+
Cristiano Ronaldo muss sich in der Steueraffäre bald vor Gericht verantworten.

Portugal

Pläne für den Mülleimer

  • schließen

Auf dem Platz ist Ronaldo nicht zu stoppen ? außerhalb wohl schon.

Der Sturm im Wasserglas legt sich langsam. Wie aus Madrids Presse verlautet, hat inzwischen auch der vom spanischen Finanzamt gequälte Cristiano Ronaldo eingesehen, dass es am Besten für ihn ist, bei Real zu bleiben, und dass er mit seinen 32 Jahren im Prinzip unverkäuflich ist. Sprich: viel zu teuer für einen Spieler, „der sich wegen seines Alters im Niedergang befindet“, wie es angeblich sein früherer Trainer José Mourinho gewohnt brüsk formulierte. Und wenn das jemand von Manchester United äußert, das sich 120 Millionen Euro für Paul Pogba abluchsen ließ, sagt das alles.

Auf dem Spielfeld ist Ronaldo ohnehin längst zur Tagesordnung übergegangen, und als er nach Portugals 1:0 in Moskau mal wieder zum Man of the Match gewählt worden war, erschien er zur allgemeinen Verblüffung sogar im Presseraum, wo er die Trophäe entgegennahm und tatsächlich zwei Fragen des Fifa-Beauftragten beantwortete. Er verwies darauf, dass Portugal zum ersten Mal in Russland gegen diesen Gegner gewonnen habe, dass er glücklich sei über den Sieg und die bisher errungenen vier Punkte beim Confed-Cup. Die Aussichten des Europameisters seien nun glänzend, „wir haben ein junges und gutes Team und einen Trainer, der etwas von Fußball versteht“. So weit, so gut, Fragen aus dem Auditorium ließ Ronaldo nicht zu, natürlich war ihm klar, dass sich diese nicht um seine Kopfballtechnik drehen würden.

Pläne für die Tonne

Wahrscheinlich wird sich Ronaldo erst am 31. Juli zu seiner Steueraffäre äußern, wenn er vor der ersten Kammer seines Wohnortes Pozuela de Alarcon, 15 Kilometer westlich von Madrid, erscheinen muss. Ronaldo bestreitet bislang die Anschuldigungen, die ihn aber immer stärker unter Druck setzen. Wie das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ in seiner neuesten Ausgabe berichtet, hat Ronaldo möglicherweise einen Vertrag zwischen ihm und der auf den British Virgin Islands registrierten Briefkastenfirma Tollin rückdatiert, bevor er den ermittelnden Behörden offengelegt wurde.

Um den Fußballer Cristiano Ronaldo zu stoppen, hatte sich der russische Trainer Stanislaw Tschertschessow ausgeklügelte Pläne ausgedacht. Nach acht Minuten konnte er sie in den Mülleimer werfen. Da flankte der später mit einer Fußprellung verletzt ausgeschiedene Dortmunder Raphael Guerreiro recht simpel von links, und ebenso simpel köpfte der sträflich alleingelassene Ronaldo den Ball ins Tor. „Er ist uns entwischt“, grummelte Tschertschessow später, „aber damit stehen wir nicht allein, wenn man sieht, wie viele Goldene Bälle er gewonnen hat.“

Im ausverkauften Spartak-Stadion hatte der russische Coach sein Team defensiver eingestellt als beim 2:0 gegen Neuseeland, einen Stürmer zugunsten eines Mittelfeldspielers geopfert, um vor der hinteren Fünferkette noch eine Viererreihe zu postieren. Aber auch Portugals Fernando Santos hatte eine defensivere Formation als beim 2:2 gegen Mexiko gewählt, ohne die abwehrschwachen Nani und Ricardo Quaresma, mit dem 21-jährigen André Silva als einzigem Sturmpartner von Ronaldo. Das taktische Duell gewann Santos um Längen, während die Russen nie die Räume schließen konnten und vor allem Ronaldo immer wieder gefährlich an den Ball kam, spielte Portugal einen angriffslustigen Ballbesitzfußball, den es bei der EM 2016 noch nicht beherrschte. Das lag überwiegend an der Silva-Bande mit André, Adrien und dem gerade von Monaco zu Manchester City gewechselten typischen Guardiola-Spieler Bernardo Silva, aber auch daran, dass Ronaldo nicht wieder den einsamen Kontersprinter spielen musste, den seine Lebensjahre nicht mehr hergeben, sondern wie bei Real Madrid Unterstützung bekam.

Portugal reicht ein Unentschieden

Das einzige Problem war, dass die spielerische Überlegenheit nicht mehr Tore brachte. Das hatte mit Russlands Keeper Igor Akinfejew zu tun, aber auch mit mangelnder Präzision im Abschluss, was vor allem bei Ronaldo wiederum an die EM erinnerte. So kamen die Russen, als Tschertschessow endlich seine Vorsicht fallenließ, noch zu einer imposanten Schlussoffensive, die das Publikum im ausverkauften Spartak-Stadion begeisterte. Am Ende wurde die Sbornaja sogar beklatscht, was ihr nach einer Niederlage im eigenen Stadion schon lange nicht widerfahren war.

Während Portugal nun am Samstag zum Einzug ins Halbfinale ein Punkt gegen Neuseeland reicht, muss Russland in Kasan gegen die Mexikaner gewinnen. Ein Umstand, mit dem Tschertschessow gut leben kann. „Es gibt nichts Besseres, als wenn du dein Schicksal in der eigenen Hand hast“, sagte er, „wir wissen genau, was wir zu tun haben.“

Auf Cristiano Ronaldo wartete dann noch eine besondere Genugtuung. Bei der Vorstellung und den ersten Ballberührungen hatte ihn das Publikum noch herzhaft ausgepfiffen, gewiss nicht wegen seiner Steuerprobleme, sondern weil das internationaler Standard ist. Als er aber zum Teambus ging, stand dort, so wird kolportiert, ein Grüppchen russischer Fans – und skandierte seinen Namen. (mit sid)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion