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Nicht nur Rainer Koch ist das Problem

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Von: Jan Christian Müller

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So sieht kein Sieger aus: Rainer Koch.
So sieht kein Sieger aus: Rainer Koch. © Imago

Ja, die Abwahl des umstrittenen Funktionärs ist eine Chance für den DFB, sich zu erneuern. Doch von selbst geht es nicht. Ein Kommentar.

Was Beharrungskräfte und öffentliches Ansehen angeht, befindet sich der Deutsche Fußball-Bund nicht weit entfernt von der katholischen Kirche.

Das soll nun besser werden. Die Chancen sind dadurch gewachsen, dass der umstrittenste deutsche Fußballfunktionär, der Bayer Rainer Koch, aus dem Präsidium abgewählt wurde. Und zwar nach seinem peinlichen Auftritt völlig zu Recht. Zu selbstgerecht war der 63-Jährige im Plenum aufgetreten. Seine Tage in zentraler Machtposition sind gezählt. Als DFB-Vertreter in der Uefa ist er langfristig nicht mehr tragbar. Persönlich ist das ein bitteres Schicksal für den Multifunktionär, der das Netzwerken lebte wie kein anderer,

Der neue, mit breiter Mehrheit ausgestattete DFB-Präsident Bernd Neuendorf muss sich nun mit Taten an seinen wohlfeilen Worten messen lassen. Vergleichbar kraftvoll waren auch seine drei zurückgetretenen Vorgänger ins hohe Amt gestartet – und allesamt auf maximal unliebsame Art und Weise gescheitert.

Sieben Verbandschefs binnen sieben Jahren (mitsamt der dreimaligen zwischenzeitlichen Interims-Präsidentschaften) legen ein mangelhaftes, ach was: ein vollkommen ungenügendes Zeugnis ab. Respekt gebührt dem unterlegenen Peter Peters, der wusste, dass er kaum eine Chance hat und dennoch auch in der Niederlage aufrecht blieb.

Die rhetorische Strategie des entmachteten Rainer Koch zielte darauf ab, die Hauptschuld am schlechten Image des DFB den bösen Medien zuzuschieben. Auch wenn es in Teilen stimmt, dass einzelne Journalisten in eiferndem und geiferndem Jagdinstinkt mitunter verschwörerisch unterwegs waren – der Beifall für Kochs von wenig Selbstkritik zeugender Rede blieb noch nicht einmal spärlich. Sondern minimalistisch. Fürwahr schon vor der Abwahl eine akustische Abreibung für Koch, der sich mit seinem unsouveränen Auftritt selbst demaskierte.

Neuendorf und DFL-Aufsichtsrat Aki Watzke geben sich derweil optimistisch, dass sie den „neuen“ DFB von alten Seilschaften emanzipieren können. Sie erwecken nicht den Eindruck, als mangele es ihnen an Selbstbewusstsein, das hinzukriegen.

Und Watzke gab deutlich zu erkennen, dass er die Strategie des vormaligen DFL-Bosses Christian Seifert so nicht fortführen wird. Seiferts spaltendes Credo, die Bundesliga sei die Lokomotive, der DFB nur der Anhänger, gilt nicht mehr. Es wird, um Bild zu bleiben, ersetzt durch Watzkes Gleichnis: Wenn DFB und DFL weiter wie zwei Züge aufeinander zuführen, würde der deutsche Fußball „dramatisch verlieren“. Das ist klug argumentiert.

Besonders beachtenswert gestaltete Stephan Osnabrügge seine Abrechnung zum Abschied. Der frustriert ausgeschiedene Schatzmeister gab Einblicke in das persönliche Leid, das ein DFB-Funktionär zuletzt offenbar aushalten musste. Seiner Wahrnehmung zufolge vollkommen zu Unrecht. „Hetzartikel“ hätten zu einer „rücksichtslosen Beschädigung“ auch bei ihm geführt, die Staatsanwaltschaft, die nach wie vor gegen ihn wegen Steuerhinterziehung ermittelt, sei „belogen“ worden und habe sich „instrumentalisieren“ lassen. Die Ermittlungen werden zeigen, ob der tief verletzte Mann Recht hat. Am Ende war er derjenige, der den völlig derangierten Koch tröstete.

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