Interview

„Nur richtige, knallharte Strafen helfen“

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Offenbachs Obmann Volker Geupel über den Vorfall in Münster und die Folgen für das Schiedsrichterwesen.

Herr Geupel, Wie sind die Reaktionen der Offenbacher Schiedsrichter auf den brutalen Faustschlag von Münster?
Auch wir sind alle entsetzt und empört. Es ist traurig ohne Ende für den jungen Mann, der jetzt für 22 Euro Aufwandspauschale im Krankenhaus liegt. Aber es ist für uns generell nicht vollkommen überraschend. So etwas erleben wir immer mal wieder, wenn es auch diesmal besonders brutal war. Das Besondere war jetzt aber vor allem, dass es jemand gefilmt hat, dass es jeder im Internet sehen konnte. Aber vielleicht war das auch gut, dass es jetzt einmal größeres Aufsehen gibt.

Hat sich schon jemand gemeldet, der Angst hat und jetzt nicht mehr pfeifen will?
Nein, da hat sich noch keiner gemeldet. Wir sind da schon ein bisschen abgehärtet. Aber es kommt mehrfach die Frage, ob nicht ein Streik sinnvoll wäre, um ein Zeichen zu setzen.

Und, wäre das nicht sinnvoll?
Das bringt doch nichts. In Berlin haben sie jetzt zum dritten Mal gestreikt und es wird immer schlimmer. In Frankfurt haben sie auch schon einmal gestreikt und es hat sich nichts gebessert. Es ist auch ein generelles Problem in unserer Gesellschaft, dass der Respekt gegenüber dem Ehrenamt fehlt. Das bekommen ja auch Sanitäter und Feuerwehrleute zu spüren, wenn sie bei ihren Hilfseinsätzen behindert oder sogar angegriffen werden. Und auf den Sportplätzen entlädt sich auch der Frust des Alltags.

Wenn ein Streik nichts bringt, was könnte dann helfen?
Nur richtige, knallharte Strafen, aber das ist jetzt meine persönliche Meinung. Nicht 100 Euro und 20 Spiele Sperre, sondern mal 1000 oder 2000 Euro, dass die das mal richtig merken. Die Mannschaft aus dem Verkehr ziehen, was jetzt ja auch die FSV Münster getan hat, und einen Spieler richtig lange, vielleicht sogar lebenslang sperren.

Sie selbst werden am kommenden Fußball-Wochenende aber auch wieder auf den Platz gehen?
Ja, aber ja nur noch als Schiedsrichter-Beobachter, nicht mehr als aktiver Schiedsrichter. Und meist in den höheren Klassen, Hessenliga, Verbandsliga, Gruppenliga. Da passiert in der Regel nichts, weil die Spieler sich besser im Griff haben. Die spielen um Geld und sind ebenso wie ihre Trainer besser ausgebildet. Die größten Probleme gibt es in den unteren Klassen und in der Jugend. Am schlimmsten sind die Heranwachsenden, Zwölf- bis 17-Jährige. Denen fehlt der Respekt, aus denen bricht am ehesten ihre Unzufriedenheit in Form von Aggressionen heraus. Und da schicken wir 14-Jährige erstmals auf den Platz, um ein Spiel von 14-Jährigen zu leiten. Und dann werden diese Jungschiedsrichter von den Eltern der gleichaltrigen Spieler beschimpft und angegangen. Das ist doch schlimm. Die sollen doch alle Spaß haben am Fußballspielen.

Wie oft kommt es denn zu respektlosem Verhalten und Attacken gegen Schiedsrichter? DFB-Vizepräsident Ronny Zimmermann hat ja verkündet, dass solche Fälle immer noch Ausnahmen seien und in den vergangenen fünf Jahren nicht signifikant zugenommen hätten?
Das stimmt schon. 99 Prozent der Spielleitungen laufen problemlos. Andererseits wurden über 4000 Gewalthandlungen registriert, bei denen ein Beschuldigter einen Geschädigten körperlich angreift, beispielsweise durch Schlagen, Treten oder Spucken. Das ist prozentual so wenig, weil 1,31 Millionen Fußballspiele absolviert wurden. Aber andererseits sind doch auch 4000 Attacken viel zu viele. Denn das ist doch ein Hobby, das allen Spaß machen soll.

Interview: Stefan Moritz

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