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Es läuft wieder: Niko Kovac hat mit dem FC Bayern München die vergangenen vier Spiele gewonnen.

Bayern München

Niko Kovac hat Nehmerqualitäten bewiesen

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Niko Kovac hat ein forderndes halbes Jahr beim FC Bayern München hinter sich gebracht. Die Prüfungen werden für den Klub und für den Trainer künftig nicht leichter.

Er betritt den Raum auch heute fast auf die Minute pünktlich, steigt mit federnden Schritten aufs Podium und brummt ein „Herzlich Willkommen“ in die Runde. Niko Kovac hat keine einfachen Monate hinter sich. Er hat offene Kritik einstecken müssen und immer mal wieder auch versteckte. Auf eines aber war immer Verlass: Sein Auftreten in der Öffentlichkeit hat sogar in den stürmischsten Zeiten nie auch nur den geringsten Anlass zum Tadel gegeben. Wie es innen drin aussieht, geht ja niemanden was an.

Selbst als er Mitte November, in seiner schwierigsten Phase als Trainer des FC Bayern München, Fragen beantworten musste wie jene, ob er auch am Ende der Woche noch seinen Job habe, wahrte Kovac die Fassung, wenn auch mit Mühe. Das sei aber eine harte erste Frage für eine Pressekonferenz, entgegnete er. Überrascht, aber nicht unfreundlich. Als damals Oliver Kahn auf die heikle Gesamtsituation angesprochen wurde, lachte er sein keckerndes Lachen und erwiderte sinngemäß, bei den Bayern müsse man halt mehr aushalten als anderswo. Pressekonferenzen mit dem Trainer waren der Beweis.

Kovac beweist in Bayern Nehmerqualitäten

Wenn Niko Kovac am Samstag mit der Partie bei seinem Ex-Klub Eintracht Frankfurt die Hinrunde abschließt, hat er ein forderndes Halbjahr hinter sich, aber auch Nehmerqualitäten bewiesen. Inzwischen, nach mehreren Siegen und kurz vor Weihnachten, ist der Druck wieder auf ein vergleichsweise moderates Niveau gesunken. Doch dass Kovac, 47, innerlich genauso gefasst wäre wie äußerlich, das kann man nicht behaupten. Schön zu sehen war das am Mittwoch beim knappen Erfolg über RB Leipzig, als der Trainer den späten Siegtreffer mit dem emotionalsten Ausbruch seiner Amtszeit quittierte.

Es ist immer noch vieles in der Schwebe bei den Bayern, die im Sommer auf dem Trainerposten eine große Veränderung eingingen, im Kader dagegen nur eine sehr bescheidene. Die Folgen beschäftigen den Klub bis heute. Eine Weile schien es, als halte die Mannschaft Gericht über ihren Trainer und müsse sich erst noch ein Urteil bilden über dessen Bayern-Tauglichkeit. Einer, der damals sämtliche Schwingungen mitbekommen hat, sagt, ausgerechnet Kovac’ menschliche Seite sei ihm damals vorgehalten worden. „Zu smart und zu soft“ habe er die Mannschaft führen wollen, während die sich eine klarere Ansprache und konsequentere Führung gewünscht habe.

Die hat sie bekommen, wenn auch mit Verzögerung. Niko Kovac sagt heute, er habe in München einige Dinge gelernt, „die ich in Frankfurt vielleicht so nicht hatte“, nicht zuletzt im Umgang mit großen Namen und großen Egos. Es brauchte mehrere Monate, etliche Rotationen und diverse Konflikte, bis er so etwas wie eine eigene Linie gefunden hatte. Er teilt sein Engagement auf in drei Phasen: den geschmeidigen Auftakt, den zähen Herbst und den jüngsten Aufschwung. In Phase zwei habe er „punktuelle Nadelstiche“ setzen müssen, das zahle sich nun aus. Heute vertraut er weitgehend derselben Aufstellung, und wenn er über die Männer aus der zweiten Reihe spricht, klingt er wesentlich distanzierter als früher, wo jeder irgendwie auf dem Sprung ins Team war oder auch gerade wieder hinaus.

Nach München gekommen ist Niko Kovac mit dem Ruf, zwar die nötige Autorität zu besitzen und die nicht immer unkomplizierte Mannschaft von Eintracht Frankfurt sicher im Griff gehabt zu haben. Aber er galt gleichzeitig als Freund der Spieler, als einer, der umarmt, mit Lob großzügig umgeht und die Reservisten mit dem beliebten Kompliment streichelt, sie seien „gute Jungs“ und ganz nah an der Startelf. Es gab aber in Frankfurt auch den anderen Kovac, einen, der ständig forderte, keinen Spieler in Ruhe gelassen und alle und jeden ständig kontrolliert hat. Das war den Frankfurter Profis gewaltig gegen den Strich gegangen. Zur Wahrheit gehört zudem, dass Kovac sein Team regelmäßig ausgepresst hat. Zwei Jahre hintereinander war die Eintracht zum Saisonschluss eingebrochen, allein im Pokalfinale in diesem Sommer rissen sie sich noch einmal zu einer einzigartigen Energieleistung zusammen. 

Respekt ist ein wichtiges Motiv für Kovac

So ähnlich hat er es anfangs bei den Bayern versucht, aber irgendwann stieß das Modell an seine Grenzen. „Wenn man mit offenen Augen durchs Leben geht“, sagt Kovac, „dann lernt man täglich.“ Und schließlich hatte er seine Lektion für den Umgang mit einem anspruchsvollen Kader verinnerlicht.

Respekt, das ist auch heute noch so, ist ein wichtiges Motiv für Kovac, der für seine Gesten in der Relegation 2016 den Fair-Play-Preis des DOSB erhielt. Bei den Bayern hat er schon viele Spieler zu guten Jungs erklärt, jeder war ganz nah dran – bis Ende November. Heute ist ein Javi Martinez plötzlich unendlich weit weg, Mats Hummels spielt zwar gelegentlich, spricht aber seit Wochen nicht mehr, und wie James Rodríguez über die neuen Verhältnisse denkt, wird man nach seiner Rückkehr aus Kolumbien erfahren. Dort ließ die derzeit verletzte Leihgabe von Real Madrid wissen, wenn er weiter so wenig Einsatzzeit bekomme, „werde ich gehen“. Beeindrucken dürfte er seinen Trainer damit nicht. Dafür ist die Liste der frustbedingten Eskapaden bei James zu lang, gipfelnd in einem spitzen Kommentar, der aus der Kabine kolportiert wurde: „Wir sind hier nicht in Frankfurt.“

Es wird spannend bleiben. Die Bayern mögen sich gefangen haben, aber spielerisch lag gerade gegen Leipzig noch viel im Argen. Die Prüfungen werden nicht leichter werden, ob im Frühjahr in den Duellen mit dem FC Liverpool oder schon am Samstag in Frankfurt. Kovac schwärmt immer noch von der „besonderen Verbindung“ zur Eintracht. Die er aber bei erstbester Gelegenheit Knall auf Fall verlassen hat. 

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