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Da legst di` nieder: Marc Janko (v.) und Marco Arnautovic.

Österreich

Österreich hat's verbockt

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Schon wieder enttäuscht eine vielversprechende österreichische Mannschaft auf ganzer Linie bei einem großen Turnier. Trainer Koller wackelt.

Der Kurier schrieb von „Pleiten, Pech und Pannen“, die Kronen-Zeitung sprach von „EM-Versagern“, Fußball-Ikone Hans Krankl konstatierte eine „Katastrophe“, und alle gemeinsam fielen über den Nationaltrainer Marcel Koller her. In Österreich herrscht Entsetzen über das völlig unerwartete Ausscheiden der zuvor extrem hochgejubelten Mannschaft bei der EM. Niederlagen gegen Ungarn und Island, ein überaus glückliches Remis gegen Portugal, das war alles. Was die Österreicher in Frankreich zustande brachten. „Wir haben’s verbockt“, sagte zerknirscht Stefan Ilsanker von RB Leipzig.

Das mit – größtenteils mittelmäßigen – Bundesligaspielern gespickte Team hatte nie auch nur annähernd die Erwartungen erfüllen können, die eine souveräne Qualifikation geweckt hatte. Auch nicht im dritten Spiel gegen Island, wo ein Sieg gebraucht wurde, die Mannschaft aber schnell ins Hintertreffen geriet, in der zweiten Halbzeit trotz drückender Überlegenheit nicht das erlösende Siegtor schaffte und am Ende 1:2 verlor. „Wir haben es in drei Spielen verabsäumt, die Tore zu machen“, sagte Kapitän Christian Fuchs und verwies etwas lahm auf das Verdienst, sich erstmals aus eigener Kraft für ein großes Turnier qualifiziert zu haben. Das wird in der Heimat niemanden trösten, ebenso wenig wie die Einlassung von Koller, dass die Spieler „wertvolle Erfahrungen für die Zukunft gesammelt“ hätten.

Ob der Schweizer weiter die Geschicke des Teams bestimmen darf, ist fraglich. Zwar hatte Verbandspräsident Leo Windtner noch im Stade de France gesagt, „der Kurs mit Marcel Koller und seinem gesamten Betreuerstab“ stehe fest, doch die Kritik am Coach ist heftig.

Angriff mit Verteidigern

Im Blickpunkt steht vor allem die konfus wirkende Anfangsformation gegen Island. „Die Aufstellung war mir ein Rätsel“, schrieb Krankl in seiner Kolumne für die Zeitung Österreich. Zwar hatte Koller sehr offensiv spielen lassen, das aber mit lauter gelernten Abwehrspielern und David Alaba als Mittelstürmer. Der in Österreich idolisierte Bayern-Spieler hatte eine ähnliche Position schon gegen Portugal spielen müssen und dort ebenso deplatziert gewirkt. Als in der zweiten Halbzeit gegen Island mit Marc Janko ein weiterer gelernter Stürmer kam und Alaba hinter den Spitzen agierte, war er sehr viel besser und bereitete den Ausgleich vor.

Koller wies Kritik an seinem System zurück und sagte, Grund für die Schwierigkeiten sei die Nervosität und Hektik der Spieler gewesen. Ob die Verdienste des Schweizers und die guten Ergebnisse der Vergangenheit ausreichen, um das EM-Debakel wettzumachen, bleibt abzuwarten. Weiter dabei sein wird in jedem Fall David Alaba, der heute seinen 24. Geburtstag feiert und auf das teilweise noch sehr junge Alter der Spieler verwies. „Unsere Geschichte ist noch nicht zu Ende geschrieben, das war erst ein Kapitel“, sagte Alaba trotzig, „jetzt wollen wir das nächste aufschlagen.“ Heißt, sich für die WM 2018 qualifizieren. Mit Wales, Irland, Serbien, Georgien und Moldawien haben die Österreicher eine gnädige Gruppe erwischt. Vor der EM schien das machbar. Jetzt wirkt es ein bisschen bedrohlich.

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