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SC Paderborn: Die Fans sind gegen eine Zusammenarbeit mit Rasenballsport Leipzig.

Kooperation Paderborn und Leipzig

SC Paderborn: Klare Kante der Fans

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Zwei Bundesligisten schustern sich eventuell künftig gegenseitig Profis zu: klingt außergewöhnlich und ist es auch. Ein Kommentar.

Erzgebirge Aue wollte nicht, der SV Babelsberg nicht, vor einigen Jahren sagte Kickers Offenbach lieber ab, bei dessen großem Nachbarn Eintracht Frankfurt käme man ohnehin nicht auf die Idee, ein Testspiel gegen RB Leipzig auszutragen. Freiwillig, ohne Zwang eines Wettbewerbs, das geht für einige Klubs überhaupt nicht. So ist es dem diesjährigen Bundesligadritten in der Vergangenheit mehrfach widerfahren, dass vereinbarte Vorbereitungskicks ausfielen, weil beim Gegner die Anhängerschaft meckerte. Motto: Doch nicht gegen die, den Inbegriff des Kommerzes, die dunkle Seite des Fußballs. Nein, das lasst ihr lieber sein.

Insofern haben sie auch unter den Fans des SC Paderborn die Hoffnung, dass es etwas bringen könnte, auf die Barrikaden zu gehen – wenngleich der aktuelle Fall anders gelagert ist. Zur Erklärung: Am Dienstag verkündete Leipzig auf der Abschiedspressekonferenz von Ralf Rangnick zwei weitere spannende Themen. Zum einen, dass der neue Sportdirektor Markus Krösche heißt, zum anderen, dass Krösches Ex-Verein, Bundesligaaufsteiger Paderborn, mit RB kooperieren wird. Es geht um den Austausch von Scoutinginfos, gegenseitige Hospitanzen und zu guter Letzt um Spielerausleihen.

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Zwei Bundesligisten schustern sich also künftig gegenseitig Profis zu: klingt außergewöhnlich und ist es auch, in der deutschen Eliteklasse ein Novum. Formal gibt es seitens der DFL keine grundsätzlichen Einwände gegen die Zusammenarbeit zwischen Bundesligisten. Es ist nur verboten, dass Personen in Kontroll- oder Entscheidungsgremien zweier Klubs sitzen.

Überraschen sollte die Leipziger Idee daher niemanden, sportlich gesehen mutet sie für den SCP vielversprechend an, könnten die Ostwestfalen doch talentierte Kicker in ihren Reihen begrüßen, die sie im üblichen Transferkarussell niemals für sich begeistern würden. Einerseits. Andererseits wäre das Opfer (zu) groß: die Abkehr von weiten Teilen der Fanszene. In einer Stellungnahme steht: „Sportliche Vorteile werden durch den Verlust der Seele und Identität teuer erkauft. Unsere Vereinsliebe stirbt mit dem Tag einer Leipzig-Kooperation.“ Rumms, klare Kante.

Nun ist es unbestritten, dass sie in Leipzig gute Arbeit leisten. Dazu zählt auch, dass die Struktur der Sachsen schon immer darauf ausgelegt war, konzernintern eng verbandelt zu sein – zu Brauseklubs in New York, Brasilien, vor allem in Salzburg, wo der dortige Abonnementmeister gar ein Farmteam in der zweiten österreichischen Liga unterhält, den FC Liefering. Paderborn also als Farmteam von RB Leipzig? So weit wird es wohl nicht kommen. Den Paderborner Fans wäre es darüber hinaus aber zu wünschen, die Klubführung würde ihren Plan überdenken. Denn der SCP hat es auch ohne RB in die Bundesliga geschafft, aber mit seinen Fans. Beim kleinen USK Anif übrigens, dem Vorgängerverein, von dem der FC Liefering sein Spielrecht übernahm, traten hunderte Mitglieder beim Bekanntwerden der Kooperation aus. Das sollte Warnung genug sein.

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