Hertha BSC

Ohne Banner und Fahnen

Hertha BSC verbietet seinen Fans gegen Leipzig wichtige Utensilien

Es ist ohnehin ein brisantes Duell – und dieses Mal stehen die Hertha-Fans noch unter besonderer Beobachtung. Im Bundesligaspiel 1 nach den massiven Ausschreitungen von Berliner Ultras in Dortmund mit 45 Verletzten hat der Hauptstadtklub die Sicherheitsmaßnahmen noch einmal verschärft. „Ich hoffe, dass am Samstag der Fußball im Vordergrund steht und das Spiel unter der Überschrift des Fairplays läuft“, erklärte Hertha-Manager Michael Preetz, der eine Null-Toleranz-Politik gegen die eigenen Fan-Chaoten fährt, vor dem Spiel gegen RB Leipzig (18.30 Uhr).

Eigentlich ist Hertha eine positive Überraschung in der laufenden Saison – sportlich. Im eigenen Stadion sind die Berliner in der laufenden Saison noch ungeschlagen, in vier Spielen gab es drei Siege und ein Unentschieden. Das Thema Fans aber dämpft die Begeisterung in Berlin erheblich. 

Die modernisierte Ausrichtung der „Alten Dame“, wie der 1892 gegründete Klub genannt wird, sorgt bei vielen Fans schon seit Monaten für Unmut. Paul Keuter, Anfang 2016 in die Geschäftsleitung des Klubs aufgenommen, um „die digitale Transformation des Unternehmens weiter voranzutreiben“, ist in der Fankurve Feindbild Nummer 1. Mitte Oktober wurde das Wohnhaus Keuters mit dem provokanten Satz beschmiert: „@Paul: Ist Hertha hier zu Hause?“

In und nach Dortmund gab es nun eine weitere Eskalation im Verhältnis des Vereins zu den Fans. Preetz bezeichnete das Verhalten von gewaltbereiten Berliner Anhängern als „Katastrophe“. Gegen Leipzig dürfen die Fans keine Banner, Spruchbänder, Blockfahnen und Doppelhalter (Transparente mit zwei Haltestöcken) mit ins Olympiastadion nehmen. Die Einlasskontrollen sollen noch weiter verschärft werden, da Hertha die „Sicherheit aller Zuschauer bestmöglich gewährleisten“ möchte, teilte der Verein mit.

Hertha geht damit auf Konfrontationskurs zu den eigenen Fans. Die Auseinandersetzung zwischen Tribüne und Verein erreicht somit eine neue Stufe. Hertha schien nach den Tumulten von Dortmund unter Zugzwang. „Auch ein möglicherweise unverhältnismäßiger Einsatz rechtfertigt keine Gewalt“, sagte Preetz. In Dortmund war die Situation eskaliert, nachdem Hertha-Fans mit extremer Gewalt reagiert hatten, als ihnen eine als Sichtschutz dienende Blockfahne von der Polizei entrissen wurde. 

Feindbild Rangnick

Eine Provokation für die Anhänger. Bei den Ausschreitungen waren 50 Personen (fünf Beamte, 45 Berliner Fans) verletzt worden. Die Aufarbeitung dauert an. Dass Hertha gegen Leipzig, das bei vergangenen Duellen wegen des Sponsorings des Getränkekonzerns Red Bull immer wieder Ziel Berliner Anfeindungen gewesen war, nun mit neuen Restriktionen aufwartet, ist folgerichtig. „Was soll ich meinem kleinen Jungen sagen, wenn ich den in die Schule schicke, und der wird da gepiesackt. Was sage ich dem dann? Die Lösung ist mit Sicherheit nicht Gewalt“, sagte Preetz.

Auf der anderen Seite stellen die neuen Maßnahmen einen neuen Tiefpunkt im Verhältnis zwischen Hertha und den Fans dar. Nicht umsonst sagte Preetz: „Im Dialog mit unseren Fans sind wir seit eh und je. Mindestens mit denen, die mit uns reden wollen.“ 

Die Hertha-Traditionalisten lehnen den vom österreichischen Milliardär Dietrich Mateschitz alimentierten Klub aus Sachsen vehement ab. Auf Plakaten bezeichneten sie Mateschitz als „Totengräber des Fußballs“. Im Dezember 2016 hatten Berliner Fans in Leipzig mit einem Spruchband Rangnick persönlich diffamiert. Sollte das auch in Berlin wieder passieren, will sich Rangnick damit nicht weiter beschäftigen. „Weder damals noch jetzt berührt oder trifft mich das in irgendeiner Form“, erklärte Rangnick. (sid/dpa)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion