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Soft Skills: Horst Hrubesch bei der Arbeit. Foto: dpa
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Soft Skills: Horst Hrubesch bei der Arbeit.

Hamburger SV

Onkel Hotte ganz modern

  • Jan Christian Müller
    VonJan Christian Müller
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Ein fülliger, älterer Herr erweckt schwächelnde HSV-Profis über Nacht zu neuem Leben. Das besondere Geheimnis des Horst Hrubesch. Ein Kommentar.

Im Vorfeld der Hamburger Wiederauferstehung haben die Medien in der Hansestadt viele Bilder veröffentlicht. Zu sehen war ein etwas fülliger gewordener älterer Herr mit langen grau-blonden Haaren um die 70 in Trainingsklamotten, der den Fußballprofis des berühmten HSV sehr nahe kam, sie umarmte und umgarnte und auf sie einredete, als gäbe es kein Morgen mehr. Hier ein Schulterklopfen, dort ein Tätscheln auf den Kopf, da ein Klaps auf den Hintern, garniert mit ein paar einfachen Fußballweisheiten („Wir leben noch“, „Wir müssen um jeden Quadratzentimeter kämpfen“, „Wir gehen auf den Platz, um Spiele zu gewinnen“) - und schwupps gingen sie am Montagabend tatsächlich auf den Platz, um ihr Spiel gegen den 1. FC Nürnberg zu gewinnen. 5:2 sogar. Plötzlich leuchtet wieder Hoffnung in den Augen der HSV-Fans, dass es doch noch was werden könnte mit dem Wiederaufstieg.

Wenn das tatsächlich gelingen sollte, am besten in der Relegation gegen Erzfeind Werder Bremen, würde Horst Hrubesch auf Händen durch die ganze große Stadt getragen werden - wenn er denn nicht ein wenig zu massig dafür wäre mit seinen fast 1,90 Metern, die er früher in jede Flanke von Manni Kaltz warf und auch heute noch am Spielfeldrand zum vollen Einsatz bringt.

Der bauernschlaue Hotte war einst ein überragender Kopfballspieler, („Manni Flanke, ich Kopf - Tor“), das weiß man. Was man weniger weiß: Er war kein besonders erfolgreicher Vereinstrainer. Im Gegenteil: eher besonders erfolglos, egal, ob bei Rot-Weiss Essen, SC Westtünnen, VfL Wolfsburg (damals Oberliga), FC Swarosvi Tirol, Hansa Rostock, Dynamo Dresden, Austria Wien oder Samsunspor. Kaum war er da, war er schon wieder weg. Acht Klubs in elf Jahren, ein trostloses Trainerdasein, das den Tiefpunkt als Assistent von Erich Ribbeck mit den Rumpelfüßlern beim frühen EM-Aus 2000 erlebte.

Aber dass der große Spieler auch ein großer Trainer sein kann, hat er dann später bewiesen. Es brauchte nur den richtigen Anlass und die richtige Zielgruppe. Denn Hrubesch scheint es wie kaum ein Zweiter zu beherrschen, vor allem durch gutes Zureden und das Schaffen einer stimulierenden Atmosphäre Leistung zu fördern. Der so unmodern daherkommende echte Kerl ist damit sehr modern und stilbildend. Beim DFB will man diese „Soft Skills“ der Trainerpädagogik wieder mehr in den Mittelpunkt rücken, es soll mehr menscheln und weniger mit dem Laptop herumgefuchtelt werden.

Hrubesch, der Menschenfänger mit dem Herz am rechten Fleck, steht dafür mit seiner ganzen Körperfülle. Mit der deutschen Olympiamannschaft verlor er erst das Finale gegen Gastgeber Brasilien im Elfmeterschießen. Seine Männer kriegten sich hinterher gar nicht mehr ein, so dolle war das gemeinsame Erlebnis auch dank des kumpeligen Onkel Hotte gewesen.

Als der sich zwei Jahre später nach einem wunderschönen Sommer Interimstätigkeit von den Spielerinnen der deutschen Frauen-Nationalmannschaft verabschiedete, flossen sogar Tränen. So soll es jetzt wieder werden beim Hamburger SV: mit Tränen der Freude.

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