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Matchwinner im Hinspiel: Bayern-Oldie Franck Ribery tanzt den Leipziger Stefan Ilsanker Isander aus.

RB Leipzig

Ohne Druck

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RB Leipzig will in Bundesliga und Pokal aber den Spielverderber geben.

Fußball-Romantiker sind bei Ralf Rangnick nicht zwangsläufig an der richtigen Adresse. Die Professionalisierung bis ins letzte Detail ist Markenzeichen eines Mannes, der als Getriebener seines eigenen Ehrgeizes gilt, RB Leipzig zu einer der ersten Adressen im deutschen Fußball zu machen. Dafür hat der 60-Jährige erneut die Doppelfunktion als Sportdirektor und Trainer auf sich genommen. Im Herbst vergangenen Jahres führte er beim Rundgang durch das Trainingsgelände am Cottaweg. Schlaf, Ernährung, Regeneration und Trainingssteuerung werden zwar auch anderswo justiert, aber nicht überall so penibel wie unter dem Red-Bull-Dach. Dabei sind auch ein paar feine Spitzen gegen den FC Bayern gefallen, aber damals steckten keine bösen Absichten dahinter.

Die Münchner waren weit enteilt, die Leipziger hatten viel damit zu tun, die Doppelbelastung zu schultern. „Wo würden wir in der Bundesliga stehen, wenn wir auch noch das Halbfinale in der Europa League spielen würden?“, fragte Rangnick kürzlich in einer Talkrunde der „Leipziger Volkszeitung“ und gab die Antwort selbst: „Womöglich hätten wir dann zehn, zwölf Punkte weniger.“ Und ständen vielleicht auch nicht im DFB-Pokalfinale, hätte er noch anfügen können.

Nun treffen seine Roten Bullen mit der sicheren Champions-League-Qualifikation im Rücken gleich zweimal auf die Bayern. Erst am vorletzten Spieltag (Samstag 15.30 Uhr) in der Liga, dann zwei Wochen später im Pokalendspiel. Rangnick hat im Grunde – abgesehen vom eigenen Anspruch – wenig bis gar keinen Druck. Zweimal kann das extrem energetische Team den Spielverderber geben, aber eine Pflicht ist das mitnichten. Eher die Kür. „Die Bayern müssen dreifach punkten, wenn sie nicht von Dortmunds Ergebnissen abhängig sein wollen, und wir müssen nicht, aber wir wollen, haben richtig Lust auf dieses Spiel“, sagt Rangnick.

Deshalb will er auch die Bestbesetzung aufbieten. Wegen der psychologischen Auswirkungen aufs Pokalfinale. Allein der Einzug fast punktgenau ein Jahrzehnt nach der Vereinsgründung ist ein Ausrufezeichen, das bundesweite Aufmerksamkeit generiert.

Krösche soll kommen

Doch das perfekte Marketing kann nicht kaschieren, dass es hinter den Kulissen ordentlich knirscht. Angeblich soll sogar das Verhältnis zum Vorstandsboss Oliver Mintzlaff abgekühlt sein, weil es Rangnick womöglich nicht reicht, nur in Leipzig die Zukunft zu planen. Zudem steht die Verpflichtung von Markus Krösche (SC Paderborn) für die Position des Sportdirektors bevor, der dann erster Ansprechpartner für den neuen Trainer Julian Nagelsmann gäbe.

Die Anstellung des 38-Jährigen, der angeblich gegen eine Ablöse von 500 000 Euro einen Vierjahresvertrag erhalten soll, würde unweigerlich die Frage aufwerfen, was Rangnick dann noch tut. Wieder den Supervisor in der Fußball-Welt des Red-Bull-Konzerns mit Bezug nach New York und Brasilien geben? „Ob und wie durch Entwicklungen an anderen RB-Standorten weitere Aufgabenfelder hinzukommen können, darüber haben wir noch nicht gesprochen“, beschied Rangnick dieser Tage ausweichend: „Mich interessiert in den nächsten zwei Wochen nur, wie die Mannschaft spielt.“ Romantisch klang auch das nicht.

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