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Großes Drama gehört in der Karriere des Neymar einfach dazu.

Neymar nach Paris

Neymar - der kickende Raffzahn

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Irgendwie ging es zwischen Neymar und dem FC Barcelona immer nur ums Geld. Wen juckt schon Fairplay, wenn er ordentlich abkassieren kann. Ein Kommentar.

Jeden Sommer öffnen die Amphitheater dieser Welt ihre Pforten und laden Kulturbegeisterte zu den Aufführungen großer Klassiker in historischem Ambiente ein. Das große Theater dieses Fußballsommers bestimmt Neymar da Silva Santos Júnior. Jener Brasilianer, der bei der Heim-WM 2014 nach einem fiesen Tritt in den Rücken mit gebrochenem Wirbel unter Tränen vom Spielfeld getragen werden musste und ein ganzes Land in Schockstarre versetze. Jener Brasilianer, der zwei Jahre später, erneut unter Tränen, sein Team zur Goldmedaille bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro schoss und ein ganzes Land verzückte.

Großes Drama gehört in der Karriere des 25-Jährigen einfach dazu. So verwundert es auch nicht, dass Paris St. Germain bereit ist, für den Wanderer zwischen den Extremen die festgeschriebene Ablösesumme von 222 Millionen Euro auf den Tisch zu legen. Immerhin ist er ja auch ein ziemlich guter Stürmer. Wenn man sich aber anschaut, wie der Megadeal eingefädelt werden soll, verschlägt es einem die Sprache. Neymar befindet sich hartnäckigen Gerüchten zufolge in Doha, um einen Sponsoringdeal mit der Qatar Sports Investment über 300 Millionen Euro abzuschließen, die ihn als Markenbotschafter für die WM 2022 in Katar auserkoren hat. Die Investorengruppe um Scheich Nasser al-Khalifa leitet ganz nebenbei die Geschicke von Paris St. Germain. Durch den Deal kann Neymar die Ablösesumme an Barcelona selbst zahlen, und Paris muss nicht fürchten, gegen das Financial Fairplay der Uefa zu verstoßen. So wird das ganze Konstrukt ad absurdum geführt. Genauso absurd sind übrigens auch die Drohungen aus Barcelona, Paris bei der Uefa wegen Verstoßes gegen das Financial Fairplay verklagen zu wollen. Ausgerechnet der Klub, der allen seinen Stars Ausstiegsklauseln in dreistelliger Millionenhöhe in die Verträge schreibt. Summen, die ohne Tricksereien nie und nimmer in Einklang mit dem Financial Fairplay aufzubringen sind.

Raffzahnmentalität statt Romantik

Aber wen juckt schon Fairplay, wenn er ordentlich abkassieren kann. Neymar fordert übrigens seit gestern auch die Auszahlung eines versprochenen Handgelds von 26 Millionen Euro, die er für die Vertragsverlängerung bis 2021 erhalten sollte.  Barcelonas Anwälte wollen die Summe auf 20 Prozent kürzen, weil Neymar vier Jahre des Kontrakts bei einem Wechsel an die Seine nicht erfüllen würde.


Raffzahnmentalität statt Romantik ist eben auch in Barcelona die nackte Realität. Und irgendwie ging es zwischen Neymar und dem FC Barcelona immer nur ums Geld. Die Katalanen mussten vergangenes Jahr noch eine Strafe von 5,5 Millionen Euro für den Neymar-Transfer vom FC Santos (2013) wegen Steuerhinterziehung zahlen. Plus weiterer 9,3 Millionen wegen der falsch dargestellten Transfererklärung. Auch Neymar geriet ins Visier der Steuerfahnder und wurde in seiner brasilianischen Heimat zu einer Strafzahlung von rund 45 Millionen Euro verdonnert. Wer bald schon 30 Millionen Euro im Jahr verdient und mit so viel Geld jongliert, verliert halt schnell mal den Überblick.

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