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"Wir haben zu viele Punkte liegen gelassen", sagt Armin Veh.

1. FC Köln

Nicht mehr im Wind

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Armin Veh, der am Samstag mit dem 1. FC Köln beim SV Darmstadt 98 gastiert, fühlt sich wohl hinter dem Schreibtisch.

Wenn Armin Veh an diesem Samstag mit dem 1. FC Köln am Darmstädter Böllenfalltor gastiert, rund 30 Kilometer südlich des WM-Stadions im Frankfurter Stadtwald, dann wird er den Aufenthalt im Hessischen nicht dazu nutzen, ein paar alte Bekannte zu treffen. Das liegt daran, weil die meisten nicht da sind, zur gleichen Zeit gastiert die Eintracht nämlich in Vehs Geburtsstadt Augsburg. Außerdem: „Ich brauche kein Spiel in der Nähe, um nach Frankfurt zu kommen.“

Nein, Frankfurt, die Eintracht, sie sind immer noch in seinem Herzen, die vier Jahre waren schon etwas Besonderes, auch wenn das zweite Engagement in der Saison 2015/16 ein bisschen schiefgelaufen ist. Und natürlich ist der Kölner Geschäftsführer Sport weiterhin bestens informiert über seinen Ex-Klub, „die haben momentan eine richtig gute Mannschaft“, sagte er am Donnerstag der FR. Und Veh ist lange genug im Geschäft, um den Hessen eine rosige Zukunft zu prophezeien. Die Sturmreihe mit Ante Rebic, Luka Jovic und Sebastien Haller suche in dieser Form in der Bundesliga ihresgleichen. „Die Eintracht kann wirklich etwas erreichen.“

Ob es schon die Champions League ist, will der 57-Jährige noch offen lassen, aber eine erneute Teilnahme in der Europa League ist für ihn durchaus vorstellbar. Neben den Frankfurter Offensivkräften gefallen ihm die beiden Außenbahnspieler Danny da Costa und Filip Kostic. Dass Kostic derart gut einschlägt, sei für ihn keine Überraschung. „Ich hab ihn schließlich nach Stuttgart geholt“, sagt er und lacht. Tatsächlich war der Serbe 2014 vom FC Groningen zum VfB Stuttgart gewechselt, als Veh dort Trainer war.

Erstklassigkeit - das ist, ganz klar, auch das oberste Ziel für den 1. FC Köln, der morgen um 13 Uhr auf den SV Darmstadt 98 trifft. Ganz rund läuft es nicht für den momentanen Tabellenzweiten der zweiten Liga trotz eines fulminanten 8:1-Erfolgs zuletzt gegen Dynamo Dresden. „Wir haben zu viele Punkte liegen gelassen“, sagt Veh, und weil ihm das und vor allem das Spiel gegen den Mitkonkurrenten Hamburger SV gar nicht gefiel, hat er Klartext geredet. Er könne das Gerede vom zu hohen Druck nicht mehr hören, „das geht mir auf den Keks.“

Solche Wutreden, gerade nach dem schlechten HSV-Spiel, lässt sich einer wie Veh nicht nehmen, „wenn ich der Meinung bin, es ist notwendig“. Klar, die zweite Liga „ist eine harte Nummer“, man müsse stets „hellwach sein“ und auch ein wenig demütig, aber langsam müsste man sich daran gewöhnt haben, in jedem Spiel der Favorit zu sein. Auch gegen die Lilien wird der Kölner Traditionsklub diese Rolle übernehmen müssen; ohnehin tut sich der Bundesligaabsteiger auswärts leichter, 13 ihrer bislang 24 Zähler haben die Rheinländer in der Fremde geholt, bei vier Siegen, einem Remis und lediglich einer Niederlage.

Ohnehin entscheide sich der Aufstieg erst in der Rückrunde, ist Veh überzeugt, da muss man einen langen Atem bewahren. Und seine Heimspiele gewinnen. So war es auch 2011/12 mit Eintracht Frankfurt, die Veh aus Liga zwei nach oben geführt hat. Mit dem FC sei man angetreten, „den Aufstieg zu schaffen, daran lasse ich mich messen“, danach wolle er den Traditionsklub seriös „in ruhige Bahnen“ führen, hat er sich unlängst im „Kölner Express“ zitieren lassen. Bis 2020, so lange läuft sein Vertrag in Köln, hat er dazu Zeit.

Das ist ja seit einem Jahr sein Kerngeschäft: Gegenwart und Zukunft gestalten, planen, in die Wege leiten, „da sind wir auf einem guten Weg“. Und das ist im Augenblick „genau das Richtige für mich“, sagt Armin Veh, der nicht mehr „im Wind stehen“ will als Trainer, zudem „habe ich dafür nicht mehr die Leidenschaft“: Und die benötige man als Coach zwingend, sonst „kannst du den Job nicht machen“. Neigungen, auf die Trainerbank zurückzukehren, verspürt der Vater zweier erwachsener Söhne nicht, „beim FC sowieso nicht“.

Aktuell ist Hundeliebhaber Veh („Bei uns ist es so: Der eine ist für den Hund zuständig, der andere dafür, dass der Hund etwas zu essen kriegt“) froh darüber, dass Anthony Modeste bald wieder auf Torejagd geht - sofern er die Spielerlaubnis erhält. Derzeit hat TJ Quanjian, der chinesische Klub, für den Modeste zuletzt spielte, die Kündigung des Profis nicht akzeptiert und die Gerichte angerufen. Dass Modeste, der vor eineinhalb Jahren den Klub mit 25 Toren in die Europa League schoss und dann für 30 bis 35 Millionen Euro nach China wechselte, womöglich nicht zum Duo Simon Terodde/Jhon Cordoba passe, will Veh nicht gelten lassen. Trainer Markus Anfang spiele mittlerweile mit zwei Spitzen, da brauche man drei, vier Stürmer. Außerdem: „Wenn du Modeste kriegen kannst und es nicht machst, wäre das dämlich.“

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