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Peter Peters wackelt

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Von: Jan Christian Müller

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Schmierereien in der DFB-Zentrale.
Schmierereien in der DFB-Zentrale. © FR

Der Präsidentschaftskandidat hat einen schweren Stand im ZDF-Sportstudio. Unterdessen gibt es Schmierereien bei der DFB-Zentrale im Stadtwald.

Die Nervosität steckte Peter Peters bis hinunter in die Füße. Die schafften es beide nicht, stillzuhalten unter dem Barhocker im Fernsehstudio auf dem Mainzer Lerchenberg, auf den er von der ZDF-Redaktion platziert worden war. Der 59-Jährige hatte eine lässige Garderobe gewählt für seinen Auftritt im Sportstudio am Samstagabend. Aber auch in Sneakers gelang es ihm später nicht, die Wette gegen den eigenen Sohn zu gewinnen und an der Torwand auch nur annähernd zu treffen. Alles in allem wirkte Peters wie der nervöseste Studiogast seit dem legendär missglückten Auftritt des damaligen DFB-Präsidenten Fritz Keller in roten Socken Ende Februar 2020.

Peters, einer von zwei Präsidentschaftskandidaten des Deutschen Fußball-Bundes für die Kampfabstimmung am 11. März in Bonn gegen Bernd Neuendorf, muss geahnt haben, dass er nicht nur beim Torwandschießen einen schweren Stand haben würde. Sondern auch im Gespräch mit Moderator Jochen Breyer. Denn der ist nicht bekannt dafür, seine Gäste zu schonen. Peter Peters hat das zu spüren bekommen.

Peter Peters übt Kritik an Gazprom

Seine Vergangenheit als ehemaliger Finanzchef des FC Schalke 04 kam ihm dabei natürlich nicht entgegen. 17 Jahre lang ist er in führender Position bei den Königsblauen tätig gewesen, in diese Zeit fiel die Vertragsanbahnung und Unterschrift unter den schon in der Vergangenheit vielkritisierten Gazprom-Vertrag, den die Knappen inzwischen auf Eis gelegt haben. „Wenn man Fehler macht, muss man die einräumen. Das muss man im Lichte der jetzigen Erkenntnis tun“, sagte Peters zerknirscht. Er sehe das Sponsoring mit dem russischen Konzern inzwischen als „süßes Gift. Es war süß, weil es Geld gab. Aber nun wissen wir auch, dass es Gift war.“

Viele Jahre lang habe die Partnerschaft mit Gazprom „funktioniert“. Sein lange Zeit gutes Verhältnis zu Russland sei nun aber „zerbrochen“, denn: „Wir reden hier über Krieg, das ist eine andere Dimension als Politik.“ Wenn Menschen erschossen würden, „kann ich keine Kompromisse schließen“. Deshalb sei er als Mitglied der Fifa-Exekutive auch dagegen, dass russische Klubs noch in europäischen Wettbewerben teilnehmen dürften. Auch sei die russische Nationalmannschaft von der WM-Qualifikation auszuschließen, solange der Krieg fortdauere. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass irgendeiner jetzt ein Spiel gegen eine russische Mannschaft spielen kann.“ Das sei unter diesen Umständen „weder vermittel- noch verantwortbar. Die Dinge haben sich verändert. Es kann nicht so weitergehen.“

Dem Einwand von Moderator Breyer, Putin habe bereits 2008 Krieg in Georgien geführt und 2014 völkerrechtswidrig die Krim erobert sowie Regimekritiker töten oder einbuchten lassen, Schalke 04 habe gleichwohl weiter am Gazprom-Vertrag festgehalten, entgegnete Peters: „Im Nachhinein haben wir die Zeichen der Zeit vielleicht nicht richtig erkannt.“ Er plädiere nun für eine Wertediskussion: „Werte versus Geld darf in Zukunft nicht nur durch das Geld entschieden werden.“

Unter Druck geriet Peters auch, als Breyer ihm vorhielt, in seiner Schalker Amtszeit habe es der Verein stets abgelehnt, eine Frauenfußballmannschaft einzurichten. Peters erklärte, man habe das aus Rücksicht auf Klubs in der Nähe getan, um deren Frauenfußballteams keine Konkurrenz zu machen.

Schmierereien gegen Rainer Koch und Oliver Bierhoff

Der DFB ist derweil Opfer eines nächtlichen Graffiti-Anschlags vor der Verbandszentrale geworden. An sechs Stellen fanden sich am Wochenende Schmierereien in der Sackgasse der Frankfurter Otto-Fleck-Schneise. Ein DFB-Sprecher bestätigte der Frankfurter Rundschau am Sonntagnachmittag auf Anfrage, dass die Polizei ermittelt. Die allesamt roten Schriftzüge richten sich sowohl gegen den DFB als Verband („Fußball-Mafia“) als auch gegen Interimspräsidenten Rainer Koch sowie gegen DFB-Direktor Oliver Bierhoff persönlich. Peter Peters blieb bei diesen Attacken außen vor.

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