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Dürfte kaum Zukunft in München haben: Niko Kovac.

Kommentar Bayern München

Niko Kovac - Gescheiterter Trainer

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Wenn Niko Kovac die besinnlichen Weihnachtstage dafür nutzt, zurückzublicken auf 2018, dann wird er selbst erschrocken sein, was er so alles erlebt hat. Ein Kommentar.

Am Sonntag war es sogar so weit, dass ihm sein alter Boss zur Seite springen musste. Fredi Bobic, Sportvorstand bei Eintracht Frankfurt, schaltete für Niko Kovac in den Verteidigungsmodus. „Ihn als einziges Problem hinzustellen, das sehe ich anders. Ein neuer Trainer hin oder her: Was soll der besser machen?“, fragte Bobic im Doppelpass bei Sport 1. „Die Tore, die sie bekommen, da kann kein Trainer was dafür.“ Nun ja, Herr Bobic, die Unterstützung für den ehemaligen Verbündeten in allen Ehren, aber wenn jemand für die Leistung eines Fußballteams verantwortlich ist, dann ist das in erster Instanz natürlich der Trainer. Nicht der Zeugwart, nicht der Greenkeeper, auch nicht die Fans, der Coach muss sein kickendes Personal optimal vorbereitet auf den Rasen schicken. Niko Kovac, dem Chef des FC Bayern, gelingt das offensichtlich nicht gut. Sogar ziemlich schlecht. 

Nur jedes zweite Spiel haben die Münchner in dieser Bundesligasaison gewonnen, seit Mitte September gab es in der heimischen Arena keinen Sieg mehr. In der Tabelle rutschte der FCB auf Rang fünf ab, mit neun Zählern Rückstand zum Spitzenreiter Dortmund. Autsch. 
Wenn Niko Kovac die besinnlichen Weihnachtstage dafür nutzt, zurückzublicken auf 2018, dann wird er selbst erschrocken sein, was er so alles erlebt hat. Ein ständiges Auf und Ab. In Frankfurt vom Stand-jetzt-Pinocchio zum Pokaltriumphator, in München vom Traineraufsteiger zum Fast-Gescheiterten.

Kovac ohne Unterstützung 

Dass es die Liaison zwischen dem großen FC Bayern und dem mittlerweile auf Miniaturgröße zurechtgestutzten Niko Kovac noch eine langfristige sein wird, dafür gibt es kaum Anzeichen. 18 Tage ist es her, da ließ Präsident Uli Hoeneß verlauten, Kovac „bis aufs Blut“ zu verteidigen. Klang nobel, übrig ist davon seit dem 3:3 gegen Düsseldorf nicht mehr viel. Man müsse alles hinterfragen, so Hoeneß. Zuvorderst wird das natürlich auch die Arbeit des Trainers sein. 
Nun ist es nicht so, dass Kovac die Münchner Krise alleine anzulasten wäre. Ganz im Gegenteil. Die Mannschaft, die er im Sommer vorfand, sie hat wenig mit der Erfolgsmannschaft der Vergangenheit zu tun. Nicht etwa, weil es einen personellen Umbruch gegeben hätte, sondern deshalb, weil es genau diesen nicht gab. Boateng, Ribery, Robben, auch Müller, Neuer oder Hummels – sie alle sind über ihren Leistungszenit hinaus. Die Bayern-Bosse erkannten das zu

spät, wollten sich noch eine Saison durchwurschteln. Eine fatale Fehleinschätzung. Zu allem Überfluss scheint Kovac weite Teile der Kabine verloren zu haben, also in der Gunst seiner Spieler derart tief gesunken zu sein, dass ihm kaum einer zur Seite springt, sogar öffentlich nicht mehr. 
Wenn Hoeneß nun sagt, dass Kovac am Dienstag in der Champions League definitiv Trainer des FC Bayern ist, dann hat das wenig mit Vertrauen in dessen Arbeit zu tun, sondern ist nicht mehr als eine Gnadenfrist. Natürlich werden sich die Vereinsoberen intern bereits Gedanken über einen Nachfolger gemacht haben, allzu üppig sind die Alternativen aktuell jedoch nicht gesät. Deutschsprachig vielleicht Ralph Hasenhüttl oder Arsene Wenger. Na ja. International Zinedine Zidane oder Antonio Conte. Schon eher. Allerdings: Bereits im Vorjahr gelang es den Münchner nicht, einen dieser Hochdekorierten an die Säbener Straße zu lotsen. Die Argumente sind mittlerweile nicht besser geworden. 

Nun ist ja nicht ausgeschlossen, dass die Bayern gegen Benfica und am Samstag in Bremen gewinnen, Kovac also noch ein bisschen bleiben darf. Dennoch scheint er schon jetzt gescheitert.

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