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Schrei des Glücks: Jackie Groenen.

Fußball-WM

Niederlande besiegen Schweden - jetzt Finale gegen die USA

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Ehemalige Frankfurterin führt Oranje in der Verlängerung gegen Schweden ins WM-Finale.

Keine Nummer besitzt in der Fußballnation Niederlande eine solche Bedeutung wie die 14. Weshalb Jackie Groenen in jedem Länderspiel der „Leeuwinnen“ eine imaginäre Last mit sich herumträgt. Gut, wenn es der 24-Jährigen gelingt, ihrer Heimat jene speziellen Momente zu schenken, für die einst auch Johan Cruyff stand. Auf jeden Fall hat die gerade vom 1. FFC Frankfurt zu Manchester United gewechselte Mittelfeldspielerin das WM-Halbfinale zwischen den Niederlanden und Schweden mit 1:0 (0:0) nach Verlängerung entschieden. Ihr platzierter Fernschuss nach einer der wenigen gelungen Ballstafetten sollte nach 99 Minuten in dem langen zähen Duell den Europameister gegen den Deutschland-Bezwinger auf die Siegerstraße bringen.

Die Matchwinnerin feierte ihr drittes Länderspieltor im Stade de Lyon mit geballten Fäusten. In der Regel ist sie als Fleißarbeiterin für einen geordneten Spielaufbau zuständig. Dank Groenen kommt es am Sonntag (17 Uhr/ ARD) zum WM-Finale zwischen den USA und den Niederlanden. Für die „Oranjes“ schreibt sich eine märchenhafte Geschichte fort. Unter der Regie von Nationaltrainerin Sarina Wiegman werden System und Personal im Grunde seit mehr als zwei Jahren nicht mehr getauscht. Und der Erfolg gibt ihr Recht: Die Niederlande haben nunmehr ein Dutzend Spiele bei der EM 2017 und WM 2019 erfolgreich gestaltet, und beherrschen das Ergebniskalkül. US-Trainerin Jill Ellis erwartet jedenfalls „ein völlig offenes Endspiel“.

Viele freie Plätze

Als sich die beiden europäischen Herausforderer am Mittwochabend zu den Nationalhymnen aufstellten, blieben viele Sitzschalen leer. Speziell amerikanische Anhänger sollen sich Tickets für beide Halbfinals gesichert haben, besuchten aber offenbar nur jenes mit Beteiligung ihrer Lieblinge. Womit auf den offiziell mit 48 452 Zuschauern besetzten Rängen eine seltsam uninspirierte Stimmung zustande kam. Auch auf dem Rasen entwickelte sich das Kontrastprogramm zum flirrenden ersten Halbfinale zwischen England und den USA (1:2). Kein offener Schlagabtausch, kaum Torszenen, gezügeltes Tempo. Jeder der beiden Kontrahenten schien nur auf den ersten Fehler des Gegners zu lauern.

Die Schwedinnen machten anfangs noch den besseren Eindruck: Stina Blackstenius (14.) und Lina Hurtig (37.) scheiterten an der niederländischen Torhüterin Sara van Veenedaal. Ansonsten kamen die gefürchteten Umschaltmomente selten zustande. Beim Gegner klappte noch weniger. Lieke Martens erwies sich am linken Flügel als einzige Enttäuschung.

Mit der Hereinnahme von Jill Roord für die wegen ihrer Zehenverletzung stark gehandicapte Martens sollte ein neuer Impuls kommen. Doch ein Schreckmoment gab es auf der anderen Seite, als die aufgerückte schwedische Abwehrchefin Nilla Fischer mit einem wuchtigen Schuss nur den Pfosten traf (56.). Das Tor wäre die Krönung für die 34-Jährige gewesen, die sich kürzlich beim VfL Wolfsburg verabschiedet hat.

Auf der anderen Seite traf Torjägerin Vivianne Miedema mit einem Kopfball nur die Latte (64.). Das nächste Zeichen kam von der holländischen Bank, als Shanice van de Sanden mit ihrer enormen Schnelligkeit die Blockaden lösen sollte (71.). Ihre Einwechslung hätte sich bei einem tückischen Schuss fast bezahlt gemacht, den Torhüterin Hedvig Lindahl gerade noch über die Latte lenkte (90.+2). Es brauchte daher ausnahmsweise Jackie Groenen, damit die Oranjes im WM-Glück schwelgen konnten.

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