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Cooler Abschluss: Michael Gregoritsch trifft bei seinem Schalke-Debüt gegen Gladbach.

Gregoritsch bei Schalke

Obenauf statt unten durch

Vom Abstellgleis in Augsburg ins Rampenlicht auf Schalke: Für Michael Gregoritsch scheint sich der Vereinswechsel schnell auszuzahlen. Dafür muss er sich neu erfinden.

Diese Gelegenheit wollte Michael Gregoritsch nicht ungenutzt lassen. Als Schalkes Winterzugang erkannt hatte, dass sein Sturmpartner Benito Raman wenige Meter neben ihm ein Interview gab, rief der Österreicher ein ehrliches „Danke“ rüber. „Danke noch einmal.“ Raman schaute erst verdutzt drein, ehe er lächelnd ein „Bitte“ entgegnete.

Na klar, Gregoritsch war von den Zahlen der königsblaue Matchwinner beim 2:0-Sieg gegen Borussia Mönchengladbach. Der 25-Jährige hatte bei seinem Pflichtspieldebüt für Schalke vier Torschüsse und vier Torschussvorlagen auf seinem Konto, steuerte dabei einen Assist und einen Treffer bei. Aber bei Letzterem sagte er eben ganz klar: „Den Ball hat Benito super zu mir rüber gelegt. Das ist mindestens zur Hälfte sein Tor.“

So, wie das Duo nach der Partie harmonierte, war das zuvor mindestens auch auf dem Rasen der Fall gewesen. Dass die Schalker Gregoritsch erst in der Winterpause vom FC Augsburg ausgeliehen haben und der Österreicher gerade einmal zweieinhalb Wochen bei seiner neuen Mannschaft ist, war kaum zu bemerken. „Prinzipiell konnte man das nicht erwarten, aber darauf gehofft haben wir schon“, räumte Trainer David Wagner ein, der den Stürmer direkt in die Startelf beorderte.Es war deshalb nicht zu erwarten, weil die Karriere von Gregoritsch zuletzt einen kleinen Knick hatte. Denn in Augsburg war er aufs Abstellgleis geraten. Nachdem er sich über fehlende Einsatzzeiten beklagt und seine Wechselabsichten öffentlich geäußert hatte, wurde er sogar suspendiert. Zuletzt durfte er beim FCA Anfang November für gerade einmal fünf Minuten ran – beim 2:3 auf Schalke. 90 Minuten stand er zuletzt am zweiten Spieltag auf dem Platz. Und dann dieser Einstand auf Schalke.

„Das ist Fußball“, meinte Gregoritsch: „Bei einem Verein funktioniert es nicht so gut, beim anderen funktioniert es eben besser. Das ist eine Riesenchance, die ich hier gekriegt habe. Die muss man versuchen, zu nutzen.“ Dass diese Worte nicht einfach bloß daher gesagt sind, ist schon allein daran zu messen, dass Gregoritsch sein Spiel anpassen muss. Das habe Wagner dem Angreifer bereits in den Gesprächen deutlich gemacht. „Ich habe ihm nur Defensivszenen gezeigt – für einen Stürmer“, berichtete Wagner.

Es seien Sequenzen von Benito Raman gewesen, der aktuell Schalkes Vorzeigesprinter und verteidigender Angreifer ist. „Das ist wenig entspannend, auch gegen den Ball“, so der Chefcoach: „Ich habe ihm gesagt: Nur damit wir mal drüber gesprochen haben, Stürmer bei Schalke 04, da heißt es anders zu spielen. Willst du das? Und er wollte.“

An Übersicht, Technik und Kaltschnäuzigkeit des 25-Jährigen hatte kaum jemand seine Zweifel. Das Spiel gegen den Ball gehörte jedoch bislang tatsächlich nicht zu seinen Stärken. Das weiß er auch selbst. Die Lust entdeckt er gerade neu für sich. „Wenn neun Feldspieler hinter dir laufen, ist es schon schwachsinnig, wenn ich vorne nicht laufe“, sagte Gregoritsch: „Man fühlt sich auch ein bisschen in der Pflicht, dass man denen hinten etwas abnehmen kann.“

So erfolgreich sein Auftakt war: Dass noch Luft nach oben ist, weiß er genauso wie sein Trainer. „Das ist auch vollkommen normal, wenn du das so lange nicht auf deiner Festplatte hattest. Das spulen wir ihm gerade drauf, da macht er gute Schritte“, meinte Wagner.

Doch Gregoritsch ist auf bestem Wege, sich daran zu gewöhnen – vielleicht genauso wie an einen anderen Umstand. Mit Blick auf Schalkes Auswärtsaufgabe beim FC Bayern sagte er: „Es ist ein schönes Gefühl, das ich so auch noch nicht gekannt habe: im oberen Tabellendrittel zu stehen, nach München zu fahren und zu wissen: Das ist ein Spitzenspiel.“ Doch das Gefühl dürfte ebenso eins sein, an das er sich nur allzu gerne gewöhnen würde.

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