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Setzt auf Erfahrung: Bayern-Coach Niko Kovac.

Bayern München

Nicht rütteln an der Hierarchie

Niko Kovac setzt beim FC Bayern vorerst auf die altgediente Generation.

Bisher hat Niko Kovac nicht nur intern mit klaren Worten überzeugt. Der neue Trainer des FC Bayern hat in seinen ersten Wochen in München auch öffentlich weder in Rätseln gesprochen noch sich im Vagen verloren. Doch mit Beginn der Bundesligasaison ändert sich das wohl. Zumindest aus der Startelf für den Auftakt gegen die TSG 1899 Hoffenheim versucht er, ein kleines Geheimnis zu machen. „Wie wir aufstellen, wissen nicht viele“, sagte er und grinst.

Trotzdem wäre es eine Überraschung, wenn die Anfangsformation bei der Bundesliga-Eröffnung heute Abend so ganz anders aussehen würde als im Supercup gegen Eintracht Frankfurt und im Pokal in Drochtersen, Kovac wird zu Saisonbeginn auf jene Spieler setzen, die schon lange im Verein sind, zum Teil sogar schon beim Triple-Gewinn 2013 dabei waren. Allein Niklas Süle, der wohl den Vorzug vor dem noch immer abwanderungswilligen Jérôme Boateng bekommen wird und in der mannschaftsinternen Hierarchie unter Kovac nach oben kletterte, ist Teil des Generationswechsels.

Dass der Bayern-Trainer den von den Verantwortlichen gewünschten Umbruch erst einmal verschiebt, hat zum einen damit zu tun, dass er somit erst einmal Ruhe hat in der Mannschaft. „Die Spieler auf dem Feld sind Superstars, die auf der Bank sind Superstars, die auf der Tribüne auch. Aber wir haben das gleiche Recht wie alle anderen und dürfen nur mit elf Leuten spielen“, weiß Kovac.

Zum anderen liegt seine Personalauswahl auch ein bisschen an der WM. Zwar ist Kovac mit dem Fitnessstand der später ins Training eingestiegenen Nationalspieler zufrieden. „Sie hatte so viel Rückstand gar nicht“, findet er. Und mit Ausnahme von Corentin Tolisso sind alle auch schon seit Ende Juli wieder im Training. Aber in den ersten Wochen haben sich eben ausgerechnet jene als fast unentbehrlich präsentiert, die auf Sicht gesehen aufgrund ihres Alters entbehrlich sein müssen.

An Franck Ribéry und Arjen Robben, dem Senioren-Duo auf den Außenbahnen, kommt Kovac erst einmal nicht vorbei, weil sie überzeugend gespielt haben in der Vorbereitung, natürlich. Nicht nur wegen ihres Engagements in der Vorbereitung. Er hat die beiden auch oft ausgiebig gelobt und sie wissen lassen, dass er sie als Führungsfiguren brauche, aber auch, dass sie vermutlich nicht immer spielen werden.

Goretzka wohl auf der Bank

Im Moment muss er sich darüber keine Gedanken machen, denn Kingsley Coman und Serge Gnabry, die den beiden Oldies die Plätze auf den Außenpositionen in dieser Saison streitig machen sollen, haben noch einiges aufzuholen. Coman war in der Rückrunde lange verletzt gewesen und ist deshalb auch nicht für die WM nominiert worden. Gnabry startete vielversprechend in die Vorbereitung, wurde von Kovac auf verschiedenen Positionen eingesetzt, muss aber seit Anfang August wegen Oberschenkelproblemen pausieren.

Kovacs Personalwahl im zentralen Mittelfeld ist dagegen etwas komplizierter, weil das Gedränge noch größer ist. In Leon Goretzka muss ein Nationalspieler wohl zunächst auf die Bank. Dass der Ex-Schalker mit seinen bisherigen Kurzeinsätzen nicht zufrieden ist, hat er in diesen Tagen in der „Abendzeitung“ verkündet. Eingewechselt zu werden, sagte er, „das ist für mich schon ungewohnt. Ich sehe mich grundsätzlich nicht als Spieler, der reinkommt und gleich Dribblings zeigt.“ Rückkehrer Renato Sanches hat in den ersten Testspielen überzeugt, aber zuletzt bremsten ihn Rückenprobleme beim Versuch, sich im zweiten Anlauf beim FC Bayern durchzusetzen.

Die Situation wird sich wohl noch etwas entspannen, wenn Sebastian Rudy wie erwartet den Verein verlässt, allerdings wohl jetzt doch nicht zu RB Leipzig, sondern eher zum FC Schalke 04. Aber es wird, selbst wenn der eine oder andere verletzt mal ausfallen sollte, Härtefälle geben auf dem Weg zum Umbruch.

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