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Bayern obenauf - und bald auch in der Tabelle wieder vor Dortmund?

FC Bayern München

Ohne große Klappe

Bayern München nimmt routiniert die Hürde in Mönchengladbach und verzichtet im Titelrennen auf verbale Spitzen gegen Borussia Dortmund.

Das Spiel war schon ein paar Minuten Geschichte, da ging Javier Martinez noch einmal zu Boden in der Arena von Borussia Mönchengladbach. Während sich die Kollegen von den mitgereisten Fans feiern ließen, beugte sich der Spanier Richtung Rasen und küsste diesen. Es war eine stille Geste an diesem Samstagabend, an dem der FC Bayern allen Grund hatte, ausgelassen zu sein.

Mit dem glatten 5:1-Sieg sind die Münchner jenem Tabellenplatz ganz nahe gekommen, der dem eigenen Verständnis eigentlich für sie reserviert ist in der Bundesliga. Zum ersten Mal seit dem Verlust der Spitzenposition am sechsten Spieltag haben sie nach Punkten aufgeschlossen zum Ersten Borussia Dortmund. Nur noch zwei Törchen sind die Westfalen besser und deshalb auf dem ersten Platz. Noch, denn die Bayern sind sicher: „Das Momentum ist auf unserer Seite“, sagte Thomas Müller. Der Meister schaffte, was ihm nur noch wenige zugetraut hatten. Neun Punkte betrug der Rückstand Ende November auf Dortmund. Anfang Februar waren es noch sieben – und plötzlich ist nicht mehr der BVB der Favorit auf den Titel, sondern doch wieder der FC Bayern. Die Situation, findet Müller, ist „wie gemalt“. Für die Münchner, versteht sich, denn der Klub sei bekannt dafür, sagte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge im ZDF, „dass, wenn man uns so einen Steilpass gibt, wir den regelmäßig aufnehmen“.

Die Bayern sind obenauf, aber übermütig wirkte höchstens Martinez‘ Liebesbezeugung für Gladbachs Rasen, erst recht traten sie nicht überheblich auf. Man tue gut daran, sagte Müller, „den Ball flach – in die Ecke zu schießen“. Auch Rummenigge fand, man sei nicht so vermessen zu sagen, „es ist schon alles geklärt. Glückwünsche zur Meisterschaft nehmen wir nicht an.“ Und auch eine Stichelei gegen den angeschlagenen Rivalen verkniffen sich die Bayern. „Wir werden jetzt keine große Klappe haben. Schließlich haben uns die Dortmunder auch nicht mit hämischen oder arroganten Kommentaren belästigt, als wir unsere Krise hatten.“

Bayern haben das Phlegma der Vorrunde abgelegt

Die Bayern haben nach Jahren der Dominanz in dieser Saison gelernt, dass sich das Blatt ganz schnell drehen kann. Die Dortmunder erleben gerade, was der Rekordmeister schon hinter sich haben: eine Schwächephase. Der FC Bayern hatte die sich Mitte der Vorrunde genommen und damit zu einem etwas günstigeren Zeitpunkt, wie es scheint. Nach einer Aussprache und erfolgreicher Annäherung zwischen Mannschaft und Trainer sind die Münchener wieder in der Spur, hat das Phlegma der Vorrunde abgelegt und jene Konzentrationsmängel behoben, die zu folgenreichen individuellen Fehlern geführt hatten.

Am Samstag sah auch Gladbachs Sportdirektor Max Eberl Bayern, „die von Anfang an gezeigt haben, dass sie hier gewinnen wollen“. Mit jeweils schnellen Toren zu Beginn der Partie und nach der Pause durch Martinez und Robert Lewandowski und jeder Menge vergebener Möglichkeiten vor allem nach Müllers Treffer zum 2:0. Die Offensive, die zuletzt unter der Fokussierung auf die Defensive gelitten hatte, blühte in Gladbach auf – auch dank Müller als belebendes Element.

Ob die Balance tatsächlich schon stimmt in der Bayern-Mannschaft, ließ sich allerdings gegen Gladbach nicht ganz klären, zu schwach, zu uninspiriert agierte das Team vom Niederrhein. Der Gegentreffer von Lars Stindl kurz vor der Halbzeit ist aber ein kleines Indiz dafür, dass und da vielleicht doch noch die eine oder andere Stellschraube nachjustiert werden muss. Doch das Bayern-Gebilde wirkt im Moment sehr stabil – im Gegensatz zum vergangenen Herbst und Gegensatz zum Konkurrenten aus Dortmund.

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