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Mit Köpfchen: Tomas Soucek.
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Mit Köpfchen: Tomas Soucek.

Tschechien träumt von Wembley

Nummer 399 aus der Wundertüte

  • Frank Hellmann
    VonFrank Hellmann
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Tschechien arbeitet an einer EM-Geschichte, die Parallelen mit der Story von 1996 hat. Damals schafften sie es bis ins Finale.

Schon seit der Kindheit, so hat es dieser Tage der für Slovan Liberec spielende Michal Sadilek verraten, begeistern sich die meisten tschechischen Nationalspieler für die bekannten Panini-Alben. Tüte aufreißen, Nummer prüfen, Bild einkleben. „Das Sammeln ist in unserer Mannschaft ein Riesenspaß und machen die meisten schon sehr lange.“ Wer hat welches Bild noch nicht? Was Generationen von Fußballfans begeistert, ist liebster Zeitvertreib bei jenen Akteuren, die bei dieser Europameisterschaft eine Geschichte erzählen, deren Erinnerungswert bald über ein Sammelalbum hinausgehen könnte. Wenn nämlich das Team um Torhüter Tomas Vaclik, im offiziellen Stickeralbum die Bildnummer 381, Antreiber Tomas Soucek, 396, oder Torjäger Patrik Schick, 399, das Viertelfinale gegen Dänemark in Baku (Samstag 18 Uhr/ARD) gewinnt, dann dürften nicht nur die Sammlerwerte dieser Klebebildchen rapide steigen.

Weil das tschechische Team ihr Basiscamp in Prag bezogen hat, spüren die Protagonisten die wieder wachsende Begeisterung ihrer Landsleute für den Fußball. Bereits am Donnerstag ging der Flug nach Aserbaidschan, was das einzige Ärgernis fürs Außenseiterduell darstellt. „Es macht keinen Sinn, in Baku zu spielen. Für unsere Fans ist das frustrierend“, sagte Antonin Barak, der Mittelfeldmann von Hellas Verona, der den womöglich erneut fehlenden Kapitän Vladimir Darida von Hertha BSC bereits im Achtelfinale gegen die Niederlande (2:0) bravourös ersetzte.

Barak, 26, hat auf einer digitalen Pressekonferenz ganz unbescheiden betont, dass er „die vielleicht beste Saison seines Lebens spielt“ – und mit diesem Vorzug ist er gewiss kein Einzelfall. Gleiches gilt für Nebenmann Soucek, 26, der seine starke Form bei West Ham United mal direkt in die EM transferiert hat. Der robuste Taktgeber hat sich in anderthalb Jahren in der Premier League einen exzellenten Ruf erarbeitet.

Soucek ist die zentrale Figur

Die blonde Symbolfigur an Widerstandskraft bildet zusammen mit dem für den FC Sevilla spielenden Torwart Vaclik, 32, und den für Bayer Leverkusen stürmenden Schick, 25, eine verlässliche Achse einer Mannschaft, die gewiss nicht über so viel Talent verfügt wie die Generation um Edeltechniker Karel Poborsky oder das Genie Pavel Nedved. Aber dass sich eine Story wie 1996 mit dem Finaleinzug (1:2 in der Verlängerung gegen Deutschland) oder 2004 mit dem Erreichen des Halbfinals (0:1 nach Verlängerung gegen Griechenland) wiederholt, ist allemal drin. Zumal: 2004 warfen die Tschechen eben die Dänen im Viertelfinale mit 3:0 aus dem Turnier.

„Wenn unsere Mannschaft jetzt noch von der Euphoriewelle erwischt wird, dann kann wieder alles passieren“, sagte der einstige Mittelstürmer Jan Koller, der damals in Porto das Führungstor erzielte, ehe Milan Baros noch einen Doppelpack anbrachte, dem Fachmagazin „Kicker“. Und natürlich würde es weit über Prag hinausstrahlen, wenn es ein Halbfinale zwischen Tschechien und England geben sollte.

25 Jahren nach dem durch das Golden Goal von Oliver Bierhoff so unglücklich verlorenen Endspiel wieder in Wembley anzutreten, das hätte was. Die Vergleiche mit den Helden aus dem Turnier vor einem Vierteljahrhundert nimmt Trainer Jaroslav Silhavy als Ansporn. Der oft spröde wirkende 59-Jährige arbeitete bei der EM 2004 noch an der Seite von Karel Brückner. Sein enger Draht zur Mannschaft ist verbürgt, an seinem Matchplan halten sich die Akteure akribisch. Der von ihm vorgegebene physische Stil schaut nicht immer schön aus, aber was soll dieses spielerisch eher limitierte Ensemble sonst tun?

Der Frankfurter Spielerberater James Richardson, der seit mehreren Jahren in Prag lebt und einige tschechische Spieler betreut, sieht das Team immer noch ein bisschen „als Wundertüte“ an. Doch unterschätzen sollte man dies Mannschaft nicht. „Zwar brauchen viele Spieler zwei, drei Jahre länger, bis sie sich an die Anforderungen im Ausland angepasst haben, aber diejenigen, die es schaffen, bringen dann eine besondere Mentalität mit.“ Inklusive der Vorliebe fürs Sammeln von Klebebildchen.

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