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Sehr, sehr unbegeistert vom Spiel seiner Elf gegen Athen: Niko Kovac.

Bayern-Sieg gegen Athen

Niko Kovac als dankbares Ziel

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Der FC Bayern sollte so souverän sein zu sagen: Es war schon ein bisschen ein Mist, was wir da in Athen gekickt haben. Ein Kommentar.

Der Trainer Niko Kovac traf dann bald nach dem dürftigen Sieg des FC Bayern in Athen auf den TV-Mann Patrick Wasserziehr, für den Trainer war das eine gefährliche Situation, für den TV-Mann eine vielversprechende. Wasserziehr ist ein wichtiger Mann vom Bezahlfernsehen, er liebt es, kritische Fragen bedächtig zu formulieren und dann, die Mundwinkel spöttisch-genüsslich verzogen, von oben zu beobachten, was seine Worte unten anrichten, wie groß der Einschlag ist, den sie beim anderen hinterlassen. Niko Kovac war ein dankbares Ziel am Dienstagabend.

Gleich zu Beginn des Interviews gab Wasserziehr Kovac zu verstehen, dass die Bayern-Leistung bei den reichlich minderbemittelten Griechen trotz des 2:0-Sieges in längeren Phasen ein wenig, nun ja, dünn ausgesehen hatte, so von außen betrachtet. Da schien der Fünftagebart des Kroaten vom Schiefergrau ins Betongrau abzudriften, den ganzen Kerl ergriff offenbar das würgende Gefühl der Ungerechtigkeit, und zu befreien gedachte er sich mit der Behauptung, sein Team habe kein gutes, kein sehr gutes, nein: es habe ein „sehr, sehr gutes Spiel“ gezeigt. Das war keine seltsame, keine sehr seltsame, nein: Es war eine sehr, sehr seltsame Aussage, die größeres Befremden bei all jenen auslöste, die in ihrem Leben schon mal ein sehr, sehr gutes Spiel einer Fußballmannschaft sahen. Das, was die Münchner da in Athen vollführten, war es ziemlich sicher nicht.

Das Reizwort „Rotation“

Im Verlauf des Interviews war Kovac anzumerken, dass er sich von der derzeitigen Nervosität rund um die Bayern hat anstecken lassen. In seiner Zeit bei Eintracht Frankfurt bestach der smarte Fußballlehrer unter anderem dadurch, die Lage mit trockenem Realismus zu betrachten, auch in schlechteren Zeiten. Am Dienstag stand da ein Mann vor Patrick Wasserziehr, der einfach nur froh war, im ganzen bayerischen Herbstdurcheinander aus durchgeknallten Vereinsbossen und sportlichen Sorgen wieder ein Spiel gewonnen zu haben, das zweite nacheinander sogar, nach dem Sieg in Wolfsburg. Dass er dennoch, als Trainer der anspruchsvollen Bayern, die völlig berechtigte Frage nach dem Wie nicht hören wollte, deutet auf einen Zustand des Nervenkostüms hin, der ihm noch zum Problem werden kann in der stürmischen Medienlandschaft an der Säbener Straße. Als Wasserziehr dann noch das Reizwort „Rotation“ über Kovac abwarf, schien kurzzeitig gar die Gesamtfassung des 47-Jährigen in Gefahr, ein Abbruch des Gesprächs möglich. Dann würde man das Interview heute prominenter platziert im Netz finden, abgeheftet unter den Schlagworten: Kovac, Eklat.

Natürlich geht es bei den Bayern gerade in erster Linie um Ergebnisse: Damit wollen sie neues Selbstvertrauen erwirtschaften, aus dem wiederum eine spielerische Leichtigkeit erwachsen soll. Man darf es sich auch als Rekordmeister leisten, per sogenanntem Arbeitssieg bei den Maurermeistern aus Athen zu bestehen, aber hinterher sollte man vielleicht schon so souverän sein, zu sagen: schön, der Sieg war wichtig, nehmen wir mit. Aber war letztlich halt auch ein bisschen ein Mist, was wir da gekickt haben.

Eigentlich weiß man beim FC Bayern ja, wie solche Sätze gehen.

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