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Öh, keine Ahnung

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Von: Jakob Böllhoff

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Musste bald vom Platz: Emre Can.
Musste bald vom Platz: Emre Can. © dpa

Der BVB hängt nach dem Aus in der Champions League durch, zwischen Schein und Sein. Man will nicht von Erling Haaland abhängig sein, ist es aber. Ein Kommentar.

Als Tiger losgesprungen, als Bettvorleger gelandet – so lässt sich Borussia Dortmunds Champions-League-Kampagne zusammenfassen. Nach der glücklichen Gruppenauslosung wähnte man sich schon eine Runde weiter, wer hätte ahnen können, dass Ajax Amsterdam die Neunzigerjahre wieder aufleben lässt, wer hätte ahnen können, dass Sporting Lissabon portugiesisches Temperament mit portugiesischem Spielwitz ideal vereint. Wer hätte ahnen können, dass Erling Haalands Körper längere Reparaturarbeiten benötigen würde in diesem Herbst, wer hätte ahnen können, dass der BVB ohne seinen Top-Stürmer daherkommt wie ein Raubtier, das dem Bettvorleger schon näher ist als dem Tiger.

Der BVB hängt durch

Also im Prinzip hätte man das natürlich alles sehr gut ahnen können, zum Teil sogar wissen. Aber vielleicht waren die Dortmunder geneigt, die Augen vor der Größe der Herausforderungen zu verschließen. Prinzip Hoffnung. Prinzip: Haalands Muskeln werden schon halten. Und was soll schiefgehen, wenn man in einer Gruppe mit Holländern, Portugiesen und Türken auch noch die ersten beiden Spiele gewinnt? Was soll schiefgehen, außer alles.

Das 1:3 in Lissabon war wie eine Zusammenfassung der Dortmunder Königsklassensaison. Eine Verletzung noch vor Anpfiff (Guerreiro), hinein kommt ein Spieler (Schulz), dem der Fehler vor dem frühen Rückstand unterläuft. Anschließend Überforderung in der Defensive und Hilflosigkeit im Angriff, wo es am Ende jener Spieler richten sollte, bei dem „St. Tigges“ auf dem Trikot steht, was vermuten lässt, es handele sich um einen spannenden Wunderstürmer aus Französisch-Neuguinea namens Saint Tigges. Dabei kommt der Junge aus Osnabrück und heißt Steffen mit Vornamen. St. Tigges hat es nicht gerichtet in Lissabon.

Der BVB hängt durch, zwischen Schein und Sein. Er will nicht von einzelnen Spielern abhängig sein, ist es aber. Er meint, zu Hause zu sein auf dem großen europäischen Parkett, aber dann wird Trainer Marco Rose vor der Partie in Lissabon gefragt, was er von Ruben Amorim hält. Und weiß nicht, dass das der Sporting-Trainer ist: „Öh, keine Ahnung.“

Öh, keine Ahnung. Besser kann man Borussia Dortmund gerade nicht zusammenfassen.

Das Aus in der Champions League, natürlich auch dem Pech geschuldet (Verletzungen, absurde Schiedsrichterentscheidungen), ist bedrohlich für die Dortmunder. Erling Haaland wird es überhaupt nicht gefallen, dass es nun in der Europa League weitergeht, der Norweger definiert sich über die Königsklasse, und ausschließen kann man nicht, dass sein notorischer Berater Milos Raiola schon im Winter einen Abgang seines Klienten forciert.

Der BVB wird Haaland im Winter unter keinen Umständen abgeben. Haaland würde das auch nicht wollen, es gibt noch zu viel zu tun für ihn in Westfalen. Irgendwie ist es den Dortmundern in der Bundesliga ja gelungen, trotz zuletzt dürftiger Leistungen auf Platz zwei und nur einen Zähler hinter dem FC Bayern zu lauern. Wie ein Tiger auf dem Sprung.

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