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Kompliziertes Verhältnis. Bundestrainer Joachim Löw (links) und Torwart Marc-Andre ter Stegen.

Bundestrainer

Löw pariert Hoeneß-Attacken

Bundestrainer Joachim Löw: „Von so was lasse ich mich nicht beeinflussen“.

Joachim Löw ließ sich nicht locken. „Von so was lasse ich mich nicht beeinflussen. Das lässt mich völlig entspannt in die Zukunft blicken“, sagte der Bundestrainer in Freiburg der „Bild am Sonntag“ als Reaktion auf die Attacken von Uli Hoeneß. Vor den Länderspielen im Oktober gegen Argentinien in Dortmund (9.10.) und gegen Estland in Tallinn (13.10/EM-Qualifikation) stehen die Kontrahenten Manuel Neuer und Marc-Andre ter Stegen unter ganz besonderer Beobachtung.

Neuer sprach trotz des Wirbels von einem „ganz normalen Spiel“ beim 4:0 am Samstag gegen den 1. FC Köln. Er habe „andere Aufgaben“, als sich mit den Aussagen seines Präsidenten zu beschäftigen, betonte er. Ohnehin sei das Thema für ihn schon vor Hoeneß‘ Tiraden „durch“ gewesen. Auf die Frage, ob es noch einmal ein klärendes Gespräch zwischen ihm und den Verantwortlichen bei der DFB-Elf gegeben habe, sagte Neuer: „Nichts, was für die Öffentlichkeit ist.“ Das ließ darauf schließen, dass es intern sehr wohl Klärungsbedarf gab – und womöglich noch gibt.

Teamkollege Joshua Kimmich stärkte Neuer den Rücken. „So wie Manu derzeit hält, gibt es keine Frage, wer im Tor steht“, sagte er im ZDF-Sportstudio, Neuer sei „aus DFB-Sicht die ganz klare Nummer eins“. Kimmich widersprach aber Hoeneß, der in ter Stegens Unmutsäußerungen einen Angriff auf den Bayern-Keeper sehen will. „Was der Marc gesagt hat, war nichts Schlimmes. Er hat nur gesagt, dass er enttäuscht ist. Natürlich kann ich das verstehen“, sagte er.

Rundumschlag von Uli Hoeneß

Hoeneß selbst trug am Wochenende nicht weiter zur Debatte bei. „Mein Bedarf ist erst mal wieder für eine Zeit lang gedeckt“, sagte er. Der scheidende Bayern-Präsident hatte in einem Rundumschlag unter der Woche den Deutschen Fußball-Bund und dessen Verantwortliche, Neuer-Konkurrent ter Stegen und die Münchner Medien verbal angegriffen. Ter Stegen hatte zurvor seine DFB-Reservistenrolle beklagt („schwerer Schlag“), ohne jemanden anzugreifen. Hoeneß reagierte schroff: Ter Stegen habe „überhaupt keinen Anspruch“ in der Nationalmannschaft zu spielen, weil Neuer „viel besser und viel erfahrener“ ist. Ter Stegen „beschädigt einen völlig untadeligen Sportsmann wie den Manuel Neuer“. Die Stärke der DFB-Verantwortlichen sei es, „in den Wald zu gehen und zu pfeifen“. Der FC Bayern werde „den Leuten schon mal ein bisschen Feuer geben – das können wir“,

Auch die Münchner Presse bedachte Hoeneß mit Kritik, weil sie nicht für Neuer Partei ergreife, während „die westdeutsche Presse“ den Ex-Gladbacher ter Stegen „extrem“ unterstütze, „als wenn er schon 17 Weltmeisterschaften gewonnen hätte“.

Bierhoff entgegnete für den DFB kühl, Neuer sei „entgegen einiger kritischer Stimmen die Nummer eins in Russland“ gewesen. Er sei auch nach dem eingeleiteten Umbruch „unser Kapitän“ und habe in den zwölf Länderspielen seit der WM zehnmal komplett durchgespielt. „Das sind doch eindeutige und ganz entscheidende Statements der Trainer“, schlussfolgerte Bierhoff. „Man muss sich da schon die Fakten anschauen.“ (sid/dpa/FR)

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