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Stark: Jeffrey Bruma (r.) setzt sich gegen den Schalker Michael Gregoritsch.

FSV Mainz 05

Niederländischer Feuerlöscher

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Der erfahrene Mainzer Neuzugang Jeffrey Bruma gibt seinen jüngeren Teamkollegen wichtigen Halt - mit einer Mischung aus Gelassenheit und Entschlossenheit.

Im Gesicht von Jeffrey Bruma zeichnen sich bereits einige Lachfalten ab. Wie breit diese werden können, war zu besichtigen, als der bestgelaunte Fußballer des FSV Mainz 05 am Sonntagabend noch ein Smartphone auffing, das einem Journalisten in der Mixed Zone aus den Händen gerutscht war. Der Verteidiger hatte reaktionsschnell eingegriffen, was sein Gesamtwerk am Fastnachtsspieltag gegen den FC Schalke 04 (0:0) wirklich rund machte. An dem von Mainzer Seite durchaus wertgeschätzten unfallfreien Ausgang besaß die Nummer 13 also größten Anteil.

„Bruma hat stabil gespielt, man merkt ihm seine Routine sofort an“, lobte Sportvorstand Rouven Schröder. „Er spricht viel, ist ein positiver Typ, für uns ein elementar wichtiger Spieler.“ Das klang ein bisschen so, als habe der Manager einen Heilsbringer geholt, der im Handumdrehen alle Probleme löst. Dafür hat derselbe Spieler zwar an anderen Stationen schon zu oft gepatzt. Aber definitiv gibt der niederländische Feuerlöscher als Mittelmann einer Dreierkette seinen jüngeren Nebenleuten Moussa Niakhaté und Jeremiah St. Juste einigen Halt. Bruma agierte wie in Berlin auch gegen Schalke bisweilen wie ein Libero alter Schule. Der tadellose Torwart Robin Zentner findet es wichtig, „dass wir in so einer jungen Mannschaft hinten auch Erfahrung haben.“

Mit der Mixtur aus Gelassenheit und Entschlossenheit leitete die Winter-Leihgabe die Defensive an. „Drei Punkte in Berlin, einen gegen Schalke – jetzt können wir eine Serie starten“, sagte Bruma. Die nächste Dienstreise geht nun ausgerechnet zum VfL Wolfsburg, wo Bruma seit 2016 unter Vertrag steht, aber 2019 nach Schalke und nun nach Mainz ausgeliehen wurde. Das nächste Sonntagsspiel ist für den 28-Jährigen etwas Besonderes: „Die meisten Jungs sind meine Freunde, ich kenne sie gut.“

Der Werksklub bestand auch nicht auf der Unsitte, Bruma für dieses Spiel zu sperren. „Er darf spielen“, bestätigte Schröder. Große Probleme macht es dem das dritte Mal in seiner Karriere verliehenen Kicker angeblich nicht, sich auf die Schnelle an neue Mitspieler, eine andere Herangehensweise zu gewöhnen. „Man muss sich jetzt ein bisschen umstellen, denn Abstiegskampf ist anders.“ Das einst wegen seiner körperlichen Voraussetzungen als eines der hoffnungsvollsten Talente der „Oranjes“ gehandelte Rotterdamer hat speziell in seiner Zeit beim Hamburger SV (2011 bis 2013) die Extreme erlebt. Aber genau deswegen wollte ihn Trainer Achim Beierlorzer unbedingt haben. „Gute Spieler lassen sich schneller integrieren. Er verteidigt aktiv, organisiert gut, ist kopfballstark.“ Sollte heißen: Solch einen Kerl habe ich gebraucht.

Der Fußballlehrer aus dem Frankenland hat lange mit sich gerungen, die Abwehr personell aufzustocken, „aber wir haben in der Hinrunde einfach zu viele Gegentore bekommen.“ Dafür ist die Position des Zehners vorerst abgeschafft, und dabei hat es mit dem feinen Techniker Jean-Paul Boetius einen Landsmann von Bruma getroffen. Auf einen weiteren trifft der wiederum am Mittellandkanal im direkten Duell: Wout Weghorst, den VfL-Torjäger, kennt er noch aus erbitterten Zweikämpfen in der niederländischen Liga. Auf einen Dreierpack wie bei der TSG Hoffenheim sollte sein Kumpel nicht hoffen. „Nächstes Wochenende trifft er nicht.“ Dieser Ansage folgte ein breites Lächeln.

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