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Österreich im Viertelfinale: Die mit der Musikbox

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Von: Frank Hellmann

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Team Austria - wie es singt und lacht.
Team Austria - wie es singt und lacht. © AFP

Österreichs Fußballerinnen haben sich das historische EM-Viertelfinale redlich verdient. Sie gehen hochmotiviert in das Spiel gegen die DFB-Elf.

Inzwischen haben sie nach einem fast abgehoben anmutenden Küsten-Abstecher in die Gay- und Party-Hochburg Brighton alle wieder Boden unter den Füßen; die österreichischen Fußballerinnen, die ihr Quartier zur Frauen-EM 2022 im Pennyhill Park, fast eine Autostunde westlich von London aufgeschlagen haben. Hier finden täglich Medienrunden unter freiem Himmel statt, in denen es nur noch ein Thema gibt: das EM-Viertelfinale gegen Deutschland. Ein Prestigeduell, das eine riesige Vorfreude in Österreich weckt. ORF1 hat schon bei den bisherigen EM-Übertragungen Marktanteile von stolzen 40 Prozent erreicht, nun kündigt sich eine Rekordquote für ein Frauen-Länderspiel an.

„Es ist sensationell, dass wir wieder unter den besten Acht in Europa sind. Unsere Spielerinnen brennen auf das Spiel gegen Deutschland“, erklärte Teamchefin Irene Fuhrmann am Freitagabend, als ihr Ensemble mit einer taktischen Meisterleistung den zweifachen Europameister Norwegen (1:0) beherrschte. Der „Aufstieg“, wie sie in der Alpenrepublik sagen, macht Lust auf mehr. „Wir werden kämpfen bis zum Schluss und uns für unser kleines Land aufopfern“, ergänzte Siegtorschützin Nicole Billa. Kaum hatte sie das Versprechen abgegeben, stürmte eine singende Meute in den Pressekonferenzraum des Falmer Stadium. Kunststoff-Warnschilder („Caution Wet floor!“) wurden als Klatschinstrumente zweckentfremdet. „Strong Enough“ von Cher dröhnte aus den Lautsprechern einer Musikbox.

Diese riesige Anlage, laut wummernd und bunt blinkend, hatte der Spaßtrupp bis in die Heimat des Premier-League-Klubs Brighton & Hove Albion geschleppt, um eine dritte Halbzeit zu inszenieren, die keine Thekenmannschaft am Ballermann besser hinbekommen hätte. Nur kamen die Österreicherinnen eben ohne jeden Tropfen Alkohol aus; es gab nicht mal einen Spritzer Sekt. Nach Schlusspfiff bildeten alle Spielerinnen, der gesamte Staff eine lange Reihe, um die inoffizielle Nationalhymne „I am von Austria“ von Rainhard Fendrich zu schmettern. Und dann war da auch noch ein Stuhl, mit dem Barbara Dunst den Champions-League-Jubel ihres Landsmannes David Alaba imitierte.

Schon bei der EM 2017 hatte sich die Nation von einer ÖFB-Auswahl begeistern lassen, deren Polonaise durch die Stadionkatakomben erst im Halbfinale endete. Mögen die Feierlichkeiten noch genauso aussehen wie in den Niederlanden, hat sich der Spielstil in England weiterentwickelt. „2017 haben wir schon gut verteidigt, aber da haben wir nur verteidigt“, sagte Abwehrchefin Carina Wenninger. Der Kader ist breiter bestückt, besitzt in der Offensive mehr Optionen. Gleichwohl bleibt die Defensive das Prunkstück: In acht EM-Partien 2017 und 2022 gab es nur zwei Gegentore.

Starkes Eintracht-Trio

Zudem ist es für die Begegnung gegen die „Übermacht Deutschland“ (Fuhrmann) bestimmt kein Nachteil, dass 13 Akteurinnen in der Frauen-Bundesliga unter Vertrag stehen. Stammkräfte wie Verena Hanshaw, Laura Feiersinger und Dunst von Eintracht Frankfurt hieven sich in der „eingeschworenen Gemeinschaft“ (Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg) ebenso auf ein höheres Niveau wie ein ehemaliges Trio vom FC Bayern: Wie die zu AS Rom verliehene Wenninger sind auch die Keeperin Manuela Zinsberger (Arsenal) und Kapitänin Viktoria Schnaderbeck (Tottenham) jetzt beseelt davon, „gegen die halbe Bayern-Mannschaft zu spielen“ (Wenninger).

„Das Miteinander im österreichischen Nationalteam ist großartig“, glaubt Eintracht-Sportdirektor Siegfried Dietrich. „Deutschland ist sicher der Favorit, aber die österreichischen Mädels werden sich viel zutrauen.“ Ganz gewiss sogar: Die leistungsstärkere Musikbox bringen sie auf jeden Fall nach Brentford.

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