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Friedhelm Funkel hat ein gutes Näschen gehabt, um dem BVB ein Bein zu stellen.

Fortuna Düsseldorf

Nostalgische Gefühle

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Für den deutschen Profifußball wäre der Klassenerhalt von Fortuna Düsseldorf ein gutes Zeichen. Ein Kommentar.

Als Fortuna Düsseldorf noch in der zweiten Liga beheimatet war, hing das Bild direkt neben der Eingangstür im Büro des Vorstandschefs. Robert Schäfer konnte anhand der großen Schwarz-Weiß-Fotografie, die mittlerweile in den Gängen der Geschäftsstelle angebracht ist, jeden Tag sehen, wofür sich die Anstrengungen lohnen würden. Nämlich eines Tages mal wieder erstklassig zu spielen. So wie es ja Dauerzustand in den 70er-Jahren war, als die Fortuna am 9. Dezember 1978 einen Höhepunkt der Vereinsgeschichte erlebte. Es war der 16. Spieltag der Saison 1978/79, als der FC Bayern mit seinen Stars Sepp Maier, Paul Breitner und Karl-Heinz Rummenigge im alten Rheinstadion antrat. Und vorher die Nase hoch trug. Doch was geschah? 

Obwohl nur 26.000 Besucher kamen, fertigten die Düsseldorfer die indisponierten Münchner mit 7:1 ab, und als Dokument der Zeitgeschichte gibt es besagtes Bild, auf dem der Weltmeister-Tormann Maier betroffen auf den Boden blickt und in seinem Rücken von der Anzeigetafel die Ziffern zur Schlappe leuchten. Wer sich im Mai dieses Jahres zum bevorstehenden Düsseldorfer Aufstieg mit Schäfer unterhielt, der bekam bei der nostalgischen Betrachtung ins Ohr geflüstert: 40 Jahre später sind Überraschungen dieser Art in der Bundesliga doch beinahe ausgeschlossen. 

Doch was ist am 18. Dezember 2018, am 16. Spieltag, passiert? Etwa an gleicher Stelle, wo mal das alte Stadion stand, hat die Fortuna in ihrer mit 52.000 Zuschauern prall gefüllten Mehrzweckarena ein stimmungsvolles Fußballfest gefeiert, das an selige Zeiten erinnerte. Der 2:1-Erfolg gegen den bis dato nur von Atletico Madrid in der Champions League besiegten und dem FC Bayern enteilten Bundesliga-Tabellenführer Borussia Dortmund hat zweierlei belegt. Erstens: In dieser Saison kann jeder jeden schlagen. Und zweitens: Der dienstälteste Trainer schützt vor Erfolgen nicht. 

Der Pragmatiker Friedhelm Funkel hat ein gutes Näschen gehabt, um dem leicht überheblichen Gast – gedanklich schon beim freitäglichen Gipfeltreffen gegen Borussia Mönchengladbach – ein Bein zu stellen: In der Defensive alle Lücken schließen, in der Offensive die wenigen Chancen nutzen. Die Düsseldorfer haben dabei nicht nur gemauert, sie haben nicht getreten und geholzt, sie haben einfach aus ihren Möglichkeiten das Allerbeste gemacht. Das 3:3 beim FC Bayern war kürzlich also kein Zufall, sondern viel eher als beim seit zehn Spielen sieglosen Mitaufsteiger 1. FC Nürnberg setzt sich bei den Rheinländern die Erkenntnis fest: Hoppla, wir können mithalten. 

Für den deutschen Profifußball wäre der Klassenerhalt nicht nur wegen des unverwüstlichen Originals Funkel ein gutes Zeichen, sondern auch ein Argument, um den Vorhaltungen entgegenzutreten, mit der Verteilung der Fernsehgelder würde heimlich, still und leise ein „Closed Shop“-System errichtet. Würden im Mai 2019 die Aufsteiger 1. FC Köln und Hamburger SV heißen – wonach es nach Abschluss der Hinrunde ja bereits aussieht – die Absteiger direkt aber wieder Düsseldorf und Nürnberg, wäre die Vermutung unterfüttert. Wäre für alle Fußball-Romantiker schön, wenn es nicht so käme. 

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