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Olaf Rebbe will zurück in die Bundesliga.

Fußball-Manager

Tritte vors Schienbein

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Olaf Rebbe und Erik Stoffelshaus wollen die Macht des Fußball-Managers nicht missen.

Der Einstieg in die Podiumsdiskussion auf dem Sportbusiness-Kongress Spobis zur Rolle des modernen Sportdirektors im Profifußball verlief eher schleppend. Olaf Rebbe war es anzumerken, dass der kürzlich bei Huddersfield Town nach nur sieben Monaten Amtszeit wieder freigestellte Sportdirektor nicht über die Trennung sprechen wollte. „Alles gut – das ist der Fakt. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen.“ Speziell auf der Insel werden Aufhebungsverträge mit einer Wohlverhaltensklausel unterlegt. In aller Öffentlichkeit Details ausplaudern – das kann teuer werden. 

Rebbe war eigentlich geladen, um über die geschäftlichen Gepflogenheiten der Premier League zu referieren, doch mit der Entlassung des deutschen Teammanagers David Wagner in Huddersfield war auch der Landsmann („es war geplant, länger da zu sein“) nicht mehr zu halten. Der 40 Jahre alre Rebbe wird noch bis Sommer in Manchester wohnen bleiben, will sich bei den Spitzenklubs United und City noch Input einholen – und die deutsch-englischen Duelle in der Champions League für einen britischen Fernsehsender als Experte begleiten. 

Der als Sportdirektor beim VfL Wolfsburg eher unglücklich agierende Rebbe ist ein gutes Beispiel dafür, wie schwierig es ist, sich auf höchster Ebene frei zu schwimmen. Alles begann beim SV Werder als Praktikant im Doublejahr 2004. „Wir waren nur 30, 40 Mitarbeiter. Ein verschworener Haufen. Ich habe teilweise zu viel gemacht.“ Damals nahm er seinen Jahresurlaub, um noch bei der WM 2006 reinzuschnuppern. Irgendwann war Rebbe die rechte Hand des Bremer Bosses Klaus Allofs, der ihn später mit nach Wolfsburg nahm. 

Treppenwitz in Wolfsburg

Vom leitenden Assistenten der Geschäftsführung zum VfL-Sportdirektor war der Weg nicht weit, als Allofs Ende 2016 gehen musste. Er sei damals ins „kalte Wasser“ geworfen worden, sagt Rebbe im Rückblick. „Um Öffentlichkeitsarbeit hatte ich mich bis dahin nie geschert. Ich hätte mich nicht beschwert, wenn die Verantwortung auf mehrere Schultern verteilt worden wäre.“ Da fühlte sich einer ziemlich allein gelassen. Und manche Kritik empfindet der junge Macher bis heute als Tritt vors Schienbein. Die Wiedereingliederung in den Bundesliga-Betrieb bleibt sein Ziel. 

Zweimal hintereinander hielten sich die Niedersachsen unter seiner Regie nur über die Relegation in der Bundesliga, was wie ein Treppenwitz anmutet, wer den jüngsten Benchmark-Report der Uefa liest: Demnach gab der VfL Wolfsburg in 2017 sage und schreibe 139 Millionen Euro und 70 Prozent seiner Einnahmen an Gehältern aus (Personalkosten an alle Angestellten). Nur Bayern München und Borussia Dortmund zahlten ihren Kickern damals mehr. 

Mehr denn je ist in diesem Metier klar, dass ein Geschäftsführer Sport oder Sportvorstand derjenige ist, der wirtschaftlichen Aufwand und sportlichen Ertrag in ein vernünftiges Verhältnis bringen muss. Im Ausland ist das zuletzt Erik Stoffelshaus gelungen, der weitgehend unbeachtet von deutschen Medien mit Lokomotive Moskau erst den Pokalsieg (2017), dann die Meisterschaft (2018) in Russland gewann. Der 48-Jährige ist mächtig stolz auf seine zweieinhalb Jahre in der Premjer-Liga, die ihm neue Erfahrungshorizonte eröffnete. „Ich musste mich dort nicht verbiegen.“ Der ehemalige Teammanager des FC Schalke 04 lotste zwei prominente Königsblaue in Russlands Kapitale: Jefferson Farfan („mein erster Transfer“) und Weltmeister Benedikt Höwedes, beide heute noch im Moskauer Sportklub der Eisenbahner am Ball. 

Probleme mit den Finanzen 

Einen Kader zusammenzustellen, ohne die Landessprache zu sprechen – auch das ging. „Dabei hatten wir mit dem Financial Fairplay einige Probleme und durften anderthalb Jahre keine Transfers tätigen. Dafür haben wir fünf Spieler aus der eigenen Akademie eingebaut“, erinnert der 48-Jährige, der aus familiären Gründen eigentlich erst im Sommer 2019 nach Deutschland zurückkehren wollte. Stoffelshaus hat auch kein Problem, die Gründe der vorzeitigen Trennung zu benennen: „Der Aufsichtsrat wurde umstrukturiert. Ich war nicht gewillt, diese Entscheidungen mitzutragen.“ Sein Schlussstrich soll – ähnlich wie bei Rebbe – nicht endgültig sein. Dafür ist die Macht des Managers eben viel zu reizvoll.

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