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Nicht ganz dicht

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Von: Jan Christian Müller

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Immer einen Schritt zu spät: Dortmunds Nico Schlotterbeck (rechts).
Immer einen Schritt zu spät: Dortmunds Nico Schlotterbeck (rechts). © dpa

In der Abwehr hängt Dortmund und damit auch die DFB-Elf durch, das hat der Offenbarungseid in Gladbach demonstriert. Hauptverantwortlich dafür: Schlotterbeck, Hummels und Süle.

Es könnte einem Angst und Bange werden, so man sich dieser Tage als Fan der deutschen Nationalmannschaft vor der WM in Katar outen würde. In der Abwehr hängt Dortmund und damit auch Deutschland nämlich ziemlich tief durch. Das 2:4 des BVB in Mönchengladbach hat das erschreckend dokumentiert. Ein Offenbarungseid der prominentesten deutschen Defensive in allem, was zählt: Abstimmung, Tempo, Wachheit. Hauptverantwortlich: Nico Schlotterbeck, Mats Hummels und Niklas Süle. BVB-Boss Hans-Joachim Watzke fasste das Gesehene einprägsam zusammen: „Unter aller Kanone!“

Bundestrainer Hansi Flick plant für die Weltmeisterschaft mit Süle in den Innenverteidigung neben dem gesetzten Abwehrchef Antonio Rüdiger. Aber weil der einzige wirklich gelernte rechte Verteidiger im WM-Kader Lukas Klostermann heißt und nach einem Syndesmosebandriss schon drei Monate fehlt (und auch Samstag in Bremen nur auf der Bank saß), könnte Süle als Rechtsverteidiger benötigt werden. Dann bräuchte es einen Ersatz für innen: Zuletzt hat Flick stets lieber Nico Schlotterbeck als Matthias Ginter dort platziert. Zwischenfazit: Der 22-Jährige spielt gut nach vorne, hat in fünf Länderspielen aber schon drei (!) Strafstöße verursacht.

Flick hat auch vor diesem Hintergrund intensiv mit seinen Assistenten das Für und Wider einer Nominierung von Mats Hummels abgewogen. Mit dem Ergebnis, dass es nicht passt. Sportlich nicht, weil die DFB-Elf mit hoher Viererkette agieren will und somit Tempo in der Innenverteidigung benötigt. Und auch mit Blick auf die hochsensible Hierarchie nicht, weil es sich bei Hummels um einen ausgewiesenen Leitwolf handelt. Leitwölfe gehören auf den Platz, nicht auf die Bank.

Und Leitwölfe gehören an die Mikrofone. Was die Außendarstellung des Nationalteams angeht, ist Hummels’ Fehlen bedauerlich, denn der intelligente Profi hätte sich mit einiger Wahrscheinlichkeit klug zur Situation in Katar geäußert. Aber Flicks Entscheidung ist aus Trainersicht nachvollziehbar. Sie hat bei Hummels für tiefen Frust gesorgt. Über Instagram ließ er ausrichten: „Mein 400. Bundesligaspiel war leider ein (sehr) schlechtes. Was für eine miese Woche.“ Aki Watzke fügte bei „Bild“-TV an, der zweifache WM-Teilnehmer habe mit „Riesenenttäuschung“ auf Flicks Anruf reagiert und sei „sehr angegriffen“.

Im DFB-Team gibt es für Süle, Schlotterbeck, Julian Brandt und Karim Adeyemi Ausgleich durch bestgelaunte Bayernspieler in Topform. In Dortmund aber steht eine Winterpause des Trübsals bevor. Nicht nur für Mats Hummels.

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