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Nicht mehr Bayern-Trainer: Niko Kovac.

Niko Kovac

Das Kovac-Aus

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Die Leistung der Bayern in Frankfurt spricht für sich - und bedeutet für Niko Kovac das Ende seiner Trainertätigkeit in München.

In den Katakomben der Frankfurter Fußballarena kann man hervorragend verschwinden, man kann da sein, ohne da zu sein, und dann auch gleich schon weg. Dem FC Bayern München kam das sehr entgegen am Samstag, nach dem 1:5 bei der Eintracht, der höchsten Niederlage des deutschen Fußball-Rekordmeisters seit mehr als zehn Jahren.

Kein einziger Münchner Spieler oder Präsident oder Vorstand oder Sportdirektor wagte sich ans Flatterband zu den schreibenden Journalisten, um womöglich dem schwer angeschlagenen Trainer Niko Kovac beizuspringen, der einsam von Mikrofon zu Mikrofon watschelte. Sie blieben Geister, die irgendwann und irgendwo und irgendwie hinter den schwarzen Trennwänden der Frankfurter Mixed Zone in die Kabine huschten und, später, von der Kabine in den Mannschaftsbus. Oder war vielleicht doch Philippe Coutinho vorbeigekommen, unbemerkt? Schon auf dem Rasen war der Brasilianer ja derart unsichtbar geblieben, dass der Ur-Münchner Pumuckl, ein Meister des Verschwindens, stolz auf ihn gewesen wäre.

Aussagekräftig: Geballtes Schweigen aus dem Lager des FC Bayern München

Torwart und Kapitän Manuel Neuer absolvierte immerhin das Minimalprogramm an Pressearbeit und stellte sich vor eine TV-Kamera. „Es läuft einfach nicht. Es muss sich auf jeden Fall etwas ändern“, sagte der 32-Jährige, der die Bayern tatsächlich mit einigen Paraden vor noch größerem Unheil bewahrte. Auf die Frage, wie unruhig die kommenden Tage an der Säbener Straße nun werden würden, sagte er: „Sehr unruhig.“ Das für Sonntagvormittag geplante öffentliche Training verlegten die Bayern gleich mal hinter verschlossene Türen. Sie ziehen jetzt alle Trennwände hoch, die sie finden können.

Letztlich war das geballte Schweigen, das einem in Frankfurt aus dem Münchner Lager entgegenschlug, aussagekräftiger, als es jedes Wort hätte sein können. Präsident Uli Hoeneß und Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge hatten das 90-minütige Drama wie versteinert auf der Tribüne verfolgt, hinterher flüchteten auch sie sich in beredte Stummheit.

Niko Kovac: Wie ein entlassener Trainer, der noch entlassen werden muss

Am Sonntag verbreitete sich zwar die Nachricht, dass die Münchner die Woche auf jeden Fall mit dem Trainer Niko Kovac angehen werden, also die Heimspiele in der Champions-League-Spiel gegen Olympiakos Piräus am Mittwoch und in der Bundesliga gegen Borussia Dortmund am Samstag. Und trotzdem wirkte der Kroate an seiner alter Wirkungsstätte bereits wie ein zukünftig Abberufener. Wie ein entlassener Trainer, der halt nur noch entlassen werden muss. Später am Abend kam dann doch noch die Nachricht: Niko Kovac muss gehen. Der Verein bestätigte das.

Die Zwischenbilanz in der Liga ist verheerend: 18 Punkte nur nach zehn Spieltagen, so wenig wie seit neun Jahren nicht mehr. Dazu mit 16 Gegentoren die schwächste Defensive seit elf Jahren. Dass der Tabellenführer Borussia Mönchengladbach lediglich vier Punkte weg ist, ist da noch die beste Nachricht unter vielen schlechten für den FCB.

FC Bayern München: Niederlage war kein isolierter Zwischenfall

Das Einsfünf von Frankfurt war ja kein isoliert zu betrachtender Zwischenfall. Sondern vielmehr unausweichlicher Höhepunkt der vergangenen Wochen, ein Ereignis, auf das alle vorangegangenen Ereignisse zuliefen; das 1:2 daheim gegen Hoffenheim, das 2:2 in Augsburg, die Zittersiege gegen Union Berlin und, eine halbe Woche vor dem Einsfünf, beim Zweitligisten Bochum im DFB-Pokal. „Das ist kein riesiges Wunder, was hier passiert ist. Das hat sich angebahnt“, sagte Manuel Neuer in Frankfurt. Der Verfall verlief linear und logisch, und das einzig unlogische daran ist, dass es sich beim Betroffenen hier tatsächlich um den großen, unbeugsamen FC Bayern München handelt.

Die Bayern erkennen sich ja schier selbst nicht mehr. „Mia san mi … Moment mal – DAS san mia?!“ Man kann sich zum Beispiel nicht daran erinnern, die Münchner Fans einmal so aufgebracht erlebt zu haben wie nach dem Spiel in Frankfurt. Sie schimpften, schüttelten die Fäuste in Richtung der Spieler, und wenigstens da zeigten die Profis einen Anflug von Instinktsicherheit, indem sie gleich nach Schlusspfiff am Zaun den Dialog mit der schnauzenden Anhängerschaft suchten.

Kein Aufbäumen des FC Bayern München zu erkennen

Die Belehrungen der Ultras ließen die Profis dabei über sich ergehen wie zuvor schon das fußballerische Debakel. Dass die Bayern nach Jerome Boatengs Platzverweis schon ab der neunten Minute nur noch mit zehn Mann spielten, war für die Bewertungen beinahe irrelevant. Das Versagen war kollektiv und individuell gleichermaßen groß, und abgesehen von Torwart Neuer und Mittelstürmer Robert Lewandowski, der in Weltklassemanier das zwischenzeitliche 2:1 erzielte (37. Spielminute), war keinerlei Aufbäumen zu erkennen. Nicht von Serge Gnabry, nicht von Thomas Müller, nicht von Benjamin Pavard oder Thiago, und schon gar nicht vom verhinderten Superstar Coutinho, der auftrat wie ein talentierter 15-Jähriger beim Schulhofkick.

Coach Kovac verfolgte das Geschehen stoisch, später sagte er auf der Pressekonferenz: „Es war eine deftige Niederlage, die wir erst einmal verarbeiten.“ Fragen nach seiner Zukunft blockte er mit den Worten ab: „Es ist doch eh egal, was ich dazu sage. Das ist eh entweder zu viel oder zu wenig.“ Und jetzt gehe er enttäuscht und traurig in den Bus. Alle anderen Bayern saßen ja längst drin.

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