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Sie werden keine dicken Freunde mehr: Rainer Koch, Fritz Keller und DFL-Chef Christian Seifert (von rechts).
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Sie werden keine dicken Freunde mehr: Rainer Koch, Fritz Keller und DFL-Chef Christian Seifert (von rechts).

Deutscher Fußball-Bund

Krise im DFB: Keller muss vors Sportgericht - Hintertür für Koch

  • Jan Christian Müller
    VonJan Christian Müller
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Der DFB-Vizepräsident könnte auch in Zukunft dem Präsidium angehören. Fritz Keller am Freitag vor DFB-Sportgericht

Frankfurt - Der Teufel liegt im Detail. Auf den ersten Blick sah es am Dienstagabend nach einer Krisensitzung so aus, als räumte die gesamte DFB-Spitze aus Präsident Fritz Keller, Schatzmeister Stephan Osnabrügge, Generalsekretär Friedrich Curtius und dem ersten Vizepräsident Rainer Koch sehr schnell oder aber spätestens zum nächsten DFB-Bundestag das Feld. Tatsächlich sind aber - bis auf die Personalie Osnabrügge, der offenbar ohne Bedingungen seinen Posten aufgibt -, noch einige Voraussetzungen zu erfüllen.

Bei Curtius sind Abfindungsverhandlungen, bei denen es um einige hunderttausend Euro gehen dürfte, bei Keller ist es ein Prozess vor dem DFB-Sportgericht. Und im Fall Koch deutet sich sogar an, dass der Bayer doch langfristig im DFB-Präsidium bleibt, wenn auch nicht als haftender Vorstand in erster Reihe.

Derzeit gehört der 62-jährige Koch noch dem sogenannten DFB-Präsidialausschuss an, wo die schnellen Entscheidungen getroffen werden und dessen (nach dem Rückzug von DFL-Chef Christian Seifert aus dem Gremium) fünf Mitglieder auch den Kopf hinhalten müssen, wenn es beispielsweise unangenehme Nachfragen der Steuerbehörden oder von Strafverfolgern gibt. Das ist beim DFB bekanntermaßen zuletzt keine Seltenheit gewesen.

DFB in der Krise: Koch und Peters werden Interimschefs

Koch sagte nun der Sportschau, er werde jetzt zwar gemeinsam mit dem Ligamann Peter Peters als Co-Interimspräsident „noch ein drittes und definitiv letztes Mal“ übergangsweise die Geschäfte führen. „Danach ist die Mitwirkung als haftender Vorstand des DFB für mich definitiv beendet.“

Auf Nachfrage der Frankfurter Rundschau bestätigte Koch, der auch Chef des bayerischen und süddeutschen Verbandes ist, dass er dennoch wieder für ein Vize-Präsidentenamt nominiert werden könnte. Nach FR-Informationen könnte beispielsweise Ronny Zimmermann, derzeit Vizepräsident des Süddeutschen Fußballverbandes, anstelle von Koch zum ersten Vizepräsident Amateure aufsteigen, derweil Koch wie derzeit Zimmermann als „normales“ Mitglied ins neue DFB-Präsidium rückt. Ein Bundestag zur Wahl auch eines neuen DFB-Präsidenten soll bereits im kommenden Frühjahr statt wie geplant im Herbst stattfinden.

Koch - der extremen Gegenwind aus der Deutschen Fußball-Liga und von Teilen der Basis erfährt, von vielen Landesverbänden aber auch ausdrücklich gestützt wird - ist erst kürzlich für die nächsten vier Jahre als DFB-Vertreter in die Exekutive der Uefa gewählt worden. Er sagt, er könne dort als Abgesandter aus Deutschland auch bleiben, wenn er nicht mehr dem DFB-Präsidium angehören würde.

DFB in der Krise: Fritz Keller Freitag vor Gericht

Präsident Keller hat seinen Rücktritt bisher erst angekündigt, aber noch nicht vollzogen. Der 64-Jährige möchte sich zunächst am Freitag dem DFB-Sportgericht unter Vorsitz von Hans E. Lorenz stellen. Die Verhandlung findet nicht-öffentlich statt. Keller lässt sich vom bekanntesten deutschen Sportanwalt Christoph Schickhardt vertreten. Ursprünglich hatte Keller angekündigt, bei einem für ihn negativen Ausgang der Verhandlung unmittelbar die nächsthöhere Instanz, das DFB-Bundesgericht, anrufen zu wollen. Seit Dienstag dürfte das kein Thema mehr sein. Er sei aus „Verantwortung des Amtes als Präsident“ bereit, „am Montag mein Amt zur Verfügung zu stellen“, sagte er am Dienstagabend.

Täte der Freiburger das tatsächlich, übernähmen der Bayer Koch und der ehemalige Schalke-04-Finanzchef Peters, der gerade mit seiner Bewerbung um einen Posten im Schalker Aufsichtsrat abgewiesen wurde, interimistisch die Ämter im DFB. Auch Peters´ Zukunft ist Teil der Debatten zumindest im Amateurlager, wo der 58-Jährige ebenso wenig Rückhalt besitzt wie Koch bei den Profis. Man traut sich nicht mehr über den Weg, Koch und Peters sollen als Abgesandte ihrer verfeindeten Lager für Waffengleichheit sorgen. Ob das zukunftsträchtige Voraussetzungen sind? Während Koch der Uefa-Regierung angehört wurde Peters jüngst ins hohe Fifa-Council gewählt und vertritt dort die deutschen Farben. Beide Ämter hatte bis April 2019 der damals zurückgetretenen Präsident Reinhard Grindel inne. Für Koch und Peters bedeuten die internationalen Aufgaben auch bedeutende Einnahmen in sechsstelliger Höhe.

DFB in der Krise: Stefan Reuß winkt ab

Hochspannend dürfte nun der Prozess werden, einen neuen DFB-Präsidenten oder eine Präsidentin zu finden. Grindel war als Mann der Amateure gescheitert, den die Bundesliga nur naserümpfend durchwinkte, Keller scheiterte als Mann der Profis, den die Amateure nicht wirklich wollten.

Einer, dem manche im DFB die Nachfolge zutrauen würden, hat bereits abgewinkt. Der hessische Fußballchef Stefan Reuß, ehemaliger Zweitliga-Linienrichter und als Landrat langjähriger SPD-Politiker in Nordhessen, sagte im FR-Interview: „Ich habe überhaupt keinerlei eigene Ambitionen. Wer mich kennt, weiß, dass ich mich selten vor Herausforderungen scheue. Aber man sollte sie nur eingehen, wenn man sicher ist, dass man die Veränderungen, die notwendig und Strukturen die erforderlich sind, auch durchsetzen kann.“

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