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Immer mehr unter Druck: Adi Hütter (links). Foto: dpa
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Immer mehr unter Druck: Adi Hütter (links).

Nächster Eintracht-Gegner

Notstand am Niederrhein

  • Thomas Kilchenstein
    VonThomas Kilchenstein
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Borussia Mönchengladbach stürzt nach der dritten Schlappe in einer Krise. Nun erhöht Sportboss Max Eberl den Druck auf die Spieler.

Es entbehrt ja nicht einer gewissen Pikanterie, dass André Silva beinahe wirklich alles dafür tun wollte, dass sein alter Trainer nicht noch mehr in die Bredouille geraten würde als er es jetzt doch ist. Gut, vielleicht hätte Silva noch auf sein 2:0 verzichten können, er hat ja ansonsten auf so viele andere Tore verzichtet, drei, vier Buden hätte der RB-Angreifer locker machen können. Und es spricht ja für die außerordentlichen Fähigkeiten des portugiesischen Nationalstürmers im Leipziger Dress, dass er es kurz nach der Halbzeit gar schaffte, den Ball vor dem leeren Tor unbedrängt aus 16 Metern an die Latte zu schießen. Andere schieben die Kugel schnöde flach ins Tor.

Doch am Ende konnte auch der Ex-Frankfurter nicht verhindern, dass der Ex-Frankfurter Coach Adi Hütter nach dieser 1:4 (0:2)-Niederlage, der dritten hintereinander mit einem Torverhältnis von 2:14, gerade keine sehr schöne Zeit bei Borussia Mönchengladbach erlebt. In Frankfurt bei der Eintracht und unter Hütter hat es Silva zum Top-Torjäger gebracht, 28 Tore in einer Saison hatten ihm viel Reputation sowie einen neuen und sehr lukrativen Vertrag bei den Rasenballern beschert.

Und Adi Hütter? Den muss Gladbachs Sportdirektor Max Eberl im ZDF-Sportstudio gehörig in Schutz nehmen. „Schuld tragen wir alle.“ Eberl, die Mannschaft, aber halt auch der Trainer, der im Sommer ja für die zweithöchste Ablösesumme, die je für einen Fußballlehrer in der Liga gezahlt wurde, aus Frankfurt gelockt wurde, 7,5 Millionen Euro. Eberl nannte die momentane Lage der Gladbacher frank und frei „besorgniserregend“. Und: „Ich möchte keinen sehen, der auf einen anderen zeigt.“

Was den umtriebigen Sportmanager vor allem wunderte bei seiner ins Taumeln geratenen, qualitativ im Grunde sehr gut besetzten Mannschaft: Wie schnell dieses Profiteam in ihren Grundfesten erschüttert ist. Das 0;6 am letzten Wochenende sei „ein Einschnitt“ gewesen, „das hat an uns genagt“. Dieses Demontage binnen 37 Minuten, wehrlos hingenommen, habe die Mannschaft „sehr viel Vertrauen verlieren lassen“, räumte der Sportdirektor ein. Verunsichert, verkrampft, ängstlich sei Gladbach im „Nervenspiel“ in Leipzig aufgetreten, und „dann wollte keiner mehr den Ball“.

Mit drastischen Folgen: „In der zweiten Halbzeit baust du dir zumindest ein Pflänzlein Selbstvertrauen wieder auf - und haust es dir in der Nachspielzeit komplett wieder über den Haufen.“ Nach dem unerwarteten Anschlusstreffer von Ramy Bensebaini (88.) kassierten die Gladbacher in der Nachspielzeit die Treffer von Christopher Nkunku und Benjamin Henrichs zum 1:3 und 1:4. Allein Torwart Yann Sommer verhinderte ein erneutes Debakel.

Eberl ließ aber keinen Zweifel daran, wer nun gefordert ist: „Die Mannschaft auf dem Platz kann es regeln.“ Sie stehe in der Pflicht und er, Eberl, wolle „auf Einzelschicksale keine Rücksicht mehr nehmen. Wir müssen schon Eier zeigen jetzt.“ Am Mittwoch, im vorletzten Vorrundenspiel, empfangen die kriselnden Gladbacher übrigens Hütters alten Klub, Eintracht Frankfurt. Ob die Rücksicht nehmen werden auf den Österreicher? So ganz harmonisch war die Trennung ja nicht.

Tedesco feiert ersten Sieg

Derweil ist die Stimmung in Leipzig nach dem Trainerwechsel deutlich besser. Auch weil Domenico Tedesco, der neue Übungsleiter, seinem Ruf treu geblieben ist: Wenn er einen Verein übernimmt, verliert er sein erstes Spiel nicht. So war es bei Erzgebirge Aue, bei Schalke 04, bei Spartak Moskau. Damit erfüllte er den ersten Auftrag von Boss Oliver Mintzlaff. „Wir brauchen schnell Erfolg“, hatte er gefordert. Gesagt, getan.

Der Anteil der neuen Mannes am Erfolg hält sich noch in Grenzen. Denn wirklich gearbeitet hatte er mit seinem Team auf dem Platz in den zwei Tagen seit seiner Ankunft in Leipzig noch nicht. „Es ging darum, den Reset-Knopf zu drücken. Ich habe mit sehr vielen Leuten gesprochen, nicht nur Spielern, auch mit dem Staff“, sagte der Deutsch-Italiener im MDR.

Richtig arbeiten kann der Hoffnungsträger ohnehin erst nach der Weihnachtspause mit dem Team. Weiterhin erinnert vieles an alte Zeiten unter Vorgänger Jesse Marsch: Die Chancenverwertung war eher mangelhaft, was bei vier Treffern komisch klingt. Allein an Großchancen gab es sechs weitere. Und über die allergrößte, jene von André Silva, sagte Tedesco gewohnt selbstbewusst: „Ich hätte ihn reingemacht. kil/dpa

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