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Bundestrainer Joachim Löw in Düsseldorf auf der Suche: Innenverteidiger, wo seid ihr?

Innenverteidiger

Das Phantom

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Für die letzten EM-Qualifikationsspiele greift Joachim Löw nicht auf Mats Hummels zurück, doch die Debatte wird ins EM-Jahr schwappen.

Die Verbundenheit zur deutschen Nationalmannschaft bleibt. Und ist bei Mats Hummels in seinen Sozialen Netzwerken dokumentiert. Fast 100 000 Personen gefiel am 11. Oktober der Beitrag, als sich der zu Jahresanfang ausgebootete Nationalspieler frohgelaunt auf dem eigenen Dortmunder Trainingsgelände mit dem Nationaltorwart Marc-André ter Stegen unterhielt. Hummels trug an jenem Tag die Trainingskleidung von Borussia Dortmund. Die Begegnung war zufällig zustande gekommen, weil die deutschen Nationalspieler vor dem Freundschaftsspiel gegen Argentinien (2:2) auf dem BVB-Gelände übten. „Großartig, so viele alte Freunde heute zu sehen“, schrieb der 30-Jährige in seinem Instagram-Profil „aussenrist15“, und weil es sich bei ihm um einen internationalen Star handelt, findet man den Satz gleich auch noch in englischer Sprache.

... wer suchet, der findet: Niklas Stark, arg lädiert, kurz darauf am Eingang des Teamhotels.

Internationale Stars gibt es im DFB-Team nicht allzu viele. Die aktuell von Bundestrainer Joachim Löw nominierten Innenverteidiger Robin Koch, Matthias Ginter, Jonathan Tah und Niklas Stark gehören jedenfalls nicht dazu. Auf die Shortlist der besten 30 zur Weltfußballerwahl schaffte es sowieso nur ein Deutscher, ironischerweise der Ersatztorwart ter Stegen. Die Debatte um dessen verlorenen Zweikampf mit Manuel Neuer ist vorerst vorbei. Jene Debatte um eine Rückkehr von Altmeister Hummels hat dagegen inzwischen, ohne dass sich der Bundesliga-Innenverteidiger mit den besten statistischen Werten dazu geäußert hätte, noch mächtig an Fahrt aufgenommen. Was aber dennoch nicht dazu geführt hat, dass der beim WM-Aus gegen Südkorea im Sommer 2018 beste deutsche Feldspieler deshalb am Dienstag zum Treffpunkt der DFB-Auswahl ins am nördlichen Stadtrand von Düsseldorf gelegenen Teamhotel anreisen durfte.

Denn obwohl die Abwehrnot vor den EM-Qualifikationsspielen gegen Weißrussland in Mönchengladbach (Samstag 20.45 Uhr/RTL) und Nordirland in Frankfurt drei Tage später kaum größer sein könnte, denkt Löw nicht (laut) über eine Rückholaktion des Weltmeisters nach. Es ist eine Grundsatzüberlegung, die derzeit in der Rhetorik des Bundestrainers keine Grautöne zulässt. Nur schwarz oder weiß: „Im März haben wir entschieden, diesen Weg zu gehen und dabei auch Rückschritte einkalkuliert. Jungen Spielern, die Spiele brauchen, werden wir diese Spiele auch geben und ihnen Fehler zugestehen. Das ist wichtig für deren Entwicklung. An diesem Plan wollen wir festhalten.“

Rückkehr wäre Politikum

Der 59-Jährige hat seinen langjährigen Klassensprecher neben sportlichen ja vor allem aus atmosphärischen Gründen aussortierte: Eine dominante Figur wie Hummels besaß immensen Einfluss, und Löw wollte mit dessen Verzicht vor allem die internen Hierarchien neu ordnen und Kräfte freisetzen, um speziell Niklas Süle mehr Verantwortung einzuräumen. Nach dem Kreuzbandriss des Bayern-Abwehrchefs hätte es auch Gründe geben können, die Karten neu zu mischen. Aber anders als in den Fällen Sebastian Rudy und Jonas Hector – beide nach einiger Zeit der Nichtberücksichtigung wieder nominiert, ohne dass die Öffentlichkeit davon sonderlich Notiz genommen hätte – wäre eine Rückholaktion von Hummels ein Politikum. Das weiß Löw natürlich, und das will er (noch) nicht. Trotzdem muss der 70-fache Nationalspieler, der am 19. November 2018 – einem 2:2 gegen die Niederlande in der Nations League – das bislang letzte Mal das DFB-Trikot trug, nicht für alle Tage außen vor bleiben.

Hintertür bleibt auf

Der Bundestrainer hat nämlich angedeutet, dass im EM-Jahr eine Hintertür aufgehen könnte: „Das große Ziel heißt, eine schlagkräftige Mannschaft bei der Europameisterschaft auf den Platz schicken zu können. In welcher Konstellation, können wir heute noch nicht abschließend beurteilen.“ Nach den Qualifikationsspielen werde er sich mit seinem Trainerteam zusammensetzen und „über den Tellerrand hinausschauen bis ins nächste Jahr“ unter der Überschrift: „Was ist das Beste für die Mannschaft?“ Und zwar dann nicht mehr perspektivisch, sondern akut. „Dann müssen wir alles noch einmal neu bewerten.“ Auch die Personalie Hummels?

Die letzten beiden EM-Qualifikationsspiele finden erneut auch ohne Antonio Rüdiger (FC Chelsea) statt, einen von Löws Lieblingsspielern, der seine muskulären Problemen nach einer Knieoperation noch nicht überwunden hat. Mit der aktuellen Notbesetzung, noch dazu ohne die ebenfalls verletzten Außenverteidiger Thilo Kehrer und Marcel Halstenberg und zunächst auch ohne den rotgesperrten Emre Can, ist Deutschland nur bedingt abwehrbereit: Tah (23) ist nämlich im Nationalteam bislang den Nachweis internationaler Klasse meist schuldig geblieben. Ginter (25) fehlt trotz der Teilnahme an zwei WM-Endrunden, bei denen er jeweils ohne Einsatz blieb, Erfahrung und Klassenachweis auf absolutem Topniveau. Koch (23) ist ebenso ein Perspektivspieler wie der Berliner Stark (24), der mit einem frisch operierten Nasenbeinbruch und blau-grün unterlaufenen Augenhöhlen anreiste und am Hoteleingang lächelnd beschied: „Es ist nicht so schlimm, wie es aussieht,“

Die Schmalspurvariante in der Abwehrzentrale mag gegen Weißrussland und Nordirland reichen. Für eine EM-Endrunde droht sie zum schwer kalkulierbaren Risiko zu werden. Und so wird das Phantom Hummels so schnell nicht verschwinden. Löw sah Samstagabend persönlich den Dortmunder Offenbarungseid bei den Bayern, als sich der Anführer Hummels als Einziger gegen den Untergang stemmte. Hummels, der zwar über Löws Entscheidung im März gewaltig enttäuscht war, dürfte gut beraten gewesen sein, auf jedwedes Nachtreten verzichtet zu haben. Es wäre also kein bedeutender Gesichtsverlust für den Bundestrainer, in dieser Frage eine Kehrtwende zu vollziehen.

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