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Österreichs Fußballerinnen wollen Europa schocken

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Von: Frank Hellmann

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Bester Laune beim Training im Pennyhill Park: Die österreichischen Fußballerinnen.
Bester Laune beim Training im Pennyhill Park: Die österreichischen Fußballerinnen. © Sebastian Gollnow/dpa

Österreichs Fußballerinnen planen den EM-Viertelfinalcoup gegen Deutschland.

Wer seine Ruhe haben will, der ist im Pennyhill Park ein Stückchen hinter der englischen Ortschaft Bagshot genau richtig. Von der Ausfallstraße führt ein schmaler Weg in ein Waldstück, wo ein Fußballplatz auf einer kleinen Anhöhe und eine große Hotelanlage folgen. Anders als zum Pferderennen nach Ascot, nur eine Zugstation entfernt, hat es hier noch nie einen Massenanlauf gegeben. Insofern können sich Österreichs Fußballerinnen rund 40 Kilometer südwestlich von London die Welt so machen, wie sie ihnen gefällt. Fast schon putzig, wie Österreichs Fußball-Bund (ÖFB) seine Medienabläufe organisiert, die auch vor dem Viertelfinale der Frauen-EM 2022 gegen Deutschland nicht geändert werden: Jeweils drei Protagonistinnen wechseln am Trainingsplatz unter den schattigen Plätzchen hin und her: Unter dem einen Baumwipfel sammeln sich die Fernsehkameras, unter dem anderen die Radioleute und unter dem dritten die Printjournalist:innen.

Am Dienstag war vormittags die Teamchefin Irene Fuhrmann zugegen, die natürlich nicht zu viel verraten wollte, wie die „Übermacht Deutschland“ (O-Ton) zu überrumpeln ist. Die Wienerin bringt vieles mit, was einen listigen Underdog auszeichnet: vor allem Sachlichkeit und Zurückhaltung. Die 41-Jährige hat den ÖFB-Frauen einen aktiveren Stil als bei der EM 2017 beigebracht. Dass 13 ihrer Spielerinnen in der deutschen Bundesliga unter Vertrag stehen, findet die Trainerin gut. „Unsere Legionärinnen brennen.“

So wie Carina Wenninger. Die 31 Jahre alte Abwehrchefin kam als 16-Jährige bereits zum FC Bayern, geht nun aber auf Leihbasis zu AS Rom. An diesem Wendepunkt nun ein „Allstar-Game“ (Wenninger) zu bestreiten, zaubert ihr ein Strahlen in die blauen Augen. Aus ihrer Sicht wird es auf eine „extreme Körperlichkeit“ ankommen. „Wir werden nie Ruhe haben.“

Zadrazil ist die Beste

Insofern braucht es technische beschlagene Spielerinnen wie Sarah Zadrazil, die aktuell die vielleicht beste Fußballerin der Alpenrepublik ist. Vor der Mittelfeldspielerin vom FC Bayern ziehen viele den Hut, weil sie jedes Jahr noch ein bisschen besser geworden ist. Nun bestreitet die 29-Jährige ausgerechnet gegen viele Bekannte ihr 100. Länderspiel. „Optimal wäre noch, wenn wir gewinnen.“

Doch bei genauerer Betrachtung der spielerischen Fertigkeiten ist das Austria-Ausscheiden kein unrealistisches Szenario. „Deutschland ist die bessere Mannschaft. Aber wir hoffen, Europa ein bisschen schocken zu können“, sagt die kommende Saison für den 1. FC Köln spielende Sarah Puntigam. Für die Rekordnationalspielerin ist das DFB-Team ein Titelfavorit.

Dass Teamchefin Fuhrmann die Spielerinnen in den Status von „Role Models“ erhebt, um mehr Fußballerinnen im Land zu gewinnen, findet die 29-Jährige richtig: „Da haben wir in Österreich natürlich Verbesserungsbedarf. Es sollte normal und nicht die Ausnahme sein, dass Mädchen auch Fußball spielen.“ Gar nicht verstehen kann sie, dass Spaniens Zeitung „AS“ ihr Team als die Entdeckung des Turniers preist. „Dann haben sie uns in letzter Zeit nicht verfolgt. Wer sich mit uns beschäftigt, ist nicht überrascht.“

Wer hat denn bitteschön im EM-Viertelfinale vor fünf Jahren die hoch gehandelten Spanierinnen ausgeschaltet? Das waren schließlich die Österreicherinnen, die damals nach dem Elfmeterschießen jubelten. Ist das vielleicht wieder der Plan? „Unrealistisch ist nix“, betont Puntigam, die einst in Tilburg den letzten Strafstoß verwandelte.

Danach zogen alle wieder mit der Musikbox durch die Katakomben. Ihre wummernde Anlage bringen die Österreicherinnen natürlich auch diesmal ins Community Stadium von Brentford mit. Besprochen ist bereits, dass auf jeden Fall die inoffizielle Nationalhymne „I am von Austria“ von Rainhard Fendrich geschmettert wird. Mit welcher Inbrunst und Leidenschaft, so Wenninger, „das hängt ein bisschen vom Ausgang ab.“ Sagt sie und geht lächelnd Richtung Zimmer.

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