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Hat bei Bayer Leverkusen viel bewirkt: Peter Bosz. 

Trainer von Bayer Leverkusen

Peter Bosz: Der Bessermacher

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Der Leverkusener Trainer Peter Bosz philosophiert gerne über taktische Feinheiten und fordert von seinen Profis stets eine Menge Aufmerksamkeit.

Die zurückliegende Bundesligarunde neigte sich langsam dem Ende entgegen, als der finnische Nationalkeeper Lukas Hradecky einen ausgesprochen zuversichtlichen Blick in die Zukunft warf. Der frühere Frankfurter, im Sommer 2018 nach Leverkusen gewechselt, ist bei der Werkself seitdem für muntere Kommentare ebenso zuständig wie für seriöse, gerne auch mal kritische Aussagen. Nun schlüpfte der 29-Jährige zudem in die Rolle des rheinischen Sehers, als er, ganz ohne Flachs, prophezeite: „Ich denke, dass die nächste Saison mit einer guten Vorbereitung etwas Großes werden kann.“ Denn, so Hradeckys Gedanke: „Es wird besser und besser, je länger wir mit diesem Trainer und der Mannschaft zusammen sind.“

Dieser Trainer – das ist Peter Bosz. Und wenn dieser über seine Vorstellungen von Fußball und über taktische Überlegungen spricht – und das macht der Leverkusener Coach mit großer Leidenschaft – spielt der Begriff Aufmerksamkeit meist eine zentrale Rolle. Spieler, die er unter seine Fittiche nimmt, müssen hellwach sein. Sind sie es nicht, gerät der Offensivstil des früheren Mittelfeldspielers schnell ins Wanken. Was bei der nur sechsmonatigen Tätigkeit von Bosz in Dortmund vor zwei Jahren ein Teil des Problems war.

Mit der Werkself kehrt der 55-Jährige am Samstag (15.30 Uhr) nun an seine alte Wirkungsstätte zurück, im Gepäck die wohltuende Einstiegsbilanz von sieben Punkten aus den ersten drei Partien. Das jüngste 0:0 gegen Hoffenheim bezeichnete der Fußballlehrer dabei ungeachtet der ersten abgegebenen Zähler als „das beste Spiel, das ich in dieser Saison von meiner Mannschaft gesehen habe“. Auch Sport-Geschäftsführer Rudi Völler („Viele Dinge funktionieren schon richtig“) war trotz des verpassten Traumstarts recht angetan. Und Kapitän Lars Bender registrierte erfreut: „Wir haben endlich mal kein Gegentor kassiert. Das ist positiv.“

Der Trend weg vom rheinischen Scheunentor war schon in der Rückrunde, der ersten Halbserie von Bosz unter dem Bayer-Kreuz, zu erkennen. Als der Niederländer den Job von Heiko Herrlich übernahm, hatte Leverkusen die Hinrunde mit 26:29 Toren und 24 Punkten auf Platz neun abgeschlossen. Nach der Winterpause kletterte das Team bis auf Champions-League-Rang vier – mit einer Bilanz von 43:23 Toren und 34 Punkten.

Das Bayer-Ensemble war unter Bosz also nicht nur deutlich treffsicherer, es kassierte auch weniger Gegentore. „Mein Weg ist der Offensivfußball mit einer kompakten Defensive“, erklärte der Leverkusener Bessermacher kürzlich im Gespräch mit der „Deutschen Welle“. Und damit dieses anspruchsvolle System nicht ins Stottern, sondern ins Laufen kommt, muss er sein Rasenpersonal vor allem Aufmerksamkeit lehren.

Ein aktuell besonders auffälliges Beispiel dafür ist Linksverteidiger Wendell. Der 26-jährige Brasilianer, mittlerweile seit fünf Jahren bei Bayer unter Vertrag und mit einem großen Talent gesegnet, war oft etwas anfällig für die eine oder andere Nachlässigkeit in seinem Spiel. „Wenn er konzentriert ist, dann hat er Qualität“, weiß Bosz jedoch – und ergriff entsprechende Maßnahmen. Er trichterte Wendell nicht nur ein erhöhtes Aufmerksamkeitslevel ein, sondern holte ihn zudem in den Mannschaftsrat – um ihm mehr Verantwortung zu übertragen. Auch dadurch wird das Deutsch des Südamerikaners immer besser, davon profitiert momentan insbesondere Moussa Diaby, der Neuzugang von Paris Saint-Germain, um den sich Wendell intensiv kümmert.

Zu Bosz‘ gezielten Feilarbeiten zählt außerdem, Supertalent Kai Havertz verstärkte Defensivarbeit verordnet zu haben. Oder – nach dem Abgang von Nationalspieler Julian Brandt zum BVB – die speziellen Anlagen des aus Hoffenheim geholten Kerem Demirbay, der neue Partner von Havertz im zentralen Mittelfeld, zum Tragen zu bringen.

Hinzu kommt die seelische Fürsorge für seine Spieler. Jonathan Tah etwa verteidigte Bosz gerade gegen harsche Kritik, die nach dem 2:4 gegen die Niederlande auf den Innenverteidiger einprasselte. „Er hat scheiße gespielt, das stimmt. Aber er war nicht allein – da waren noch zehn andere“, retournierte der Mann, den sie in Leverkusen für seine klare und zugleich menschenfreundliche Art schätzen.

„Der Trainer“, erwähnt Wendell stellvertretend, „ist immer positiv, spricht uns das Vertrauen aus und sagt, dass Fehler passieren können. Für mich ist er unglaublich wichtig.“ Und umgekehrt ist der Brasilianer für Peter Bosz ein hervorragender Grund, immer mal wieder über die Wichtigkeit von Aufmerksamkeit und Konzentration im Fußball zu philosophieren.

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