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Bitter enttäuscht: Der Schalker Amine Harit

Schalke - Paderborn 1:1

Novum beim Déjà-vu

Schalke verspielt erneut gegen einen Abstiegkandidaten eine Führung.

Erstmals hörte David Wagner laute Pfiffe von den Rängen, der bisher so erfolgreiche Trainer von Schalke 04 erlebte ein Novum – nach einem schmerzhaften Déjà-vu. Schon zum dritten Mal ließen die Königsblauen daheim nach eigener Führung Punkte gegen einen Abstiegskandidaten liegen und verloren im Rennen um die Europapokalplätze an Boden. Doch die Parallelen wollte der 48-Jährige nicht sehen. „Man kann nicht alles über einen Kamm scheren“, meinte Wagner nach dem 1:1 (0:0) gegen den Tabellenletzten SC Paderborn, „das ist für mich konstruiert.“

Fakt ist aber: Die Schalker haben gegen den damaligen Vorletzten 1. FC Köln (1:1), den derzeitigen 16. Fortuna Düsseldorf (3:3) und Schlusslicht Paderborn jeweils in den letzten zehn Minuten noch den Ausgleich kassiert – und insgesamt sechs Zähler verschenkt, mit denen sie jetzt auf einem Champions-League-Platz stünden. „Ein bisschen doof angestellt“, urteilte Mittelfeldspieler Alessandro Schöpf.

Dass es gegen den Letzten nicht zum Sieg reicht, ist in Gelsenkirchen kein neues Phänomen: Zum fünften Mal in Folge gewann Königsblau nicht gegen das Bundesliga-Schlusslicht. Zuletzt war dies am 30. April 2016 beim 3:1 in Hannover gelungen. Allerdings: In der Saison 2017/18 holte Schalke nur zwei Punkte aus drei Duellen mit dem Tabellenletzten, wurde am Ende aber Vizemeister.

Paderborn bleibt dran

Für Wagner galten gegen Paderborn ohnehin besondere Umstände. Das kräftezehrende DFB-Pokal-Achtelfinale über 120 Minuten gegen Hertha BSC (3:2) steckte noch in den Knochen, außerdem „haben wir personell eine sehr, sehr schwierige Phase“. Neben den Langzeitverletzten Salif Sané und Benjamin Stambouli fehlten die Stammspieler Suat Serdar, Daniel Caligiuri und Jonjoe Kenny, in der ersten Hälfte humpelte zudem Ozan Kabak mit einer Muskelverletzung vom Platz.

„Das haut richtig ins Kontor“, meinte Wagner, „das ist ein bisschen doof.“ Ohne den 19-Jährigen wackelte vor allem in der Schlussphase die Abwehr, ohne Serdar, der am Morgen nach dem Abschlusstraining abgewinkt hatte, fehlten Dynamik im Mittelfeld und Zug zum Tor, ohne Kenny und Caligiuri blieb die rechte Außenbahn weitgehend wirkungslos.

Dennoch – nach dem 1:0 durch den eingewechselten Ahmed Kutucu (63.) hatte Schalke einen mühsamen Pflichtsieg und eine Annäherung an die ersten Vier vor Augen. Aber ein krasser Stellungsfehler beim zehnten Eckball der Paderborner ermöglichte Klaus Gjasula den Ausgleich (81.). Der aufgrund der couragierten Leistung des Aufsteigers auch hochverdient war. „Wir hätten das Spiel gewinnen müssen“, meinte Geschäftsführer Martin Przondziono: „Wir hatten große Vorteile über 90 Minuten. Das macht uns zuversichtlich für die nächsten Wochen.“

Noch ist Paderborn Letzter, hat aber elf Punkte aus den letzten acht Spielen geholt – und die entscheidenden Partien im Kampf um den Klassenerhalt vor sich: Bis Mitte März sind Hertha, Mainz, Köln und Düsseldorf die Gegner. (sid)

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