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Vorspiel zum Sommermärchen: Huth , Lehmann und Metzelder (von links) konsterniert beim 1:4 in Florenz gegen Italien.

0:6 gegen Spanien

Nicht der erste Rückschlag

  • Günter Klein
    vonGünter Klein
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Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft hat in ihrer jüngeren Geschichte schon mehr als eine heftige Pleite erlitten. Manche waren ein Weckruf zur rechten Zeit. Die bittersten Niederlagen seit 2000 und ihre Folgen.

EM 2000, 0:3 gegen Portugal: Letztes Vorrundenspiel, es besteht noch eine Chance aufs Weiterkommen – doch die deutsche Mannschaft gibt sich gegen Portugal, das locker mit einer B-Elf antritt, in Rotterdam auf. Am nächsten Tag tritt Erich Ribbeck, ohnehin nur ein Not-Bundestrainer, zurück.

WM-Qualifikation 2000, 1:5 gegen England: Feiertag für den englischen Fußball, der historische Sieg wurde mit Sondereditionen von Tassen und Shirts gefeiert. Rudi Völler, dem deutschen Trainer, wurde die Pleite nachgesehen – schon weil sie vom Drama überschattet wurde, dass sein Vater auf der Tribüne im Münchner Olympiastadion kollabierte (er überlebte die Herzattacke). Die DFB-Elf musste als Gruppenzweiter in die Relegation zur WM, setzte sich gegen die Ukraine durch und wurde Vizeweltmeister.

EM-Vorbereitung 2004, 1:5 in Rumänien: Sechs Wochen vor der EM ein frustrierender Abend vor nur 10 000 Zuschauern in Bukarest. Nach einem 0:4 ließ sich Oliver Kahn zur Halbzeit gegen Timo Hildebrand auswechseln. Es war zu erkennen: Deutschland ist weit weg von der Spitze. Bei der EM war nach der Vorrunde Schluss, Rudi Völler warf noch in der Nacht trotz seines Vertrags bis 2006 hin.

Testspiel März 2006, 1:4 gegen Italien: Ein großes Erlebnis für die Nationalspieler in Florenz: Sie erhielten in der Kabine Besuch von Ferrari-Star Michael Schumacher. Bis dahin war der Abend aber unerfreulich: Gut drei Monate vor der WM im eigenen Land wurde die Mannschaft auseinandergenommen, sie hatte kein Mittel gegen die italienische Sturmurgewalt Luca Toni. Die WM-Vorfreude war dahin, der Sportausschuss des Deutschen Bundestages dachte daran, Bundestrainer Jürgen Klinsmann einzubestellen, er sollte sein Konzept darlegen (zu dem Termin kam es aber nicht), Klinsmann hielt sich nun kaum noch in seinem Erstwohnsitz in Kalifornien auf, er spürte, dass er auf der Kippe stand. Theo Zwanziger, DFB-Präsident in der Doppelspitze mit Klinsi-Freund Gerhard Mayer-Vorfelder, hatte einen Notplan im Kopf, wie er Jahre später erzählte: Klinsmann durch Sportdirektor Matthias Sammer ersetzen. Doch die Mannschaft kriegte mit Klinsmann die Kurve, es folgte das Sommermärchen, das erst im Halbfinale (die Italiener wieder) endete.

EM-Halbfinale 2012, 1:2 gegen Italien: Ein Bild, das sofort präsent ist: Wie Mario Balotelli, Stürmer der Italiener, gockelig seine beiden Tore feiert. Die Niederlage wird Joachim Löw angekreidet, weil sein Taktikstreich – Toni Kroos gegen Starspielmacher Andrea Pirlo zu stellen – sich als grober Fehler erweist. Scharfe Kritik an Löw, der zwei Monate untertaucht.

WM-Qualifikation 2012, 4:4 gegen Schweden: Zwar ein Remis, vom Empfinden aber eine Niederlage. Im Oktober 2012 führt Deutschland in Berlin 4:0. In der 62. Minute fangen die bis dahin harmlosen Schweden mit Toreschießen an. Endstand 4:4. Guter Weckruf, ist danach nicht mehr notwendig. Das Rückspiel gewinnt die DFB-Elf 5:3. 2014 wird sie Weltmeister.

WM 2018: 0:1 gegen Mexiko, 0:2 gegen Südkorea: In Moskau wird Löws Mannschaft von der Intensität der Mexikaner völlig überrascht, Verzweiflung überkommt sie. Der Effekt des Last-Minute-Siegs gegen Schweden (2:1, Toni Kroos mit dem Sensationsfreistoß) verpufft gegen Südkorea. Historische WM-Pleite. Konsequenzen gibt es nur bedingt: Als Sündenbock muss Mesut Özil herhalten, Löw bezichtigt sich der Arroganz, bleibt aber im Amt und leitet einen Umbruch ein. Ob er gelingt – nach dem 0:6 von Sevilla äußerst fraglich. gük

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