscheinlich. Er werde seinen Vertrag bis 2020 nur erfüllen, „wenn die Gesamtgemengelage stimmt“, sagte Heidel jüngst im Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“.

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