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Licht am Ende des Tunnels? Bayern-Trainer Niko Kovac.

Niko Kovac

Niko Kovac trampelt durch den Münchner Porzellanladen

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  • Daniel Muksch
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Trainer Niko Kovac will sich keinesfalls ändern. Das Spiel des FC Bayern sollte das allerdings schleunigst tun.

Es ist nicht allzu lange her, da entwickelte sich das Gefühl, beim FC Bayern könnte etwas entstehen, da könnte sich eine Mannschaft zusammenraufen, die zu großen fußballerischen Leistungen fähig ist. Einen „historischen Tag“ hatte Vereinschef Karl-Heinz Rummenigge erlebt, eine „Sternstunde“ der leitende Angestellte Niko Kovac

Just heute vor einem Monat war das, am 1. Oktober, als der Bayernexpress in der Champions League über Tottenham Hotspur hinwegrollte. 7:2, ein Viererpack von Serge Gnabry, „es wurde Geschichte geschrieben“, so Rummenigge.

Im Anschluss organisierten Spieler spontan Mannschaftsabende, Trainer Kovac sprach von einem „Arbeitsklima wie unter Freunden“, und selbst Rummenigge, nicht gerade als Kovac-Kumpel bekannt, verzichtete auf öffentliche Giftpfeile in Richtung des Fußballlehrers.

Niko Kovac hat die Sympathien bei Fans und Führungsetage längst wieder verspielt

Nun muss nüchtern konstatiert werden: Das Gefühl war trügerisch, das zarte Pflänzchen ist verwelkt. Kovac hat die mühsam erkämpften Sympathien bei Fans und Führungsetage längst wieder verspielt. Und noch bitterer: Der ehemalige Eintracht-Coach scheint vor dem Duell bei seinem Ex-Klub am Main (Samstag, 15.30 Uhr) auch seine Mannschaft verloren zu haben.

Denn nach dem Höhepunkt in London folgten reihenweise Ernüchterungen. Eine Niederlage gegen Hoffenheim, ein Remis gegen Augsburg sowie Zittersiege gegen Piräus, Union Berlin und zuletzt am Dienstag im DFB-Pokal beim VfL Bochum – ein Abend voller Unzulänglichkeiten. Zweikampfverhalten? Mangelhaft. Offensivspiel? Holprig. Auftreten? Überheblich. 

Bestätigt: FC Bayern trennt sich von Niko Kovac

Ganz klar, schafft Kovac es nicht innerhalb kürzester Zeit, dem FC Bayern neues Leben einzuhauchen, dürfte er die erneute Herbstkrise im Gegensatz zum vergangenen Jahr nicht wieder überstehen. Ein Patzer in Frankfurt und die Rufe nach möglichen Nachfolgern wie Erik ten Hag (aktuell Ajax Amsterdam) oder Mauricio Pochettino (Tottenham) würden lauter als ohnehin schon.

Niko Kovac unterlaufen zu viele verbale Eigentore

Nun ist Kovacs Dilemma nicht nur jenes, dass die Bayern schwach spielen, sondern vielmehr, dass ihm an dieser Entwicklung der größte Anteil zugeschrieben wird. Denn der 48-Jährige hat zuletzt offensichtliche Fehler gemacht. So postuliert er bei quasi jeder sich bietenden Gelegenheit, wie arm Trainer in Deutschland dran seien, wie hart Reporter mit ihnen umgehen würden, offenbar vergisst er dabei aber, dass sein eigenes Wirken dazu führt.

Ohne Not ist Kovac in den vergangenen Wochen gleich viermal bei den Spielern, dem Verein und den Fans in Fettnäpfchen getreten. Als wäre kein einzelner Elefant, sondern eine ganze berüsselte Herde durch den Porzellanladen getrampelt: Zunächst bezeichnete er Thomas Müller als Notlösung. Zwar eher beiläufig, auch entschuldigte sich Kovac kurz darauf, die Worte aber waren längst beim Publikumsliebling angekommen. Dann taxierte er seine Spieler als Tempo-100-Schleicher und blickte ehrfürchtig auf Jürgen Klopps Tempo-200-Raser aus Liverpool.

Nach Bochum trifft Bayern München auf Eintracht Frankfurt

Nach dem Auftritt in Bochum folgte die bis dato letzte Etappe seiner Elefantenrallye. Erst kritisierte er die Einstellung seiner Spieler, dann rief er die Fans seines Ex-Klubs aus Frankfurt als beste der Liga aus. Das mag sogar stimmen, auch war es wohl nicht böse gemeint, mit frenetischem Beifall aus der Münchner Südkurve wird Kovac so aber kaum rechnen können

Am Donnerstag (31.10.) sagte der Coach dann, auch weiterhin offen seine Meinung vertreten zu wollen. „Ich werde mich und meinen Charakter nicht ändern. Wenn wir anfangen, jetzt über Ehrlichkeit zu reden, dann können wir eine Grundsatzdiskussion führen und dann haben wir ein Problem“, sagte Kovac: „Wenn die Ehrlichkeit in der heutigen Zeit nicht mehr erwünscht ist, dann können wir alle einpacken.“ Vielleicht müsse er aber klarer in seinen Aussagen sein, „vielleicht darf ich nicht mehr so in Metaphern oder wie ein Dichter reden“.

Wofür steht Niko Kovac als Trainer?

Womöglich würde man dem gebürtigen Berliner seine verbalen Eigentore eher verzeihen, wenn die Mannschaft sportlich abliefern würde und eine klare Handschrift seiner Arbeit erkennbar wäre. Doch in seinen knapp eineinhalb Jahren an der Säbener Straße suchen die Bayern noch immer nach ihrer fußballerischen Identität. 

Wofür steht Niko Kovac als Trainer? Verpasste er der Eintracht noch den bedingungslosen Einsatzwillen, um hinten dichtzumachen und auch mal überhart in die Zweikämpfe zu grätschen, würde solch eine Herangehensweise beim bayerischen Branchenführer gewiss nicht hoch geschätzt werden. Die Attacke aber scheint dem Coach nicht zu liegen, ein langfristig brauchbares Offensivkonzept ist noch immer nicht zu erkennen. Wenn nicht vordringlich Serge Gnabry oder Robert Lewandowski ihre individuelle Qualität auf den Rasen bringen, läuft wenig.

Zukunft von Niko Kovac nach 1:5-Debakel in Frankfurt völlig offen

Nun ist es nicht so, dass die Bayernprofis plötzlich das Kicken verlernt hätten. Das zu behaupten, wäre Unsinn. Auch sind die Münchner Tabellenzweiter und damit vor den vermeintlichen Titelkonkurrenten aus Dortmund und Leipzig platziert. Alles in allem aber liegt der Verdacht nahe, dass nicht alle Akteure mit voller Überzeugung dabei sind. Ein klares Bekenntnis zu Kovac gab es vom Staraufgebot schon einen Monat lang nicht mehr – rückblickend betrachtet mutet das 7:2 bei Tottenham Hotspur eher wie ein Ausrutscher nach oben an.

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