Pelé, brasilianischer Held, auf den quasi jeder gängige Trick im Fußball zurückgeht.
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Pelé, brasilianischer Held, auf den quasi jeder gängige Trick im Fußball zurückgeht.

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Pelé, Maradona, Messi : Wer ist Goat?

  • Günter Klein
    VonGünter Klein
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Wer ist denn nun der Fußballer aller Zeiten? Eine Frage, dessen Antwort nicht leicht fällt.

Für seinen Torhüter im Nationalteam, Emiliano Martinez, ist er „der beste Spieler aller Zeiten“, sein Trainer bei den Argentiniern, Lionel Scaloni, versichert: „Ich sage das schon lange“. Im Herbst seiner Karriere schlägt Lionel Messi uneingeschränkte Bewunderung entgegen – und er ist wieder mittendrin in der Goat-Diskussion. Goat steht für „Greatest Of All Times“. Im Fußball ist es eine Debatte, die mit drei Namen geführt wird: Pelé, Diego Maradona, Lionel Messi. Alle anderen ganz Großen – Puskas, di Stefano, Beckenbauer, Cruyff, Platini, Zidane, der brasilianische Ronaldo, Ronaldinho, Cristiano Ronaldo – stehen in der zweiten Reihe. Doch wer soll der Goat sein?

Story

Pelé: Das erste Wunderkind, immer noch der jüngste Weltmeister mit 17. Der einzige dreimalige Weltmeister, obwohl er an einem brasilianischen Titel (1962) kaum beteiligt war.

Maradona: Das Genie, das jeden Wahnsinn mitmachte, sich zugrunde richtete, aber mehr Liebe erfährt als jeder andere.

Messi: Das kleingewachsene Kind aus Argentinien, das der FC Barcelona bekommt, weil er die Kur mit Wachstumshormonen bezahlt.

Können

Pelé: Neulich hat jemand fürs Internet ein Video der besten Pelé-Szenen zusammengeschnitten. Es zeigt: Jeder gängige Trick im Fußball geht auf ihn in den späten 50er- und den 60er-Jahren zurück. Trotz geringer Größe (1,70 Meter) ein Stürmer, der auch Kopfball konnte.

Maradona: Der Ballstreichler. Als 16-Jähriger wurde er von Puma nach Herzogenaurach geholt, zeigte seine Kunststücke – und bekam einen Werbevertrag. Fantastische Show, wie er als Spieler des SSC Neapel im Münchner Olympiastadion den Ball zur Musik tanzen ließ – die Schnürsenkel offen. Seine Art, in rasendem Tempo den Ball am Fuß zu führen, erhob ihn über die anderen.

Messi: Zweikämpfe verliert er eigentlich nicht, weil er den Ball perfekt abschirmen und verteidigen kann. Enorme Beschleunigung aus dem Stand, und obwohl seine Szenen oft hinter der Mittellinie beginnen, ein Torjäger, der in Spanier Rekorde aufstellte.

Lebensweise

Pelé: Profi, weil er wusste, dass er als Aushängeschild des FC Santos stark gefordert war. Der Verein ging oft auf Tournee, um Geld einzuspielen. Auch in älteren Jahren hoher Wiedererkennungswert.

Maradona: Er kokste, musste mehrmals auf Entzug, bei der WM 1994 wurde er als hochgedopt überführt, weil er mit einem Mix aus Aufputschmitteln versucht hatte, seinen füllig gewordenen Körper noch einmal in Hochform zu bringen. Litt unter Gewichtsschwankungen.

Messi: Ein kleiner Spieler, aber er entwickelte leistungssportliche Athletik. Ein Leben in Disziplin und ohne Schludrigkeiten.

Aura

Pelé: Freundlichkeit bestimmte seine Ausstrahlung – weswegen er auf seine alten Tage die Idealbesetzung als Gesicht der aufstrebenden US-Liga (Cosmos New York) war. Unternahm als Sportminister einen Ausflug in die Politik, nachdem er seine Stimme jahrelang gegen die Militärdiktatur erhoben hatte. Erzielte in seinem Amt aber keine Wirkung.

Maradona: Er ging die größten Risiken ein in seiner Karriere. Als Star zu einem Mittelklasseklub wie dem SSC Neapel zu wechseln – heute unvorstellbar. Er allein machte den Verein groß. Allerdings war er beeinflussbar, von der Mafia, von Politikern, die sich mit ihm schmückten und ihn instrumentalisierten. In seiner Not nahm er die krudesten Trainer- und Funktionärsjobs an – von Belarus bis in die Vereinigten Arabischen Emirate. Er benahm sich unter Drogen in Stadienlogen daneben, konnte aber auch mit überbordender Herzlichkeit aufwarten, woran sich sein gefürchteter Gegenspieler Hans-Peter Briegel erinnert, der regelmäßig zu Weihnachten eine Postkarte von Maradona bekam. Wahrscheinlich liebten ihn die Menschen, weil er so fehlbar und schwankend war wie sie selbst.

Messi: Lionel Messi fasziniert als Spieler, ein konkretes Image hat er nicht. Sein Wechsel vom FC Barcelona zu Paris Saint-Germain wurde kritisch bewertet und kostete ihn Sympathien. Am einen Tag Abschiedstränen, am folgenden Willkommensglück. Bei einem Prozess wegen Steuerhinterziehung ließ ihn sein Status um eine Gefängnisstrafe herumkommen.

Fans

Pelé: Die Älteren wuchsen mit ihm als Maßstab für Weltklasse im Fußball auf. Er war die erste globale Marke des Sports.

Maradona: Seine Anhänger:innen neigen zu mystischer Wahrnehmung. Sogar eine Kirche Maradonas wurde gegründet. Sein Tod vor zwei Jahren zerriss Argentinien fast vor Trauer.

Messi: Der Held der Generation Playstation und Youtube. In der Heimat lange zurückhaltend beurteilt, weil er mit dem Nationalteam keine Erfolge erzielte.

Und wer ist nun der Goat? Ach, das möge jeder selbst entscheiden.

Lionel Messi, argentinischer Held 2.0, der Zweikämpfe (fast) nie verliert und Torrekorde aufstellt.
Diego Maradona, argentinischer Held, dessen Tod vor zwei Jahren seine Heimat fast zerriss.

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