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Rassistische Banner von Hansa-Rostock-Anhängern: „Es muss einen Fan-Ausschluss geben“

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Von: Jakob Böllhoff

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Fans des FC Hansa Rostock unterwegs.
Fans des FC Hansa Rostock unterwegs. © dpa

Es muss nach Entgleisungen von Hansa-Anhängern einen Fan-Ausschluss geben, mindestens für ein Heimspiel der Rostocker. Ein Kommentar

Im Grunde gibt es nicht viel nachzudenken für den Kontrollausschuss des Deutschen Fußball-Bundes (DFB): Er muss Hansa Rostock hart bestrafen. Und monetäre Sanktionen reichen nicht aus, nachdem Hansa-Fans am vergangenen Wochenende beim Spiel gegen den FC St. Pauli mit homophoben, transphoben und rassistischen Bannern auffällig wurden. Es muss einen Fan-Ausschluss geben, mindestens für ein Heimspiel der Rostocker, und strenge Bewährungsauflagen für den Wiederholungsfall.

Rassistische Banner von Hansa-Rostock-Anhängern: Rostocks rechter Hass

Begrüßenswert zwar, dass der Ost-Klub, der sich gegen Rechtsextremismus engagiert, schnell distanziert hat von den unerträglichen Entgleisungen von Teilen seiner Fans. Leider jedoch scheint Hansa gleichzeitig auf die Perfidie der rechten Szene reinzufallen, wenn es das „Lichtenhagen“-Banner relativiert. Mag sein, dass es seit Jahren im Stadion hängt, wie der Verein argumentiert, aber dass es am Samstag ausgerechnet nahe des Gästeblocks mit den bekannt links ausgerichteten St.-Pauli-Fans aufgehängt wurde – wer will da an Zufall glauben, fast auf den Tag genau 30 Jahre nach den fremdenfeindlich motivierten Anschlägen auf ein Asylbewerberheim im sogenannten Sonnenblumenhaus in Rostock-Lichtenhagen? Ach ja: Auf dem „Lichtenhagen“-Banner im Fußballstadion prangt eine Sonnenblume.

Nein, derartige Zufälle gibt es nicht, wenn Rostock und St. Pauli aufeinandertreffen. Tatsächlich begann die Geschichte dieser – man kann es nicht anders formulieren – Fanfeindschaft etwa ein halbes Jahr nach den Vorfällen in Lichtenhagen. Im März 1993 empfing Hansa den Hamburger Kiezklub zu einem Zweitligaspiel, doch der Sport rückte bald in den Hintergrund. Zirka 400 Rostocker Neonazis und Hooligans versuchten während des Spiels, den Gästeblock zu stürmen. Der ARD-Fernsehfilm „Schickssalsspiel“ von 1994 dreht sich um die schweren Ausschreitungen, welche die tiefe, bis heute anhaltende Abneigung zwischen den Rostockern und Paulianern begründet, einem klassischen Fall von Böse gegen Gut.

Rassistische Banner von Hansa-Rostock-Anhängern: Wie geht der DFB und die DFL damit um?

Und gerne darf sich der deutsche Fußball hinterfragen mit seinen ausführenden Organen DFB und DFL in seinem Umgang mit Vorgängen wie am Sonntag in Rostock. Vor zweieinhalb Jahren wurde das Bundesligaspiel zwischen Hoffenheim und dem FC Bayern für zehn Minuten unterbrochen, weil im Bayern-Block Hoffenheims Mäzen Dietmar Hopp auf einem Plakat verunglimpft wurde. Damals waren alle schwer gerührt von der eigenen Menschlichkeit, einem alten weißen Milliardär zur Seite zu springen.

Das Spiel in Rostock hingegen lief weiter, während immer wieder Hetz-Banner auftauchten. Dabei wäre es hier wirklich mal angebracht, ein Zeichen zu setzen, gegen Rechts, gegen Menschenhass. Das muss der DFB nun tun, wenigstens im Nachhinein. (Jakob Böllhoff)

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