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Zwei europäische Wettbewerbe sind der den deutschen Profiklubs genug.

DFL geht auf Distanz zur ECA

DFL befürchtet massive Schädigung der Bundesliga durch die Super League

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Die Fußball-Bundesliga sieht in den Reformplänen für die Champions League ihr Geschäftsmodell bedroht - und hofft auf Unterstützung der anderen Profiligen.

Die Fußball-Bundesliga sagt den brisanten Plänen der Europäischen Klubvereinigung ECA offen den Kampf an. Das ist das Ergebnis der Mitgliederversammlung der 36 deutschen Lizenzklubs am Mittwoch im historischen Offenbacher Büsing Palais. Der deutsche Liga-Geschäftsführer Christian Seifert fürchtet, dass die schon weit gediehenen Champions-League-Reformen der von Juventus-Turin-Boss Andrea Agnelli angeführten ECA der Bundesliga die Luft zum Atmen nehmen könnten. „Das derzeit diskutierte Konzept hätte unakzeptable Konsequenzen für die nationalen Ligen Europas“, zürnt Seifert und ergänzt scharfzüngig: „Wir dürfen nicht zulassen, dass traditionsreiche nationale Ligen in ihrer Attraktivität für Millionen Menschen auf dem gesamten Kontinent beschädigt werden.“

Die Furcht des 50-Jährigen begründet sich vor allem darin, dass in einer künftigen Champions League ab dem Jahr 2024 von 32 teilnehmenden Teams 24 bereits im Vorfeld feststehen und nicht mehr über die Platzierung in den nationalen Ligen ermittelt werden sollen. Diesen Closed Shop will Seifert nicht, weil so die Spannung im Kampf um die Champions-League-Plätze in der Bundesliga nahezu komplett verloren ginge. Dem Top-Manager des deutschen Profifußballs dünkt düster, dass Sponsoren und Medien bei diesem Szenario zunehmend Interesse an der Bundesliga verlieren könnten. Konkret heißt das: Die Fußball-Bundesliga sieht in den Reformplänen für die Champions League ihr Vier-Milliarden-Euro-Umsatz-Geschäftsmodell massiv beschädigt.

Auch Bayern München ist gegen die Reform

Seifert wähnt sich damit in guter Gesellschaft. Denn sämtliche der gestern in Offenbach anwesenden Klubs lehnen die ECA-Vorschläge laut Deutscher Fußball-Liga ebenfalls rundheraus ab. Inklusive Bayern München. Für den Branchenführer hatte sich dessen erster Mann, der in Europa bestens vernetzte vormalige ECA-Chef Karl-Heinz-Rummenigge, allerdings durch den weniger berühmten Finanzmann Jan-Christian Dreesen vertreten lassen und war also nicht persönlich erschienen. Schon in der Vergangenheit spielten die Bayern bei bedeutenden Fragen ein doppeltes Spiel. Das ist auch in diesem Fall nicht komplett ausgeschlossen.

Christian Seifert hofft nun inständig, dass sich Uefa-Präsident Aleksander Ceferin für die Interessen der nationalen Ligen vehement einsetzt und deren „Wert als Herzkammer des europäischen Profifußballs richtig einschätzt“. Denn der Deutsche mutmaßt, dass „Relevanz und Zukunft der nationalen Ligen in Europa gefährdet“ würden: „Das würde den gesamten europäischen Fußball nachhaltig schädigen – und das kann niemals das Interesse der Uefa sein.“ Seifert findet, seit dem Wechsel an der ECA-Spitze im September 2017 von Rummenigge zum Italiener Agnelli habe sich vieles verschlechtert. Er erwartet nun auch von den stimmberechtigten deutschen Klubs in der ECA, dass diese sich Gehör verschaffen und nicht kleinmütig abducken. Als da wären: die Bayern, Borussia Dortmund, Bayer Leverkusen, der VfL Wolfsburg und Schalke 04. Eintracht Frankfurt gehört mit fünf weiteren deutschen Vereinen zu den nichtstimmberechtigten Mitgliedern der europäischen Klubvereinigung. Immerhin.

England und Spanien an der Seite der Bundesliga

Grundsätzlich bezweifelt Seifert, dass die ECA tatsächlich im Interesse ihrer insgesamt 232 angeschlossenen Klubs handelt. Er wisse die Topligen in England und Spanien an der Seite der Bundesliga, habe aber auch festgestellt, dass der Einfluss der Ligen bei der Uefa ungleich geringer ist als jener der Spitzenklubs. Das will Seifert ändern und sich mehr Gehör verschaffen. Immerhin konnte er erleichtert feststellen, dass ursprüngliche Pläne, europäische Wettbewerbe auch an Wochenenden durchzuführen und so einen Generalangriff unter anderem auch auf die Bundesliga zu starten, zunächst einmal vom Tisch ist. Dass es diese tatsächlich gab, daran hegt er keinen Zweifel.

Noch längst nicht vom Tisch ist die Debatte um die Übernahme von Polizeikosten in der Bundesliga. Dass DFL und Klubs dazu bei Hochrisikospielen herangezogen werden können, ist kürzlich vom Bundesverwaltungsgericht im Grundsatz bestätigt worden. Das Land Bremen hatte geklagt und weitgehend Recht bekommen. Werder Bremen hatte sodann argumentiert, die bereits vorliegenden Gebührenbescheide in Höhe von rund 2,2 Millionen Euro seien nicht nur vom Heimverein zu tragen, sondern mindestens auch vom jeweiligen Gegner. Dieser Sichtweise kann sich DFL-Präsident Reinhard Rauball jedenfalls nicht vollkommen versperren, wie er gestern durchblicken ließ.

Eintracht Frankfurt in der Arbeitsgruppe vertreten

Eine Arbeitsgruppe, bestehend aus Vertretern von Klubs und DFL, wird sich nun vertiefend mit dem Thema befassen. Dazu gehören Werder Bremen und die bei den Hochrisikospielen, bei denen deutlich mehr als die gewohnten rund 200 Polizeikräfte zum Einsatz kamen, beteiligten Gastvereine: Eintracht Frankfurt, Hamburger SV, Hannover 96 und Borussia Mönchengladbach.

Die Gründung eines unter anderem von der Bremer Politik vorgeschlagenen Fonds zur Finanzierung der zu erwartenden rund 20 Millionen Euro für sämtliche Bundesliga-Hochrisikospiele einer Saison steht laut Rauball weiterhin „nicht zur Debatte“. Denn: „Ein durch die DFL gespeister Fonds würde durch alle 36 Klubs finanziert, also auch durch Klubs, die nicht an Risikospielen beteiligt sind und in deren Bundesland keine gesetzliche Gebührenregelung besteht.“ Da hört nach derzeitiger Lesart die Solidarität mit Werder Bremen also auf. Den Gang vors Bundesverfassungsgericht hält Rauball „nach wie vor für möglich“. Das hörte sich auch schon mal kämpferischer und optimistischer an.

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