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Nicht schön, aber notwendig

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Von: Thomas Kilchenstein

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Keiner da im weiten Rund, bis auf ein paar Fußballer. Muss das sein? Unser Redakteur Thomas Kilchenstein findet: ja.
Keiner da im weiten Rund, bis auf ein paar Fußballer. Muss das sein? Unser Redakteur Thomas Kilchenstein findet: ja. © dpa

Natürlich sind Geisterspiele nicht schön, Aber es herrscht nun mal eine Pandemie und kein verantwortungsvoller Politiker lässt eine Gefahr für die Bevölkerung „einfach laufen“.

Man könnte die ganz große Keule schwingen und sagen, Geisterspiele leisten einen Beitrag zur Rettung des Klimas. Fußballspiele ohne Zuschauende sind nachhaltiger, verringern den Co2-Fußabdruck, es fallen deutlich weniger Müll- und Plastikberge an, der öffentliche Nahverkehr wird entlastet, es rollen weniger umweltbelastende Pkw über die Straßen, als wenn sich Wochenende für Wochenende eine halbe Millionen Menschen lärmend in Marsch setzen.

Aber das wäre zu billig.

Natürlich sind Geisterspiele nicht schön, es fehlt die Atmosphäre, die Stimmung, das Flair, es fehlt das ganze Drumherum, das ein Fußballspiel erst zu dem Event werden lässt, das es ist.

Aber es herrscht nun mal eine Pandemie, und kein verantwortungsvoller Politiker lässt eine potenzielle Gefahr für die Bevölkerung „einfach laufen“. Und ein Mittel, das Virus in den Griff zu bekommen, ist: Kontaktvermeidung. Natürlich ist es denkbar, 20 000 Leute in eine Arena mit einem Fassungsvermögen von 60 000 zu lassen, die Ansteckungsgefahr im Freien ist eher gering. Aber diese Menschen müssen auch ins Stadion kommen, sie nutzen Bus und Bahn, sie müssen zur Toilette, sie ballen sich an den Eingängen, sie liegen sich in den Armen, sie gehen eher lax mit der Maske um.

Unstrittig ist: Es ist auch eine gehörige Portion Symbolpolitik dabei. Professor Felix Post, Chefarzt der Inneren Medizin im Klinikum Koblenz und früher Mannschaftsarzt von Mainz 05, sagt deutlich: „Es passt nicht zusammen, wenn 10 000 Zuschauer bei einem Bundesligaspiel wären, aber man seine kranke Mutter trotz Corona-Test nicht im Krankenhaus besuchen darf.“ Und was sollen jene sagen, deren Lebensbereiche sehr viel massiver, häufig existenzbedrohend eingeschränkt werden. Zudem: Karnevals- und Oktoberfeste finden auch nicht statt. Noch eins: Es geht hier um Fußball, um Unterhaltung, um Spaß, um ein Freizeitvergnügen. Oder um es mit Prof. Post zu sagen: „Es werden für Nebensachen Dinge erlaubt, die wir in der Hauptsache nicht gestatten.“

An den Geisterspielen wird der Fußball nicht zerbrechen. Vielleicht tut es dem milliardenschweren Fußball-Zirkus mit all seinen Exzessen mal ganz gut, in sich zu gehen, demütiger zu werden, Gegenwind zu spüren, nicht alles für selbstverständlich und gebratene Extrawürste für die Norm zu halten.

Und irgendwann ist die Pandemie auch wieder vorbei.

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