Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Alphonso Davies, nicht zu stoppen. Foto: dpa
+
Alphonso Davies, nicht zu stoppen.

FC Bayern München

„Nichts darf mich stoppen“

  • vonHanna Raif
    schließen

Verteidiger Alphonso Davies über die Klub-WM, verlorene Zweikämpfe, die er persönlich nimmt, und warum er irgendwann einmal beim FC Bayern Kapitän sein will.

Alphonso Davies hat in der Regel gute Laune. Und selbst im virtuellen Gespräch merkt man dem 19-Jährigen die Vorfreude auf all das an, was beim FC Bayern noch auf ihn zukommt. Kurzfristig: Auf die Partie heute Abend (20.00 Uhr) bei Hertha BSC und den Trip zur Klub-WM in Doha. Langfristig: Auf noch mehr Titel und eine Führungsrolle im Team. Ein launiges Gespräch über Vergangenheit und Zukunft.

Herr Davies, zu Beginn der Corona-Krise sagten Sie, Sie würden die viele Zeit nutzen, um noch schneller Deutsch zu lernen. Was können Sie inzwischen?

Schon deutlich mehr als: „Hallo, ich bin Phonzie“ (lacht). Mein Deutsch wird besser und besser, mein Lehrer sagt, ich bin gut. Aber er sagt auch, ich soll mehr sprechen, weil ich doch recht schüchtern bin, wenn ich auf Deutsch reden soll. Da muss ich mich mehr trauen – und wenn ich viel spreche, wird es dann noch besser.

Xabi Alonso ist ein gutes Vorbild. Er konnte Ausdrücke wie „Flüssigkeitshaushalt ausgleichen“.

Oh, so weit bin ich noch nicht. Aber ich habe auch ein Lieblingswort, aber weil ich die lange Version nicht so gut aussprechen kann, nehme ich die kurze: „Schiri!“ Das kann ich auch auf dem Feld gut verwenden.

Auf dem Feld sprechen Sie also schon Deutsch – wann können wir ein Interview auf Deutsch führen?

Sagen wir: In einem Jahr. Dann bin ich so weit.

Die Corona-Krise dauert an, es bleibt also weiter Zeit. Wie sieht Ihr Alltag im Lockdown aus?

Ehrlich gesagt: Ich sitze viel daheim, tue nicht viel, bereite hauptsächlich meinen Körper und meinen Geist auf das nächste Training vor. Was soll man auch sonst machen? Es hat nichts offen, ich gehe höchstens für einen kurzen Spaziergang raus. Und ich habe eine neue Leidenschaft.

Welche?

Ich habe angefangen, Klavier zu spielen. Hoffentlich werde ich da auch schnell besser.

Haben Sie viel Zeit, nachzudenken? Vielleicht sogar zu viel Zeit?

Natürlich denke ich auch über die letzten Spiele nach, das letzte Jahr, alles, was passiert ist. Das war schon viel. Aber auf keinen Fall zu viel! Ich komme nicht ins Grübeln, wenn Sie das meinen. An meiner Denkweise hat sich nichts geändert, ich bin klar und weiß: Ich will Spiele gewinnen – und noch mehr Titel. Das hat Spaß gemacht.

2020 standen Sie in der Fifa-Weltelf. Was fehlt Ihrem Spiel aktuell, um in die Weltelf 2021 zu kommen?

Ich muss einfach weitermachen, jeden Tag den Hunger zeigen, der uns letztes Jahr als Team zu fünf Titeln getragen hat. Im Spiel heißt das: kämpfen um jeden Ball! Und im Trainingsalltag: noch besser werden! Wenn zum Beispiel ein Offensivspieler an mir vorbeikommt, nehme ich das persönlich – und will unbedingt, dass das nicht noch mal passiert. Das sind viele Kleinigkeiten, aber ich sage mir selbst: Nichts darf mich stoppen auf meinem Weg in die Fifa-Weltelf 2021. Wenn man dabei war, will man das wieder schaffen.

Sie haben es sehr früh geschafft, stehen in einer Reihe mit jungen Spielern wie unter anderem auch Erling Haaland, dem man viel zutraut. Wer wird in fünf Jahren um den Ballon d’Or kämpfen?

Auf jeden Fall wird Haaland mitmischen, auch Jadon Sancho könnte ich mir vorstellen. Und auch ich möchte dabei sein, warum nicht? (lacht). Es gibt beim FC Bayern immer Kandidaten.

Die nächste Chance, die Fußball-Welt zu überzeugen, bietet sich bei der Klub-WM. Macht es für Sie denn einen Unterschied, fünf oder sechs Titel zu haben?

Natürlich. Wir wollen jeden Titel, den wir kriegen können. Der Gewinn der Klub-WM würde unser unglaubliches Jahr 2020 komplettieren. Dieses Jahr können es ja schon „nur“ noch fünf Titel werden, weil wir im Pokal leider ein schlechtes Spiel gemacht haben. Das ist aber abgehakt – wir schauen nach vorne. Und wir lassen uns auch nicht blenden und denken: Die Klub-WM werden wir locker gewinnen. Das wird ein Kampf. Darüber habe ich mit den erfahrenen Mitspielern gesprochen.

Was haben sie zur Klub-WM noch gesagt?

Thomas Müller hat mir viel erzählt. Über die Spiele gegen Teams, gegen die man vielleicht nur ein Mal in der Karriere spielt. Ich bin wirklich aufgeregt vor dem Trip, voller Vorfreude. Das ist noch mal eine andere Herausforderung für uns.

Im Herbst hatten Sie ein kleines Leistungstief, Hansi Flick bezeichnete es aber als „normal“. Wie haben Sie die Zeit erlebt?

Ich habe sie auch als normal angesehen, denn es gibt ja in jedem Sportlerleben Hoch- und Tiefphasen. Dass es für mich schwerer war, war ein Resultat aus meiner Knöchelverletzung, ich konnte das schon richtig einordnen. Jetzt bin ich auf einem guten Weg, mit jedem Spiel wird es besser. Ich weiß aber auch, dass ich – allein mit Blick auf das straffe Programm – meinen Körper noch besser pflegen muss als im letzten Jahr. Nur so kann ich den Standard halten, den wir spielen wollen. Und dem Anspruch gerecht werden, den auch ich selbst an mich habe.

Das Problem lag also eher in den Beinen als im Kopf?

So ist es. Es heißt ja, dass Erfolg zu Kopf steigt, aber das kann ich für mich ausschließen. Ich habe viele Menschen um mich herum, die mich auf dem Boden halten. Es besteht keine Gefahr, dass ich abhebe.

Wer hilft Ihnen bei Bayern – Ihr Mentor Salihamidzic, Kapitän Neuer?

Ich rede am meisten mit meiner Familie und meinem Manager. Da kriege ich wichtige Tipps, die mir auch auf dem Feld helfen. Ich weiß aber, dass ich mich bei Bayern jederzeit an alle wenden kann, wenn Redebedarf besteht.

Ihr Markenzeichen ist das Lächeln im Gesicht, das – so sagen Sie – alles im Leben leichter macht. Gab es Zeiten, in denen es schwieriger war, sich das Lächeln beizubehalten?

Natürlich gab es die, das sieht man mir dann aber auch schnell an (lacht). Auch bei uns Fußballern ist ja nicht alles immer nur super. Aber ich mache mir schon jeden Tag bewusst, warum ich diesen Sport mache: Weil ich ihn liebe, seitdem ich ein kleiner Junge war, nicht weil mich jemand dazu gedrängt hat. Deshalb macht mir auch jedes Training Freude, ich bin einfach glücklich auf dem Feld. Selbst wenn ich mal einen schlechteren Tag habe.

Sind Sie eigentlich aktuell der Linksverteidiger Nummer 1 im Team – oder Lucas Hernandez?

Man sieht ja, dass wir aktuell oft wechseln.

Deshalb die Frage...

Für mich ist sie nicht wirklich wichtig. Das ist jede Woche die Entscheidung des Trainers, und ich bin glücklich, wenn die Wahl auf mich fällt. Am Ende geht es um den Erfolg des Teams, es wird immer derjenige spielen, der an diesem Tag am besten dafür geeignet ist, ihn zu garantieren. Wenn ich das Team mal nicht auf dem Feld unterstütze, dann mache ich es von außerhalb.

Wenn Sie spielen, laufen Sie neben David Alaba auf. Was wird fehlen, wenn er nicht mehr da ist?

Ganz klar: Die Kommunikation. Er gibt mir so viele Tipps und Kommandos, das wird mir definitiv fehlen. Können Sie auf der Tribüne hören, wie viel er spricht?

Bei Geisterspielen sehr gut. Er ruft oft: „Phonzie!“

(lacht) Sehen Sie! Er sagt: „Komm rein!“, „Achtung, da ist einer hinter Dir!“ Ich kriege von ihm permanent Informationen, die mich auf den Zehenspitzen stehen bleiben lassen. Mit seiner Stimme im Kopf verliere ich nie den Fokus. Ich habe sehr, sehr viel von ihm gelernt. Ich sehe ihn als eine Art Mentor.

Seine Rolle wird womöglich Dayot Upamecano einnehmen, den Sie zuletzt als „Biest“ bezeichneten.

Das war als ausdrückliches Lob gemeint. Er ist ein sehr guter Spieler. Wenn man ihm zusieht, merkt man nicht nur, dass er ein guter Verteidiger ist, sondern auch ein starker Mann mit großen Willen.

Wann werden Sie so weit sein, auf dem Feld Kommandos zu geben?

Ab und an gebe ich schon welche, aber ich gebe zu: Es sind noch nicht so viele, wie es sein könnten. Ich versuche auch da, mich zu verbessern, finde es im Moment aber in der Hitze des Spiels noch schwer, auf Deutsch Anweisungen zu geben. Wenn ich etwas sage, rutscht es mir meist in Englisch raus.

Irgendwann wollen Sie aber ein echter Bayern-Wortführer sein, oder?

Natürlich. Wenn ich in ferner Zukunft sogar mal Kapitän des FC Bayern sein könnte, wäre das einfach nur unglaublich. Dafür muss ich aber noch viel, viel lernen, sportlich auf absolutem Top-Niveau stabil sein und auf dem Feld sowie daneben auch meine Kommunikation noch stark verbessern. Ich habe schon viel gelernt, aber um ein echter Leader zu werden, braucht es noch wesentlich mehr. Daran arbeite ich.

Werden Sie das Bayern-Spiel bis 2025 und danach weiter als linker Verteidiger prägen – oder lieber doch wieder offensiver?

Ich spiele da, wo der Trainer mich braucht. Und wenn er mich eher hinten braucht, würde ich die Kapitänsbinde irgendwann auch als Verteidiger annehmen (lacht).

Ihren Top-Speed-Rekord haben Sie auch aufgestellt, als Sie defensiv gefordert waren.

So ist es. Das spricht doch Bände. Ich versichere: Verteidigen macht mir auch Spaß.

Interview: Hanna Raif

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare