Einwurf

Wie Nico zu Li Ke wird

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der chinesische Staatschef Xi Jinpeng hatte vor einigen Jahren die Qualifikation für die Fußball-WM 2022 als großes Ziel auserkoren. Weil die Umsetzung aber gerade erheblich ins Stocken geraten ist, sollen nun Einbürgerungen als Lösung dienen.

Zu Beginn ein kleines, aber feines Quiz: Was haben Nico Yennaris, John Saether, Ricardo Goulart und Elkeson gemeinsam? Na, irgendeine Ahnung? Falls ja, sei an dieser Stelle der tiefste Respekt für dieses Fachwissen übermittelt. Falls nein, nur nicht grämen, die Auflösung folgt sogleich: Das genannte Quartett spielt nämlich hauptberuflich Fußball. Na ja, gut, möchte man nun anmerken, was soll daran schon so besonders sein? Warum ist das überhaupt einer Erwähnung wert? Ehrlicherweise nicht deswegen allein. Besonders wird die Kickerei der Vier erst dadurch, dass sie das künftig gemeinsam in einer Mannschaft tun werden, in der chinesischen Nationalmannschaft.

Staatschef Xi Jinpeng hatte vor einigen Jahren die Qualifikation für die Fußball-WM 2022 als großes Ziel auserkoren, zudem soll China bis 2030 asiatische, bis spätestens 2050 Weltspitze sein. So der Plan. Weil dieser bei der Umsetzung aber gerade erheblich ins Stocken geraten ist, sollen nun Einbürgerungen als Lösung dienen. Nico Yennaris etwa wurde vor 26 Jahren in London geboren, stand später mal beim FC Arsenal, in Bournemouth und beim FC Brentford unter Vertrag, ehe er Anfang diesen Jahres nach China in die Super League wechselte. Am 7. Juni wurde der Sohn eines englischen Vaters und einer chinesischen Mutter schließlich zum ersten eingebürgerten Nationalspieler im Reich der Mitte. Weitere sollen folgen. John Saether, 21, einst U18-Juniorennationalspieler in Norwegen, ebenfalls von einer Chinesin auf die Welt gebracht, sprach von einem Angebot des chinesischen Verbands, „das ich nicht ablehnen konnte“. So weit, so verrückt.

Einfache Einbürgerung

Doch die Einbürgerungswelle macht nicht vor Halbchinesen halt. Auf der Wunschliste stehen vor allem auch die aus der chinesischen Liga bekannten brasilianischen Ballzauberer, die für Nationalspielerwürden bei der Selecao nicht gut genug sind, in China aber sehr wohl das Niveau steigern würden, die Stürmer Elkeson und Ricardo Goulart zum Beispiel.

Weil beide schon lange genug in China gegen den Ball treten, seit fünfeinhalb und vier Jahren, erfüllen sie die Fifa-Kriterien für eine internationale Spielberechtigung. Einzige Voraussetzung für die Einbürgerungen: Alle Profis müssen die chinesische Flagge erkennen und die Hymne, den „Marsch der Freiwilligen“, beherrschen. Klingt machbar.

Zum Abschluss noch ein kleines, aber feines Quiz gefällig? Bitteschön. Was haben Nico Yennaris und Li Ke, sowie John Saether und Hou Yongyong gemein? Einfach alles. Sie sind jeweils ein und dieselbe Person – nur mit unterschiedlichen Namen vor und nach der Einbürgerung in China.

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