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Immer unter Strom: Bayern-Trainer Niko Kovac.

FC Bayern München

Niko Kovac ist fahrig, nervös und angespannt

Dem Bayern-Trainer ist die Leichtigkeit abhandengekommen – wie seinem Team.

Die Veränderung geschah schleichend. Erst war sie nur an den Worten zu erkennen, die Niko Kovac wählte, mittlerweile auch in Gesten und Verhalten. Dem Trainer des FC Bayern ist die Leichtigkeit abhanden gekommen, mit der er lange Zeit die Unruhe beim Rekordmeister moderiert hatte. Am Spielfeldrand wirkte er am Samstag, als die Münchner in Überzahl und mit einer 2:1-Führung die Linie gegen das Tabellenschlusslicht verloren hatten, fahrig, nervös und angespannt. Als das entscheidende 3:1 fiel, schien der Trainer keine Befreiung zu spüren. Er drehte sich ab, schien sich nicht einmal zu freuen.

Niko Kovac hat sich verändert

Während der Herbstkrise, als die Bayern mal neun Punkte Rückstand auf Dortmund hatten, war es noch ein ganz anderer Kovac. Stets unaufgeregt und ziemlich locker blieb er in dieser, sicher auch für ihn, kritischen Phase. Smart, verbindlich, freundlich, so präsentierte sich Kovac lange Zeit. Jetzt wirkt er angezählt, zeigt deutlich, dass, ihn die ewigen Spekulationen um seine Zukunft beim FC Bayern nerven. Spekulationen, die nicht von außen geschürt wurden, sondern intern, weil der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge seit Wochen dem Trainer die Rückendeckung verweigert. Das Verhältnis zum Vereinschef bezeichnet Kovac als „normal“, es gebe keine Probleme. „Ich muss nur meine Leistung bringen, und wenn ich sie bringe, denke ich, müssen wir gar nicht diskutieren.“

Grundsätzlich ist Erfolg tatsächlich die beste Jobgarantie, und wenn die Bayern in vier Tagen bei RB Leipzig gewinnen, ist jener Titel, der in Münchner gerne als Alltagsgeschäft bezeichnet wird, die Meisterschaft, schon sicher. Aber es wäre nicht das erste Mal, dass ein Trainer trotz des Gewinns einer wichtigen Trophäe gehen muss. Thomas Tuchel zum Beispiel wurde 2017 bei Borussia Dortmund nach dem Pokalsieg entlassen. In die Beurteilung der Trainerarbeit fließen eben viele Kriterien ein.

„Bin nicht laut genug“

Zur Beurteilung muss gehören, dass Kovac die Herbstkrise prima gemeistert hat, und dass dieses Umbruchjahr verschärfte Bedingungen für einen Trainer darstellte. Aber es gehört auch dazu, wie aktuell das Verhältnis zur Mannschaft ist. Ist es wirklich Selbstkritik, wenn Joshua Kimmich nach dem Hannover-Spiel zugibt, dass die Leistung in sehr vielen Spielen zu wenig gewesen sei für die hohen Ansprüche der Bayern? Oder schwingt vielleicht auch ein bisschen Schelte am Trainer mit, an seiner Taktik, die, so dringt es aus dem Mannschaftskreis, zu defensiv ist?

Die Bayern werden sich die Frage stellen, ob die Spieler noch auf Kovac hören (wollen). Am Samstag jedenfalls, diesen Eindruck hatte sogar der Kroate selbst, war es nicht so. Er gestikulierte wild in der zweiten Halbzeit, wusste manchmal nicht so recht, wohin mit den Händen, einmal versteckte er sie in den Taschen seiner Winterjacke, dann wieder deutete er auf den Platz oder, um auch akustisch die Aufmerksamkeit seiner Spieler zu bekommen, pfiff so laut, dass es sogar auf der Tribüne zu hören war. Auf dem Platz aber reagierte niemand. „Ich habe versucht, von außen Einfluss zu nehmen, das ist mir aber nicht ganz gelungen, weil ich nicht laut genug bin“, sagte Kovac.

Das Bild ist kein gutes mehr, zugegeben. Der Mannschaft fehlt wie dem Trainer die Leichtigkeit. Das werden auch die Verantwortlichen so sehen, aber anders als Rummenigge ist Präsident Uli Hoeneß seiner Linie, den Trainer zu stützen, bisher treu geblieben – aus Rücksicht auf den sportlichen Erfolg.

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